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Diese EM kann Deutschland und die Stimmung grundlegend ändern

Der Schmerz über das abrupte Ende der deutschen EM-Träume und der Euphorie sitzt tief. Doch die Nationalmannschaft und die Fans haben gezeigt, wie Deutschland auch sein kann - optimistisch, fröhlich, bunt. Ein Kommentar.

Von Daniel Klein
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Kein Grund, den Kopf hängenzulassen. Die deutschen EM-Auftritte waren ein Stimmungsaufheller in einem entmutigten Land, findet Sportredakteur Daniel Klein.
Kein Grund, den Kopf hängenzulassen. Die deutschen EM-Auftritte waren ein Stimmungsaufheller in einem entmutigten Land, findet Sportredakteur Daniel Klein. © Bernd Weißbrod/dpa; SZ

Enttäuschung, Wut, Ohnmacht, Trauer, Fassungslosigkeit. Dieser Mix an Emotionen eint nach dem Viertelfinal-Aus die Nationalmannschaft und die Fans. Der Schmerz über den K.o. sitzt viel tiefer als bei den vergangenen Turnieren, als das frühe Scheitern das Ergebnis desolater Leistungen und damit folgerichtig war – und fast schon eine Erlösung.

Bei der Heim-EM haben die Spieler mit ihren Auftritten etwas geschafft, was noch vor Monaten unmöglich schien: Sie lösten Begeisterung aus, Euphorie, Stolz. Die Stimmung im Land war plötzlich eine ungewohnt positive und geeinte. Doch was passiert nun nach der dramatischen Niederlage gegen Spanien? Ist nicht nur sportlich alles vorbei?

Gezeigt, wie Deutschland auch sein kann

Es mag nach einem unrealistischen Wunsch klingen, nach einer Träumerei, doch vielleicht kann der Fußball tatsächlich etwas Grundlegendes in unserer Gesellschaft verändern. In den Stadien und auf den überfüllten Fanmeilen war nichts zu spüren von einem lähmenden Pessimismus, von Schwarzmalerei und von einer Spaltung mitten durch die Gesellschaft. Vielmehr war ein Zusammenhalt zu sehen, eine bunte Lebensfreude und der Glaube, etwas Großes erreichen zu können. Und es war ein Stolz da auf das Land, die Mannschaft, das Geleistete – kein überheblicher, sondern einer in gesunder Dosis. Die letzten Wochen haben gezeigt, wie Deutschland auch sein kann.

Dazu passt, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann im Moment der bitteren Niederlage nicht nur mit den Tränen kämpfte, sondern bereits nach vorne schaute. Und das voller Optimismus. In zwei Jahren möchte er mit der Mannschaft Weltmeister werden. Auch das mag unmittelbar nach einem Viertelfinal-Aus bei einer Europameisterschaft unrealistisch klingen, ist aber genau der richtige Ansatz. Sich nicht kleinreden, nicht schlechter machen als man ist – dies wäre auch für ein Land und seine Gesellschaft wichtig.

Der Bundestrainer hatte gegen Spanien mit seiner Startelf überrascht. Mit der drohte sein Plan in der ersten Hälfte zu scheitern. Bereits in der Halbzeitpause zog er die Konsequenzen. Das wiederum könnte ein Vorbild sein für die Politik: Es ist nicht schlimm, Fehler zu machen, wenn man diese eingesteht und schnellstmöglich korrigiert.

Gegen Spanien reichte es trotzdem nicht zum Sieg. Doch der Auftritt begeisterte die Menschen auf den Rängen, den Plätzen, in den Wohnzimmern. Das war vielleicht sogar der größte Erfolg. Und ein Signal für ein entmutigtes Land.