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Der König des Fußballs

Pelé hat Brasilien mit seiner Spielkunst zu drei WM-Titeln geführt und weltweit bekannt gemacht. Am Freitag feiert er den 80. Geburtstag und plant keine Feier.

Pelé bei einem seiner wenigen öffentlichen Auftritte zur Einweihung der nach ihm benannten Fußball-Akademie in Resende.
Pelé bei einem seiner wenigen öffentlichen Auftritte zur Einweihung der nach ihm benannten Fußball-Akademie in Resende. © dpa/Antonio Lacerda

Von Martina Farmbauer

Pelé stützt sich auf die Sitze in dem Kleinbus und setzt vorsichtig einen Fuß vor den anderen. An der offenen Wagentür angekommen, hält er sich mit einer Hand am Rahmen fest, mit der anderen winkt er den Wartenden zu, ballt die Faust. „Pelé, Pelé“, rufen sie. „É o rei.“ („Es ist der König.“) Sein langjähriger Berater Pepito Fornos hilft dem ersten Superstar des Fußballs in einen Rollstuhl.

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Pelé, der mehrmals an der Hüfte operiert worden ist, lockt Hunderte Menschen zur Einweihung der nach ihm benannten Fußball-Akademie in Resende im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Am Eingang des Trainingszentrums für Kinder wird eine Pelé-Statue enthüllt, rund um die Spielfelder ein „Tor-Wald“ mit 1.283 Setzlingen gepflanzt – entsprechend der schier unglaublichen Zahl der Treffer, die er in seiner Karriere erzielt hat.

„Ich habe bereits 1969, als ich das 1.000. Tor geschossen habe, gesagt, dass wir auf die Kinder schauen müssen. Sie sollen weiter träumen können, um das zu werden, was sie wollen“, sagt Pelé, der gut gelaunt mit den Journalisten spricht. So wie er, der eigentlich Edson Arantes do Nascimento heißt und am Freitag seinen 80. Geburtstag feiert, der eben „König“ geworden ist.

Pelé weiht die Figur ein, die ihn darstellt.
Pelé weiht die Figur ein, die ihn darstellt. © Pelé Academia/dpa

Franz Beckenbauer, der am 11. September seinen 75. Geburtstag feierte, würdigte seinen einstigen Weggefährten als „größten Fußballer aller Zeiten“, und der deutsche „Kaiser“ schrieb in der Bild am Sonntag: „Uns verbindet seit Jahrzehnten eine wunderbare Freundschaft, die mir immer viel bedeutet hat.“ Mit seiner Spielkunst und der Geschichte vom armen Jungen zum Millionär steht Pelé wie kein anderer für Brasilien. Und er hat eine Ära gelebt, geprägt. Als Pelé – 92 Länderspiele, drei WM-Titel – in den 1950er-Jahren begonnen hat, wollte kaum jemand Fußballprofi werden bei dem Gehalt. Anfang der 1960er-Jahre, also bereits nach dem ersten Gewinn der Weltmeisterschaft 1958, verdiente er so viel wie derzeit ein Jungprofi bei einem großen Klub.

Und während heute Maria-chuteira (Maria Fußballschuh) genannte Frauen auf eine Beziehung mit einem Kicker aus sind, wäre es damals ein Skandal gewesen, wenn ein Mädchen einen schwarzen Fußballspieler nach Hause gebracht hätte. Doch der Sport ist eine Geldmaschine geworden und Pelé einer derjenigen, die am meisten davon profitieren.

Werbeverträge machen ihn reich

Beim FC Santos erhielt der Schuhmacherlehrling 1956 einen Vertrag und debütierte bereits mit 15 in der ersten Mannschaft. Nationaltrainer Vicente Feola nahm den 17-jährigen Pelé mit zur WM 1958 nach Schweden, wo er der bis heute jüngste Weltmeister der Fußball-Geschichte wurde. So wie Pelés Stern damals aufging, machte er auch Brasilien der Welt bekannt.

Mit dem Wechsel zu Cosmos New York zum Ausklang seiner Karriere verhalf er gemeinsam mit Beckenbauer dem USA-Fußball zu kurzer Aufmerksamkeit, und es gelang ihm der Sprung in die Geschäftswelt. Pelé nutzte seinen Namen in den folgenden Jahrzehnten gewinnbringend, vor allem als Werbefigur. Im WM-Jahr 2014 war er einer der weltweit zehn bestbezahlten Sportler im Ruhestand. Die Werbeverträge haben ihn reich gemacht, aber nicht die Liebe der Brasilianer gebracht, auch wenn sie ihm wie in Resende zujubeln.

Zuletzt ist es auch aus gesundheitlichen Gründen ruhiger um den „König“ geworden. In der Corona-Pandemie ist Pelé zu Hause in Guarujá im Bundesstaat São Paulo geblieben, um eine Ansteckung zu vermeiden. Er gehört zur Risikogruppe. Pelé hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit seinem Körper zu kämpfen und war aufgrund diverser Krankheiten im Hospital. So hat er nur noch eine Niere. Eine Feier ist deshalb nicht geplant.

Pele lässt sich gern mit und von Fans fotografieren.
Pele lässt sich gern mit und von Fans fotografieren. © Pelé Academia/dpa

Die Einweihung der Pelé-Akademie ist einer der wenigen öffentlichen Auftritte des Idols in den vergangenen Jahren. Er erwähnt in Resende auch seine Familie. „Die Leute sprechen über Fußball, meine Karriere, aber niemand hat nach meinen Kindern gefragt“, sagt er. „In dieser Situation habe ich etwas mehr Zeit mit ihnen verbracht und viel gelernt.“ Sieben Kinder hat Pelé – unter ihnen mehrere Uneheliche. Zweimal ging eine Ehe in die Brüche. 2016 heiratete er mit 75 zum dritten Mal, die Unternehmerin Marcia Aoki.

Aber Körper und Seele schmerzen wohl auch. Clodoaldo, der mit der von Pelé angeführten Nationalmannschaft 1970 in Mexiko Weltmeister wurde und 14 Jahre beim FC Santos spielte, meint: „Er hat Probleme, kann nicht richtig gehen, nicht wahr? Wir kennen seine gesundheitliche Situation. Klar, dass seine ehemaligen Mitspieler deswegen sehr traurig sind.“ Es sei heute schwierig, Pelé zu treffen.

Pelés Sohn Edinho berichtete in einem Interview des Sportportals Globoesporte von einer gewissen Depression des Mannes mit dem strahlenden Lächeln. „Er ist der König. Er war schon immer eine so imposante Figur, und heute kann er nicht mehr richtig gehen.“ In einem Interview der Zeitung Folha de S. Paulo zu seinem 78. Geburtstag sagte Pelé, Gott habe die Rechnung für seine Jahre als Athlet geschickt. Trotzdem, sagt er kurz vor seinem Jubiläum in einer Videobotschaft, danke er Gott, „dass er mir die Gesundheit gegeben hat, dies alles bei klarem Verstand zu erleben, nicht sehr intelligent, aber klar im Kopf“. Er hoffe, „dass ich nach meinem Tod von Gott so empfangen werde, wie ich überall auf der Welt empfangen wurde“.

Die Fabrik ist geschlossen

Als er in Resende nach der Möglichkeit eines neuen Pelé gefragt wird, antwortet der echte Pelé scherzhaft: „Ein Kind wie Pelé – das funktioniert nicht mehr. Mein Vater und meine Mutter haben die Fabrik geschlossen.“ Er lacht. Aber was er von seinem Vater Dondinho, den eine Knieverletzung stoppte, gelernt habe, sei, immer daran zu denken, zu trainieren und sich zu verbessern.

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So sagt Pelé, zu diesem Zeitpunkt fast 80, denn auch: „Ich bin jung. Ich kann viel für Brasilien tun.“ Erst in diesen Tagen habe er sich mit seinem Berater erinnert: „Mensch, bei der ersten Weltmeisterschaft in Schweden kannte niemand Brasilien. Wir kamen dort an, und die Leute dachten, Brasilien sei Buenos Aires, Caracas.“ Pelé war sauer. Dann wurde die Seleção Weltmeister. Es war der erste Titel. Inzwischen sind es fünf. Auch wenn jemand nun die Hauptstadt des südamerikanischen Landes nicht kennt, so weiß er doch: Brasilien ist das Land des Fußballs, das Land Pelés. (dpa)

Eine Bild von Pele ist auf dem Gemälde des Künstlers Eduardo Kobra in Santos zu sehen. Die Zeichnung auf der 800 Meter langen Wand ist eine Hommage an den ehemaligen Fußballspieler.
Eine Bild von Pele ist auf dem Gemälde des Künstlers Eduardo Kobra in Santos zu sehen. Die Zeichnung auf der 800 Meter langen Wand ist eine Hommage an den ehemaligen Fußballspieler. © dpa/Paulo Lopes

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