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Dynamo-Comeback: erst abgeschrieben, nun wieder da

Für Dynamo entpuppt sich Panagiotis Vlachodimos als unerwarteter Trumpf im Aufstiegskampf, und es gibt noch weitere. Der Trainer hat eine einfache Erklärung.

Dass sie noch mal zusammen bei Dynamo in der Anfangself stehen, hätten Agyemang Diawusie und Panagiotis Vlachodimos bestimmt selbst nicht mehr geglaubt.
Dass sie noch mal zusammen bei Dynamo in der Anfangself stehen, hätten Agyemang Diawusie und Panagiotis Vlachodimos bestimmt selbst nicht mehr geglaubt. © osnapix

Dresden. Nur drei Worte haben gefehlt, dann wäre die Sache wohl endgültig durch gewesen. Zu einem „Ja, ich will“ hat sich Panagiotis Vlachodimos zu Jahresbeginn aber nicht hinreißen lassen – und wenn doch, so mangelte es offensichtlich an Erwiderung. Fakt ist: Der Deutsch-Grieche hat im Januar weder Dresden verlassen noch den Verein gewechselt. Für Dynamo ist das inzwischen eine gute Nachricht, spätestens seit Samstagnachmittag.

Beim hart erkämpften 2:0-Sieg gegen Uerdingen erzielt Vlachodimos, den sie bei Dynamo nicht zuletzt aus Praktikabilitätsgründen kurz „Pana“ rufen, den Führungstreffer. Das Tor kurz vor dem Halbzeitpfiff, sein erstes überhaupt in einem Pflichtspiel für Dynamo, ist allerdings mehr als nur das 1:0. Es ist eine Demonstration technischen Könnens, vor allem aber das Zeichen an Fans, Freunde, Kritiker und vielleicht auch an Ex-Trainer Markus Kauczinski: Auf mich könnt ihr setzen!

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„Jedes Tor ist wichtig, und ich hoffe, dass noch einige folgen werden. Ich gebe mein Bestes, der Mannschaft zu helfen“, betont Vlachodimos, der viel mehr zu dem Thema gar nicht sagen will. Schon jetzt gehört er zu den großen Gewinnern des Trainerwechsels und geht im Saisonfinale fast als Neuzugang durch, so lange hatte der 29-Jährige zuvor nicht gespielt.

Unter Alexander Schmidt, der Kauczinski vor einer Woche ablöste, ist Vlachodimos’ Situation nun eine grundlegend andere. Nach mehr als einem halben Jahr hat er gegen Uerdingen wieder in der Startformation gestanden. Am 20. Oktober 2020 ist das letztmals der Fall gewesen, damals wurde er zur Halbzeit aus- und danach nur noch viermal eingewechselt. Einsatzzeit: insgesamt 30 Minuten.

Alexander Schmidt gibt nicht nur lautstark Anweisungen, Dynamos neuer Trainer setzt auch auf Teamgeist und Spieler, die zuletzt schon abgeschrieben schienen.
Alexander Schmidt gibt nicht nur lautstark Anweisungen, Dynamos neuer Trainer setzt auch auf Teamgeist und Spieler, die zuletzt schon abgeschrieben schienen. © osnapix

Kauczinski hat mit ihm schlicht nichts mehr anfangen können, was zunächst an einer Systemumstellung lag, dann auch an Vlachodimos selbst. Hängenlassen hat er sich zwischenzeitlich und bestimmt auch an einen Vereinswechsel gedacht.

Im Gespräch mit der SZ antwortete er Anfang März auf die Nachfrage dazu ausweichend wie vielsagend. „Stand jetzt ist es so, dass ich weiterhin alles geben werde für den Verein und die Mannschaft. Ich weiß, dass es im Fußball schnell gehen kann und meine Chance sicherlich kommen wird. Dann möchte ich bereit sein“, so der gebürtige Stuttgarter.

Genau so ist es jetzt gekommen, schneller vermutlich, als es Vlachodimos erwartet hätte. Zwei Tage nach Amtsantritt wird er von Schmidt im Nachholspiel gegen Duisburg in der 61. Minute eingewechselt – und bereitet eine Viertelstunde später das Siegtor vor. Weitere drei Tage danach trifft Vlachodimos nun selbst – und das ist fast so sehenswert wie das 2:0 durch Heinz Mörschels direkt verwandelten Freistoß in der 74. Minute, der das Spiel entscheidet.

Vor dem 1:0 in der 45. Minute nimmt Vlachodimos ein Kopfball-Zuspiel von Kevin Ehlers mit der Brust an und legt mit dem rechten Fuß auf Philipp Hosiner ab, der den Ball steil in den Strafraum spielt, wo Vlachodimos aus spitzem Winkel direkt mit links schießt und trifft. „Ich habe ihn einfach volley genommen. Hat super gepasst“, erzählt Vlachodimos, als wäre es wirklich die einfachste Sache der Welt. So wie beispielsweise vor ein paar Wochen im Testspiel gegen Jena der Elfmeter – den er dennoch verschossen hatte und nicht mal da in der Anfangself stand.

Exakt acht Wochen liegen zwischen den beiden Fotos, für Panagiotis Vlachodimos dürfte es sich wie eine Ewigkeit angefühlt haben. Bei Ex-Trainer Markus Kauczinski (links) war er de facto aussortiert, Alexander Schmidt (rechts) setzt wieder voll auf ihn.
Exakt acht Wochen liegen zwischen den beiden Fotos, für Panagiotis Vlachodimos dürfte es sich wie eine Ewigkeit angefühlt haben. Bei Ex-Trainer Markus Kauczinski (links) war er de facto aussortiert, Alexander Schmidt (rechts) setzt wieder voll auf ihn. © Lutz Hentschel

Es sind zwei Extreme, für die Dynamos neuer Trainer eine Erklärung hat. „Fußball spielt sich viel im Kopf ab“, sagt Schmidt. Die Auferstehung des Abgeschriebenen, den er noch aus dessen Jugendzeit beim VfB Stuttgart kennt, will er daher nicht so hoch hängen. „Ich weiß um seine Qualität. Wie es so oft bei einem Trainerwechsel ist… Ich habe ihn einfach wieder spielen lassen“, meint Schmidt lapidar.

Als er Vlachodimos am Samstag nach einer ordentlichen Partie in der 62. Minute auswechselt, liegen sich beide kurz und innig in den Armen. „Ein super Tag. Ich bin sehr glücklich, dass wir das Spiel gewinnen konnten“, sagt Vlachodimos und ergänzt in eigener Sache: „Und ich bin auch sehr glücklich, dass ich getroffen habe, dass ich wieder auf dem Platz stehe.“

Gleiches gilt für Agyemang Diawusie und in gewisser Weise selbst für Torjäger Hosiner, der in dieser Saison bereits neun Treffer erzielte. Beide fanden sich im System Kauczinski nie wirklich zurecht. „Ich weiß, was sie für eine enorme Qualität haben und dass sie Spiele entscheiden können. Deshalb stehen sie auf dem Platz“, erklärt Schmidt. Und mit zwölf Mann, sagt er noch, komme man bei dem eng getakteten Spielplan sowieso nicht durch.

Innenverteidiger Tim Knipping, seit einiger Zeit schon Dynamos Bester, stellt ohnehin die Mannschaft in den Mittelpunkt, und das nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen mehr denn je. „Ich glaube, dass uns viele schon abgeschrieben hatten“, sagt er nach dem Sieg gegen Uerdingen bei Dynamo-TV – und stellt genüsslich-entschlossen fest: „Jetzt haben wir gezeigt, was für ein brutal starker Charakter in dieser Mannschaft steckt. Das ist nicht selbstverständlich, so wiederzukommen nach den Rückschlägen der letzten Wochen mit den vielen Verletzten, den Niederlagen und der Corona-Pause."

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Für die noch ausstehenden vier Saisonspiele, betont Knipping, gebe das noch mal ein enormes Selbstvertrauen. Vlachodimos bestätigt das. „Am Dienstag geht es Schlag auf Schlag weiter. Da müssen wir wieder punkten“, meint er und ist „überzeugt, dass wir am Ende aufsteigen“. Sein bis 2022 laufender Vertrag würde sich dann sogar um ein weiteres Jahr verlängern.

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