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Der Eklat um Leistner - und was danach alles passierte

Gerichtstermin, Corona-Tests, vor allem die Geburt seiner Tochter in Dresden – Toni Leistner hat turbulente Tage hinter sich. Jetzt ist er froh, wieder Fußball zu spielen.

Nach dem Pokalspiel klettert Toni Leistner auf die Tribüne, greift sich einen pöbelnden Fan und löst eine Rangelei aus. Plötzlich mittendrin: Ein kleines Mädchen, das sich ängstlich an den Arm ihres Vaters klammert.
Nach dem Pokalspiel klettert Toni Leistner auf die Tribüne, greift sich einen pöbelnden Fan und löst eine Rangelei aus. Plötzlich mittendrin: Ein kleines Mädchen, das sich ängstlich an den Arm ihres Vaters klammert. © Jan Huebner

Dresden. Ein Manager wäre jetzt gut oder ein persönlicher Pressesprecher, einer jedenfalls, der die vielen Termine und Anfragen koordiniert. Nicht, dass Toni Leistner damit nicht allein klarkommen könnte. Der 30-Jährige, Typ knallharter Verteidiger, einfühlsamer Familienmensch und reflektierter Fußballprofi in einem, hat das locker drauf. Nur ist in den letzten Tagen wenig Zeit und vor allem einiges zusammengekommen, insbesondere emotional.

Im Grunde ist es so viel, dass es gut für die gesamte Karriere reicht: Der denkbar schlechteste Start beim neuen Verein samt Ausschluss vom Mannschaftstraining, dazu Termine vor Gericht, drei Corona-Tests, unzählige Interview-Anfragen, die er bislang alle abgelehnt hat. Und als wäre das nicht genug: die Geburt seiner zweiten Tochter am Dienstag dieser Woche in Dresden.

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Jeder kennt ihn jetzt, auch Nicht-Fußball-Fans

Das alles möchte Leistner im Moment mit sich selbst ausmachen. Seinen Ansatz dafür hat er schon vor reichlich einem halben Jahr verraten, als ihn Sächsische.de in London bei seinem damaligen Verein Queens Park Rangers exklusiv besuchte. „Alles im Leben“, betont Leistner, „hat einen Grund und alles einen Sinn. Du musst das hinnehmen und zeigen, dass sie komplett falsch mit ihrer Einschätzung liegen.“

Eines steht mal fest: Den jungen Mann mit den raspelkurz geschorenen Haaren kennt auch ohne Interviews jetzt so ziemlich jeder, selbst diejenigen, die es nicht so sehr mit dem Fußball haben. Die Handyvideos von dem Pokalspiel gegen Dynamo, als der gebürtige Dresdner in die Zuschauerränge des Rudolf-Harbig-Stadions kletterte und einen pöbelnden Fan unsanft zu Boden drückte, machten deutschlandweit schneller die Runde als das nicht minder aufsehenerregende Ergebnis. 1:4 hatte Leistner mit dem Hamburger SV gegen seinen Heimatverein Dynamo verloren.

Doch darüber redete danach keiner, die Attacke war das Thema – und ist es immer noch. An Stammtischen, in Medien und vor Gericht wird der Fall fortwährend verhandelt. Also im Grundsatz die Frage, ob ein Fußballprofi, der es gewohnt ist, in der Öffentlichkeit zu stehen, noch dazu überdurchschnittlich gut bezahlt, aber auch regelmäßig massiv beleidigt wird, sich handgreiflich zur Wehr setzen darf. Die Meinungen gehen dabei immer noch sehr weit auseinander.

Leistner selbst hat eine sehr eindeutige Position, die er noch am Pokalabend publik machte. Er entschuldigte sich in aller Form für den Aussetzer, erklärte aber zugleich, dass die Beleidigungen „extrem unter die Gürtellinie gegen meine Familie, meine Frau und meine Tochter“ gegangen seien.

Augenzeugen berichten, der Pöbel-Fan habe auch Leistners hochschwangerer Frau Gewalt angedroht. „In dem Moment sind mir die Sicherungen durchgebrannt“, schrieb der ehemalige Dynamo-Spieler via Instagram und tags darauf, dass er sich mit dem Fan am Telefon ausgesprochen habe. Damit, schrieb Leistner noch, sei die Sache aus der Welt. Doch da irrte er, die ganze Aufregung hatte erst so richtig begonnen.

Mittendrin in der Rangelei: ein kleines Mädchen

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) leitete ein Ermittlungsverfahren ein und stellte fest, dass er ohne Mund-Nasen-Schutz die Tribüne betreten hatte und damit gegen die Hygieneregeln des Verbandes verstieß. Leistners Frau Josefin, die ihrem Mann mit einem eindringlichen Plädoyer auf ihrer Instagram-Seite auch öffentlich zur Seite stand, fiel indes noch etwas auf. Oder besser: noch jemand.

Ein kleines Mädchen klammerte sich auf der Tribüne mit ängstlichem Blick an den Arm ihres Vaters. Der hatte ein altes Dynamo-Leistner-Trikot an und vergeblich versucht zu schlichten. Stattdessen waren er und seine Tochter plötzlich mittendrin.

Im Nachhinein gelang es Josefin Leistner, den Namen der Familie herauszufinden. Sie heißt ebenfalls Leistner – und bekam inzwischen Post. Toni Leistner schickte ein Päckchen mit Trikots und HSV-Fanartikeln. Ihm tue das leid, erklärte er. Antwort via Instagram: „Wir danken Dir von ganzem Herzen. Du bist ein toller Mensch.“

Der Pöbel-Fan spricht vor Gericht von bis zu neun Bier

Auch Leistners Einspruch gegen das Urteil des Sportgerichts hatte Erfolg, wenn auch weniger als von ihm erhofft. Statt der fünf Spiele Sperre in der Liga, davon zwei ausgesetzt auf Bewährung, sowie 8.000 Euro Geldstrafe reduzierte der Richter am Donnerstag die Strafe auf je zwei Spiele Sperre in Liga und Pokal sowie 6.000 Euro. Einen Freispruch könne es nicht geben, weil das unsportliche Verhalten Leistners sanktioniert werden müsse, so das Urteil. 

„Mir war es wichtig, persönlich gehört zu werden. Die Strafe jetzt akzeptiere ich“, erklärte Leistner, der per Video der Verhandlung in Frankfurt/Main beiwohnte. Telefonisch zugeschaltet wurde zudem der Fan, der ihn beleidigt hatte und nun bekannte, vor den verbalen Attacken zwischen sieben und neun Bier getrunken zu haben.

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Leistner ist inzwischen zurück in Hamburg, zurück auf dem Platz. Auch der dritte und vorerst letzte Corona-Test war negativ, er darf wieder mit der Mannschaft trainieren. Das Heimspiel am nächsten Sonntag gegen Aue, das ist sein Ziel. Und ein bisschen Ruhe für sich und seine Familie.

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