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Dynamo sagt sehr emotional: Tschüss, Harti!

… aber die Fans wünschen sich: Junge, komm bald wieder! Was Marco Hartmann zu seiner Zukunft sagt und wie er nach acht Jahren über Dresden denkt.

Noch einmal spricht Marco Hartmann zu den Dynamo-Fans, kämpft dabei mit den Tränen: Es ist ein sehr emotionaler Abschied des Ex-Kapitäns, seine Frau Julia und Sohn Mats sind auf dem Rasen dabei.
Noch einmal spricht Marco Hartmann zu den Dynamo-Fans, kämpft dabei mit den Tränen: Es ist ein sehr emotionaler Abschied des Ex-Kapitäns, seine Frau Julia und Sohn Mats sind auf dem Rasen dabei. © dpa-Zentralbild

Von Sven Geisler und Jens Maßlich

Dresden. Wenn sich der gegnerische Trainer entschuldigt, muss es eine außergewöhnliche Situation sein. „Wir wollten ,Harti‘ nicht die Party verderben“, meint Lukas Kwasniok. Dabei wäre das Ergebnis unter normalen Umständen ein heftiger Stimmungskiller. Mit 0:3 verliert Dynamo das vermeintliche Spitzenspiel in der zweiten Liga gegen den SC Paderborn, die Partie ist nach nicht mal einer halben Stunde entschieden, danach versuchen die Dresdner so eifrig wie vergeblich, das Ergebnis doch noch zu korrigieren.

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Doch die Fans feiern trotzdem, natürlich auch die Mannschaft für ihre bisherigen Leistungen und den Kampfgeist an diesem Nachmittag, an dem so viel schiefgelaufen ist. Vor allem aber lassen sie einen hochleben, der es mehr als verdient hat. Nach acht Jahren wird Marco Hartmann vor dem Anstoß verabschiedet, nicht nur er selbst hat Tränen in den Augen. Es ist eine emotionale Geschichte, denn: „Ich war diese acht Jahre hier ja auch nicht nur irgendwie dabei, sondern davon sogar auch dreieinhalb Jahre Kapitän. Das ist für mich etwas sehr Besonderes.“

In seinen 146 Pflichtspielen führte er die Mannschaft 73-mal auf den Platz. Beim 0:0 gegen Uerdingen am 5. Dezember 2020 hatte er nun definitiv seinen letzten Einsatz für die Schwarz-Gelben. Nur zwei Spieler waren nach 1990 länger im Verein: Volker Oppitz mit 14 und Maik Wagefeld mit zehn Spielzeiten. Wie sie ist auch Hartmann einer, mit dem sich die Fans identifizieren, auf dem Weg ins Stadion muss er am Sonntag besonders viele Fotowünsche erfüllen.

Frau und Sohn sind auf dem Rasen mit dabei

„Ich muss mich stark zusammenreißen, um nicht in Tränen auszubrechen, gleichzeitig versuche ich, das zu genießen“ sagt er bei Sky. Als er noch einmal auf dem Rasen steht – begleitet von seiner Frau Julia und Sohn Carlie, aber als Einziger ohne das schwarze T-Shirt mit seiner Nummer 6 und seinem Namen – und zu den Anhängern spricht, kann er sie nicht zurückhalten.

Spieler, Trainer und Offizielle von Dynamo tragen zum Spiel ein schwarzes T-Shirt mit Hartmanns Nummer 6 und seinem Namen, vorn ein Bild des Ex-Kapitäns.
Spieler, Trainer und Offizielle von Dynamo tragen zum Spiel ein schwarzes T-Shirt mit Hartmanns Nummer 6 und seinem Namen, vorn ein Bild des Ex-Kapitäns. © Jens Maßlich

Aber er hat gesagt, was ihm in diesem Moment wichtig ist, nämlich dass er eine große Dankbarkeit für das empfindet, was er mit Dynamo erleben durfte. „Das wird für immer bleiben“, sagt Hartmann – und legt ein Bekenntnis zu dem Verein ab, den er nun verlässt: „Egal wo ich in Zukunft mein Handtuch an den Strand lege, ob in der Südsee oder an der Ostsee, es wird schwarz-gelb sein.“

Den Moment hätte er gern um ein Jahr hinausgeschoben, sagt der 33 Jahre alte Ex-Kapitän auch. Nach einer weiteren Verletzung – im März musste bei einer Operation die Bizepssehne im rechten Knie neu am Wadenbeinköpfchen fixiert werden – durfte er sich in Dresden fit machen und sich im Training für einen neuen Vertrag empfehlen. Letztlich haben sich die Verantwortlichen um Sportgeschäftsführer Ralf Becker und Trainer Alexander Schmidt dagegen entschieden. Danach sei er „schon sehr niedergeschlagen und leer“ gewesen, räumt Hartmann im Interview mit dem Stadion-Magazin Kreisel ein. „Die Enttäuschung hat sich dann noch ein paar Tage hingezogen.“ Im Rückblick hätte er sich aber vermutlich mehr geärgert, „wenn ich zu stolz gewesen wäre, um einen neuen Vertrag zu kämpfen. Du kannst im Leben nicht immer gewinnen, auch wenn ich wirklich nicht gerne verliere.“

Und so sagt er wohl nicht nur bei Dynamo adé, sondern macht Schluss als Profi. „Dynamo war etwas ganz Spezielles, da muss viel passieren, damit ich noch mal die Fußballschuhe auf professioneller Ebene für einen anderen Verein schnüre“, sagt er. Einen sofortigen Einstieg bei Dynamo in anderer Funktion plant er jedoch nicht, auch wenn Robert Pohl von der Fangemeinschaft das ausspricht, was sich nicht nur die 16.000 Zuschauer im unter Corona-Bedingungen ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion wünschen: „Vielleicht öffnet sich für dich noch mal die schwarz-gelbe Tür.“

Sportchef Becker: "Solche Typen gibt es nicht so oft"

Das Angebot steht, bei Interesse kann er sich jederzeit melden, Becker wiederholt es vor der Kulisse. „Solche guten Typen, unabhängig von der Leistung auf dem Platz, gibt es nicht so oft“, sagt der Sportchef. „Wir sind sehr dankbar, dass Marco acht Jahre lang seine Knochen hingehalten hat und mit dafür gesorgt hat, dass wir uns so entwickeln konnten. Jetzt wünschen wir ihm alles Gute.“

Seine nun ehemaligen Mitspieler, Trainer und Betreuer tragen ein T-Shirt mit seiner Nummer, seinem Namen und seinem Bild: Auch so wird Marco Hartmann für seine acht Jahre bei Dynamo gewürdigt.
Seine nun ehemaligen Mitspieler, Trainer und Betreuer tragen ein T-Shirt mit seiner Nummer, seinem Namen und seinem Bild: Auch so wird Marco Hartmann für seine acht Jahre bei Dynamo gewürdigt. © dpa-Zentralbild

Hartmann will nun „erst einmal gerne ein bisschen Abstand zum Fußball bekommen“. Sein Plan für die erste Zeit nach der Karriere steht schon lange: Mit der Familie ein halbes Jahr durch die Welt reisen und das Referendariat als Gymnasiallehrer für Mathematik und Sport nachholen. Trotz des Endes bei Dynamo zieht es ihn nicht weg von Dresden. Das sei für sie längst ein Stück Heimat, denn „Heimat ist immer da, wo man sich wohlfühlt und Menschen sind, die man mag“. Von der Stadt, meint Hartmann, sagen sie voller Stolz: „Wir wohnen in Dresden.“ Weil sie wunderschön sei und viele Freizeitmöglichkeiten bietet. „Wir haben hier unglaublich viel gefunden, was uns gefällt.“ Dafür bleibt nun mehr Zeit.

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Dynamo wird er weiter verfolgen, auch wenn er sich für seine nun ehemaligen Mitspieler als ein schlechter Prophet erweist. Den Rückschlag, den sie nach dem Traumstart mit dem 0:3 gegen Paderborn erleiden, hatte er quasi vorhergesagt. Der würde, meint er im Kreisel, „sowieso irgendwann kommen“. Jetzt ist es also passiert, aber Hartmann weiß aus Erfahrung, wie man am besten damit umgeht: „Wenn sie es schaffen, auch unter schwierigen Bedingungen diese Energie auf den Platz zu bringen, werden sie eine super Saison spielen.“

Gäste-Coach Kwasniok bittet schließlich um Verzeihung für das Ergebnis – und zieht den Hut vor Hartmanns Leistung für den Verein. Eine bemerkenswerte Karriere geht würdig zu Ende. Marco Hartmann und Dynamo – das hat gepasst.

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