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Was Ex-Trainer Kauczinski jetzt über Dynamo sagt

Markus Kauczinski hat die Dresdner durch eine schwierige Zeit und auf den Weg zurück in die zweite Liga geführt. Seinem Nachfolger wünscht er weiter viel Erfolg.

Markus Kauczinski hatte während seiner Zeit in Dresden auch mit dem "Corona-Gedöns" zu tun, wie er es nennt.
Markus Kauczinski hatte während seiner Zeit in Dresden auch mit dem "Corona-Gedöns" zu tun, wie er es nennt. © dpa/Robert Michael

Dresden/Hamburg. "Es tut immer noch weh", sagt Markus Kauczinski. Als Trainer im Profi-Fußball weiß er, dass der Stuhl wackelt, sobald der erwartete Erfolg ausbleibt. Bei Dynamo Dresden war für ihn nach vier sieg- wie torlosen Spielen mit drei Niederlagen am 25. April Schluss.

"Die Wunde ist noch frisch", meint der 51-Jährige in einem Podcast vom Hamburger Abendblatt: "Es hört sich abgedroschen an, aber es wird mit jedem Tag besser, auch weil die Saison vorbei ist und man das Gequatsche und Geschreibe nicht mehr mitbekommt, wenn man die Spiele verfolgt." Jetzt gehe der Blick wieder hoch.

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Den Aufstieg mit Dynamo durfte Kauczinski nicht vollenden. Der Verein wollte, so stand es über der Pressemitteilung, einen neuen Impuls setzen. Die Mannschaft, zuvor monatelang und zeitweise sehr souverän Tabellenführer in der 3. Liga, war auf Platz vier abgerutscht. Allerdings hatte sie nach einer Corona-Quarantäne noch zwei Nachholspiele zu absolvieren und konnte mit zwei Siegen die Spitzenposition zurückholen.

Doch nach den erschreckend mutlosen Auftritten beim Tabellenletzten Unterhaching (0:2) und im Ostduell gegen Halle (0:3) sah sich Ralf Becker zum Handeln gezwungen. "Die Entwicklung zuletzt war nicht gut", begründete Dynamos Sportgeschäftsführer die vorzeitige Trennung von Kauczinski. Am Saisonende wäre sein Vertrag sowieso ausgelaufen, eine Verlängerung, die ihm Becker nach eigener Aussage für die zweite Liga bereits im Januar angeboten hatte, war nicht zustande gekommen.

Minge macht ihm sein Dresden schmackhaft

Zuletzt wurde Dynamos Ex-Trainer mit Eintracht Braunschweig in Verbindung gebracht, dort aber inzwischen Michael Schiele als neuer Chefcoach vorgestellt. Kauczinski sagt nichts über mögliche Optionen, aber grundsätzlich etwas zu seiner Herangehensweise. Es müsse auf beiden Seiten die Überzeugung vorhanden sein. "Der Job ist anstrengend, er ist stressig, verlangt unheimlich viel Emotionen und Einsatz. Wenn es dann nicht passt, ist es nicht gut", erklärt der gebürtige Gelsenkirchener. "Für mich ist entscheidend, wenn ich starte: Alle wollen das gleiche."

Am 10. Dezember 2019 wird Markus Kauczinski (l.) bei Dynamo als neuer Cheftrainer vorgestellt. Sportgeschäftsführer Ralf Minge hat dem Schalker sein Dresden schmackhaft gemacht.
Am 10. Dezember 2019 wird Markus Kauczinski (l.) bei Dynamo als neuer Cheftrainer vorgestellt. Sportgeschäftsführer Ralf Minge hat dem Schalker sein Dresden schmackhaft gemacht. ©  dpa/Sebastian Kahnert

So war das bei Dynamo, auch wenn das komisch klingen mag. Schließlich sollte Kauczinski Anfang Dezember 2019 den Tabellenletzten der zweiten Liga übernehmen, der lediglich 13 Punkte auf dem Konto hatte. Ralf Minge hat ihn damals "nicht überredet", wie Kauczinski sagt, aber: "Er ist das Gesicht von Dynamo gewesen und hat mir sein Dresden schmackhaft gemacht. Ich bin ihm dankbar, dass er mir die Möglichkeit gegeben hat, bei so einem Traditionsklub zu arbeiten. Diesen Verein kennenzulernen, war eine tolle Erfahrung."

Nun meldet sich der einstige Sportgeschäftsführer im Podcast mit "Ralf Minge vom Halleschen FC" - und er meint selbst: "Das klingt irgendwie ein bischen komisch, macht aber sehr viel Spaß." Minges Vertrag war im Juni 2020 ausgelaufen und nicht verlängert worden. Nun fragt der Ex-Sportchef den Ex-Trainer, was er denn all seinen Ex-Vereinen nächste Saison in der 2. Bundesliga zutraut. Seit 12. Mai ist Minge neuer Sportdirektor in Halle.

Absteiger Schalke 04 sollte im ersten Drittel einkommen, für den direkten Wiederaufstieg gebe es aber keine Garantie, meint Kauczinski. Dem FC St. Pauli traut er einen Platz im oberen Mittelfeld zu, Karlsruhe und Ingolstadt müssten immer auch ein Auge nach unten haben.

Und Dynamo? Hier vermischt sich der Ausblick mit dem Rückblick. "Das ist eine gute Truppe", sagt Kauczinski - und er weiß um seinen Anteil daran. "Dieser Neuaufbau hat total Bock gemacht. Dieser Mix aus jungen und erfahrenen Spielern war unheimlich gut - alle zusammen mit einer neuen Idee bei einem Verein, der am Boden war. Das zu entwickeln, hat unheimlich viel Spaß gemacht."

"Mit einem Feuerwerk auf den Rängen"

Der Neustart mit dem sensationellen Sieg gegen den Hamburger SV im DFB-Pokal gehöre zu den Erlebnissen, die in Erinnerung bleiben. "Das war eine Ansage", meint Kauczinski. "10.000 Zuschauer, ein Wiederaufflammen, bevor wir von Corona wieder eingefangen worden sind. Eine unglaubliche Atmosphäre, alle waren heiß, das neue Dynamo zu sehen. Die Mannschaft war ja ein unbeschriebenes Blatt, nur noch drei vier Jungs vom letzten Jahr dabei, sonst alles neue Gesichter. Dann das erste Spiel so ein Hammer!" Mit 4:1 besiegt der Absteiger den Aufstiegsfavoriten. "So einen Kampf hinzulegen und so ein Spiel zu machen, das war sensationell."

Sportgeschäftsführer Ralf Becker (l.) trifft Ende April die Entscheidung: Trainer Markus Kauczinski muss bei Dynamo gehen.
Sportgeschäftsführer Ralf Becker (l.) trifft Ende April die Entscheidung: Trainer Markus Kauczinski muss bei Dynamo gehen. © Lutz Hentschel

Diese Erfahrung ist es auch, auf die Kauczinski seine optimistische Prognose für die neue Saison stützt. "Ich glaube, dass die Mannschaft getragen wird von dieser Energie", meint er. "Sollten Zuschauer wiederkommen dürfen, dann mit einem Feuerwerk auf den Rängen, egal, ob ausverkauft mit 30.000 oder nur vor 10.000, je nachdem, was Corona mit uns vor hat. Dann glaube ich, dass die Mannschaft eine gute Rolle spielen kann." Allerdings gelte auch für Dynamo, den Blick nach unten nicht außer acht zu lassen.

Seine Zeit bei Dynamo sei anstrengend gewesen, betont Kauczinski im Gespräch mit den Moderatoren des Hamburger Abendblattes. "Ich habe 16 Monate am Stück gearbeitet, dazu das ganze Corona-Gedöns." Er spielt an auf die Quarantäne nach insgesamt drei positiven Tests im Mai 2020, als sich alle anderen Mannschaften auf den Neustart vorbereiten konnten. Die Dresdner mussten dagegen zu Hause trainieren und anschließend neun Spiele in 28 Tagen bestreiten. Dabei ging die Kraft im Kampf um den Klassenerhalt verloren.

"Wir haben eine neue Mannschaft aufgebaut, innerhalb von zwei Wochen 17 neue Spieler geholt, um neu zu starten", beschreibt Kauczinski die Situation vor einem Jahr. Deshalb genieße er jetzt die Auszeit, stellt aber auch klar: "Ich bin nicht müde, ich bin nicht ausgelaugt."

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Seinem Nachfolger wünscht er weiter viel Glück und Erfolg. "Ich kenne Alex Schmidt, wir waren zusammen auf dem Fußballlehrer-Lehrgang, haben uns danach noch geschrieben", erzählt Kauczinski. "Es kann doch der Kollege, der kommt, nichts dafür, dass ich freigestellt worden bin. Das sehe ich sportlich." Zumal Schmidt nicht vergessen hat, den Anteil von Kauczinski am Aufstieg auch öffentlich hervorzuheben. "Es ist nicht so, dass ich auf ein Mannschaft treffe, die schlecht trainiert ist. Da muss ich auch meinen Vorgänger loben", sagte Schmidt bereits bei seiner Vorstellung in Dresden.

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