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Wie plant Dynamo jetzt für die zweite Liga, Herr Becker?

Im exklusiven Interview spricht Dynamos Sportchef Ralf Becker nach dem Aufstieg über die Trainerfrage, Verstärkungen und das Ziel für die nächste Saison.

Gemeinsam gejubelt – und jetzt getrennte Wege? Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker (r.) lässt die Zukunft von Trainer Alexander Schmidt vorerst offen.
Gemeinsam gejubelt – und jetzt getrennte Wege? Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker (r.) lässt die Zukunft von Trainer Alexander Schmidt vorerst offen. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Zwei Jahre hatte Ralf Becker geplant, um Dynamo Dresden zurück in die 2. Fußball-Bundesliga zu führen. Nun ist das Ziel vorfristig erreicht. Im Vorjahr übernahm der 50-Jährige als neuer Sportgeschäftsführer die reizvolle wie knifflige Aufgabe, die Mannschaft nach dem Abstieg neu aufzustellen. 23 Spieler verließen den Verein, 18 kamen im Laufe dieser Saison dazu, mit Niklas Kreuzer kehrte im Winter einer zurück. Diese neue Truppe hat sich gefunden – und eine schwierige Saison gekrönt.

Herr Becker, herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg. Wie war die Party?

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Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Wir haben im Trainingszentrum entspannt zwei, drei Bierchen getrunken. Meine Frau hat mich abgeholt und wir haben den Abend gemütlich ausklingen lassen.

Vor dem Stadion attackierten gewaltbereite Fans die Polizei und Medienvertreter, es gab Verletzte. Inwieweit trübt das Ihre Freude über den Aufstieg?

Das trübt sie enorm. Es war der Traum aller, die in dem Verein an dem Ziel gearbeitet haben, gemeinsam mit unseren Fans zu feiern. Es war aber leider nicht möglich. Was draußen passiert ist, diese Eskalation, drückt extrem auf die Stimmung. Wir wünschen den Verletzten gute Besserung und werden die Vorfälle sehr sorgfältig aufklären, um Konsequenzen daraus zu ziehen. Fakt ist: Es darf nicht sein, dass die Gesundheit von Menschen gefährdet wird. Auch der Sport und die tolle Leistung der Mannschaft ist dadurch ins Hintertreffen geraten. Solche Szenen schaden enorm.

Wie hat es die Mannschaft aufgenommen, die dadurch länger im Stadion bleiben musste?

Das bitte ich auseinanderzuhalten. Nach so einem Sieg fällt wahnsinnig viel ab. Es war auch für die Spieler der größte Wunsch, diesen Erfolg mit den Fans zu feiern, aber das war leider nicht möglich – und das haben sie akzeptiert. Man sollte es den Jungs gönnen, sich an so einem Tag zu freuen.

Der Bierdusche entkommt auch der Sportchef nicht: Ransford-Yeboah Königsdörffer (l.) und Heinz Mörschel (r.) machen Ralf Becker nach dem 4:0-Sieg gegen Türkgücü München nass.
Der Bierdusche entkommt auch der Sportchef nicht: Ransford-Yeboah Königsdörffer (l.) und Heinz Mörschel (r.) machen Ralf Becker nach dem 4:0-Sieg gegen Türkgücü München nass. ©  dpa/Robert Michael

Was war über die Saison gesehen entscheidend für den Aufstieg?

Wir haben eine charakterlich sehr gute Gruppe, die sowohl von Markus Kauczinski als auch von Alexander Schmidt sehr gut betreut und trainiert worden ist. Man kann ja nicht sagen, dass dieses Jahr störungsfrei ablief, im Gegenteil, irgendwas war immer. Wir hatten wahnsinnig viele Verletzte, dazu das Corona-Thema. Deshalb war es ein wichtiger Faktor, dass wir eine sehr gute Breite im Kader hatten, viele Spieler auf einem für die 3. Liga sehr hohen Niveau. Dazu die Mentalität der Truppe, die ausschlaggebend war, dass sie den Widrigkeiten trotzen konnte.

Sie haben vor gut drei Wochen den Trainer gewechselt – welchen Anteil hat Markus Kauczinski am Aufstieg?

Ich denke, dass der Wechsel zu dem Zeitpunkt wichtig und richtig war. Trotzdem hat Markus die Mannschaft zu 90 Prozent der Saison geführt, sich mit ihr trotz der Rückschläge lange Zeit stabil auf dem ersten Platz behauptet. Auch von seiner menschlichen Art und im Umgang mit der Mannschaft war es sehr, sehr gut. Warum es trotzdem zu dem Punkt kam, an dem wir den neuen Impuls setzen mussten, brauchen wir jetzt nicht mehr zu analysieren. Jetzt können wir sagen, es ist super aufgegangen, trotzdem ist so eine Entscheidung immer hart.

Fühlen Sie sich im Nachhinein bestätigt, den Vertrag mit Kauczinski nicht schon im März verlängert zu haben?

Wenn Dynamo Dresden im Winter Tabellenführer in der 3. Liga ist, mit einem komfortablen Abstand, sollten wir den Anspruch haben: Aus dieser Position kann es für uns nur den Aufstieg geben. Ich habe Markus im Januar gesagt, dass wir den Vertrag gerne jetzt für die zweite Liga verlängern würden. Vielleicht ist das anders verstanden worden, für mich war es ein Zeichen des Vertrauens. Markus hat sich anders entschieden, das ist sein gutes Recht.

Also wollte Markus Kauczinski keinen Vertrag allein für die zweite Liga?

Genau. Wir waren etwas anderer Auffassung über die Situation. Ich habe gesagt: Jetzt müssen wir hoch, und für die zweite Liga geht es weiter. Er hat es ein bisschen anders interpretiert.

Ein Moment der Freude und Erleichterung: Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker (l.) und Trainer Alexander Schmidt feiern den Aufstieg - und reden jetzt über eine mögliche weitere Zusammenarbeit.
Ein Moment der Freude und Erleichterung: Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker (l.) und Trainer Alexander Schmidt feiern den Aufstieg - und reden jetzt über eine mögliche weitere Zusammenarbeit. ©  dpa/Robert Michael

Bleibt Trainer Alexander Schmidt jetzt?

Wir wollten uns auf diese Saison konzentrieren, jetzt haben wir den Aufstieg geschafft und können die Zukunftsplanung angehen. Grundsätzlich sind wir mit den vergangenen Wochen sehr zufrieden. Ich finde, dass Alex es sehr gut macht – nicht nur, was die Ergebnisse betrifft, sondern mit welcher Freude er hier ist und den Verein präsentiert.

Er hat gesagt, es wäre ihm eine Ehre …

Ja, das finde ich schön. Wir haben auch ein gutes Gefühl, aber man muss sich erst einmal unterhalten.

Haben Sie eine zeitliche Vorgabe?

Nein, ich will auch keine Deadline setzen. Alex ist glücklich, hier zu sein, wir sind sehr zufrieden, jetzt lassen Sie uns mal in Ruhe alles besprechen.

Gab oder gibt es parallel bereits Gespräche mit anderen Kandidaten?

Es ist grundsätzlich Teil meines Jobs, mich regelmäßig mit verschiedenen Leuten zu beschäftigen oder auch mal zu treffen. Aber was es nicht gab, waren Verhandlungen oder konkrete Angebote.

Die Verträge von neun Spielern laufen aus. Wer soll bleiben?

Anders als voriges Jahr haben wir ein sehr gutes Gerüst. Es wird nicht einen solchen Umbruch geben, aber die konkreten Gespräche führen wir jetzt.

Was wird aus den Leihgaben Jonathan Meier von Mainz und Marvin Stefaniak von Wolfsburg?

Stand jetzt gehen sie zu ihren Vereinen zurück. Wir haben nicht den ersten Zugriff, sondern ihre Vereine müssen zunächst entscheiden, wie sie mit ihnen planen. Erst dann wären unsere Vorstellungen relevant.

Eine Flasche Bier in der Hand und mindestens eine im Haar und auf dem Aufstiegs-T-Shirt: Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker feiert nach dem Abpfiff mit der Mannschaft im Stadion, erst später erfährt er, was davor wirklich los war.
Eine Flasche Bier in der Hand und mindestens eine im Haar und auf dem Aufstiegs-T-Shirt: Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker feiert nach dem Abpfiff mit der Mannschaft im Stadion, erst später erfährt er, was davor wirklich los war. ©  dpa/Robert Michael

Bekommen die derzeit verletzten Marco Hartmann und Patrick Wiegers Angebote?

Der Vertrag von Wiegers hat sich durch den Aufstieg automatisch verlängert, er ist nächste Saison definitiv dabei.

Und Hartmann?

Wir schätzen ihn sehr und werden uns vernünftig austauschen. Wir freuen uns total, wieder in der zweiten Liga zu sein, wissen aber auch, was auf uns zukommt. Wir müssen maximal gut arbeiten, um unser Ziel zu erreichen, und das wird sein, einen Platz unter den ersten Fünfzehn zu erreichen. Derzeit stehen in der zweiten Liga zwei Aufsteiger des vorigen Jahres auf den beiden letzten Plätzen. Deshalb werden wir abwägen, welche Entscheidungen wir treffen, um bestmöglich aufgestellt zu sein. Wir stehen erst am Anfang einer sportlichen Entwicklung und wollen nicht vermessen sein. Wir haben riesigen Respekt vor dieser zweiten Liga.

Wie viele Verstärkungen braucht die Mannschaft und wann werden Sie Neuzugänge präsentieren können?

Wie gesagt, es wir nicht so ein großer Umbruch wie im Vorjahr, aber ein paar Spieler werden dazukommen. Wir haben keinen Druck, weil wir eben ein gutes Gerüst haben. Was wir dazu holen, muss passen. Ob das in zwei Wochen soweit ist oder in zwei Monaten, wird sich zeigen.

Wie hoch ist die Aufstiegsprämie?

So etwas wird individuell vertraglich vereinbart, zusätzlich gibt es keine. Das wäre nicht angemessen in diesen Corona-Zeiten.

Wie genießen Sie den Aufstieg?

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Das Gespräch führte Sven Geisler.

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