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Die perfekte Prinz-Rolle - das macht die Rekordnationalspielerin

Die deutschen Fußballerinnen beeindrucken bei der EM auch mit ihrer mentalen Stärke. Ein Grund dafür: Sportpsychologin und Ex-Torjägerin Birgit Prinz.

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Ein Baustein im Puzzle. So beschreibt Birgit Prinz ihre Rolle in der Frauen-Nationalmannschaft.
Ein Baustein im Puzzle. So beschreibt Birgit Prinz ihre Rolle in der Frauen-Nationalmannschaft. ©  dpa/Sebastian Gollnow

Von Frank Hellmann

London. Mit Schlusspfiff suchte sich Birgit Prinz einen Platz an der Mittellinie. Sie stand einfach da mit ihrer dunkelgrünen Hose und dem mintgrünen Shirt und schaute sich im Community Stadium von Brentford an, wie die deutschen Fußballerinnen nach dem 2:0 gegen Spanien jubelnd ihre Ehrenrunde drehten, Handküsschen auf die Ränge warfen. Wie immer war die Ikone des deutschen Frauenfußballs die Ruhe selbst, ihre innere Zufriedenheit nur zu erahnen.

Schon früher fiel sie nicht als Partykönigin auf, die hinterher über den Rasen tanzte. Heute sagt sie: „Ich bin nicht die Eventmanagerin. Das können andere besser.“ Die deutsche Rekordnationalspielerin (214 Länderspiele, 128 Tore) arbeitet als Sportpsychologin bei den DFB-Frauen mit. Genau wie bei der WM 2019 gehört die gebürtige Frankfurterin auch bei dieser EM zum Team hinter dem Team. „Im Prinzip ist meine Arbeit eher im Hintergrund. Ich probiere, irgendwie Stimmung mitzubekommen, irgendwo ein offenes Ohr zu haben“, sagt die 44-Jährige.

Über ihre Rolle spricht sie mit der ihr angeborenen Zurückhaltung: „Ich weiß nicht, ob ich für alle wirklich wichtig bin. Ich bin bei allen Sitzungen dabei, von daher kann ich auch da Rückmeldungen geben.“ Die Arbeit mit einer Fußball-Mannschaft, insbesondere jetzt mit dem Frauen-Nationalteam, sei ein fortlaufender Prozess, geprägt von „Wellenbewegungen“, erklärt Prinz. „Wenn der Druck steigt, geht es eher in meine Richtung. Wenn alles läuft, habe ich eigentlich am allerwenigsten zu tun.“

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Alles hängt miteinander zusammen

Die Trennung von Kopf und Körper hat Prinz indes noch nie gemocht, für sie hängt alles miteinander zusammen. Auch sie vertritt die These: „Die Komponenten auf der psychologischen Ebene werden einfach immer wichtiger, weil wir nicht mehr die riesigen fußballerischen Unterschiede haben.“ Um sportliche Leistung abzurufen, sei Freude eine „ganz wichtige Komponente“. Ansonsten kann sie nur die Losung ausgeben: „Nicht ablenken lassen, viel sprechen, möglichst wissen, was man kann, dann sollte es eigentlich laufen.“

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg will Prinz’ Expertise und Erfahrung nicht missen und öffnet ihrer früheren Mitspielerin alle Türen. „Sie ist in alle Bereiche eingebunden. Sie steht immer allen mit Rat und Tat zur Seite.“ Dass sich die hauptberuflich bei der TSG Hoffenheim angestellte Prinz so fürs Nationalteam engagiere, bedeute „einen absoluten Mehrwert für die ganze Gruppe und für den DFB“.

Noch immer gern auf dem Feld

Noch immer tritt die zweimalige Weltmeisterin und fünffache Europameisterin – den letzten Titel holte sie 2009 im EM-Finale gegen England (6:2) auch dank ihrer Tore – selbst gerne gegen den Ball. Torwarttrainer Michael Fuchs bindet sie mit Vorliebe in die Abläufe der Torhüterinnen ein. Es nötigt vielen Nationalspielerinnen Respekt ab, in welch guter Form die dreimalige Weltfußballerin auch heute noch ist. „Ich spiele noch Alte Herren, zweimal die Woche, so ein bisschen just for fun, so wie die meisten in meinem Alter“, sagt Prinz in einem DFB-Interview.

Medientermine erledigt sie ansonsten keine mehr. „Es ist nicht mehr meine Rolle; als Sportpsychologin bin ich ein Baustein in diesem Puzzle, aber nicht an vorderster Front“, erklärt sie. „Ich weiß, dass mein Name noch attraktiv ist, aber trotzdem geht es mittlerweile um andere Akteure: Ich finde, dass wir tolle und interessante Spielerinnen haben, um die sich Geschichten schreiben lassen.“ Eine aber handelt jetzt mal wieder von ihr.