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Dynamo-Held Eilers: "Ich hatte mich komplett verloren"

Nach seiner erfolgreichen Zeit in Dresden ist der Stürmer oft verletzt. Das setzt ihm nicht nur körperlich zu, wie er jetzt erzählt. Aber er hat sich zurück gekämpft.

Am 15. Dezember 2020 kehrte Justin Eilers als Spieler des SC Verl nach Dresden zurück, wurde beim 4:1-Sieg von Dynamo in der Schlussviertelstunde eingewechselt.
Am 15. Dezember 2020 kehrte Justin Eilers als Spieler des SC Verl nach Dresden zurück, wurde beim 4:1-Sieg von Dynamo in der Schlussviertelstunde eingewechselt. © Foto: dpa/Robert Michael

Dresden. Während Dynamo um den Wiederaufstieg in die zweite Liga spielt, feiert auch Justin Eilers seine persönlichen Erfolgserlebnisse: Nachdem er zuletzt für den SC Verl beim 2:2 gegen den VfB Lübeck in der 3. Liga ein Tor erzielt hat, traf er nun auch beim 2:2 im Testspiel beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. "Tore zu schießen macht Spaß und ist gut für das Selbstvertrauen. Ich freue mich vor allem darüber, dass ich körperlich wieder dazu in der Lage bin", sagt er im Interview für die Internetseite des DFB.

Vor fünf Jahren gehörte Eilers zu den Stützen der Dresdner Mannschaft, die es nach oben geschafft hat, wurde mit 23 Treffern Torschützenkönig in der 3. Liga - und wechselte zu Werder Bremen. Sein Traum, in der Bundesliga zu spielen, schien endlich wahr zu werden. Doch er platzte genauso schnell. Eine Verletzung reihte sich an die nächste: Hüfte, Leiste, Innenband, Kreuzband. Zum Verzweifeln.

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"Ich hatte mir das ganz anders vorgestellt. Mein großes Ziel, in der Bundesliga zu spielen, war zum Greifen nah. Dann hat aber das Schicksal zugeschlagen", sagt Eilers. "Die Verletzungen haben sich während meiner Zeit in Bremen wie ein roter Faden durchgezogen. Das hatte aber sicher nichts mit Werder zu tun, hätte mir allerdings auch bei Dynamo Dresden oder anderswo passieren können." Für die zweite Mannschaft bestreitet er in zwei Jahren insgesamt 16 Spiele, erzielt fünf Tore. Mehr ist nicht drin in dieser Leidenszeit.

Eilers versucht einen Neustart in Griechenland, wo er für den Erstligisten Apollon Smyrnis spielt - oder besser: spielen will. Trainer Valerien Ismaël, mit dem er bereits bei der U 23 des VfL Wolfsburg zusammengearbeitet hatte, musste den Verein wegen Streitigkeiten mit dem Präsidenten bereits nach dem ersten Spieltag verlassen. Anders als andere Spieler, die der frühere Bundesligaprofi geholt hatte, durfte Eilers bleiben. "Dann sind aber wieder meine Hüftbeschwerden aufgetreten und ich kam zu keinem weiteren Einsatz." Er beschließt, zum Jahreswechsel 2018/19 in die Heimat zurückzukehren, "auch, weil die medizinische Versorgung in Griechenland eine andere ist".

Auch mental an einem Tiefpunkt

In dieser Zeit ist der einst gefeierte Torjäger an einem mentalen Tiefpunkt. "Mir wurde es abrupt genommen, meiner Leidenschaft für den Fußball nachgehen zu können. Durch meine gesundheitliche Konstellation war ich 42 Monate getrieben von unzähligen Operationen und Reha-Maßnahmen, die mich leider nicht nur körperlich aus dem Gleichgewicht gebracht haben", berichtet Eilers - und er räumt ein: "Ich hatte mich komplett verloren. Im Juli 2019 hatte ich dann Privatinsolvenz angemeldet, um meine Schulden über die dafür gesetzlichen Möglichkeiten zu bereinigen."

So kennen die Fans den Torjäger: In zwei Jahren bei Dynamo erzielte Justin Eilers 46 Tore in 81 Pflichtspielen - eine beeindruckende Quote.
So kennen die Fans den Torjäger: In zwei Jahren bei Dynamo erzielte Justin Eilers 46 Tore in 81 Pflichtspielen - eine beeindruckende Quote. © Robert Michael

In dieser schwierigen Zeit merkt er, auf wessen Unterstützung er zählen kann. "Ich hatte für meine Karriere viele Schulterklopfer bekommen", sagt er in dem Gespräch für DFB.de. "Als es dann nicht mehr so gut lief, habe ich festgestellt, wer wirklich für mich da ist: Meine Familie und meine engsten Freunde haben immer zu mir gehalten, auch wenn ich sie mal enttäuscht hatte."

Deshalb wollte auch er sie nicht enttäuschen. Meldungen über sein Karriereende dementiert er. "Als es dann absehbar war, dass gesundheitlich noch eine Chance besteht, zurück in den Profifußball zu kommen, wollte ich mir nicht nachsagen lassen, nicht alles dafür versucht zu haben." Im Sommer 2019 findet Eilers bei den Sportfreunden Lotte einen neuen Verein, kommt zwar nur zu zwei Einsätzen, aber: "Ich bin ich über die Physiotherapeutin des Klubs bei einem Spezialisten gelandet, der herausfinden konnte, woher meine Beschwerden kamen. Am Hüftgelenk hatte ich ein Überbein, also zu viel Knochen. Das hat die Bereiche an der Hüfte nach und nach beschädigt. Bei einer Operation wurde das Überbein dann weggefräst."

Trotzdem musste er mehr als ein Jahr auf eine neue Chance warten. Beim SC Verl trainierte er drei Wochen zur Probe mit, bevor er im September 2020 einen Vertrag erhielt. "Ich hatte in der 3. Liga zwar noch einen Namen. Meine Verletzungshistorie hat aber sicherlich den einen oder anderen Verein abgeschreckt", meint Eilers. "Der SC Verl hat aber eine mögliche Win-Win-Situation gesehen. Als Aufsteiger würden sie - wenn es gesundheitlich passt - einen erfahrenen Spieler dazubekommen."

Rückkehr nach Dresden ein "wahnsinniges Gefühl"

Allerdings ist beiden Seiten von Anfang an klar, dass er eine Anlaufzeit brauchen wird, nachdem er seit seinem Abschied von Dynamo 2016 kaum gespielt hatte. "Während der Hinrunde war ich noch hin und wieder mit muskulären Problemen ausgefallen und kam lediglich zu Kurzeinsätzen." Einen davon hat er in Dresden, als er in der Schlussviertelstunde eingewechselt wird. Er kommt sogar noch mal zum Abschluss, allerdings ist der Winkel spitz und sein Schuss auch nicht platziert.

Zum Abschied aus Dresden im Mai 2016 fließen auch bei Aufstiegsheld Eilers die Tränen. Er will sich bei Werder Bremen den Traum von der Bundesliga erfüllen, doch es kommt anders.
Zum Abschied aus Dresden im Mai 2016 fließen auch bei Aufstiegsheld Eilers die Tränen. Er will sich bei Werder Bremen den Traum von der Bundesliga erfüllen, doch es kommt anders. © Robert Michael

Dynamo gewinnt mit 4:1. Trotzdem ist es für Eilers ein positives Erlebnis. "Wenn ich es nur für mich persönlich beurteile, war es ein wahnsinniges Gefühl, hier wieder aufzulaufen", sagt er danach - und schränkt ein: "Nur leider ohne die Fans – das ist bitter für Dynamo, aber auch für uns. Es wäre eine Riesensache gewesen, wenn die Jungs, die das noch nicht kennen, vor so einer Kulisse gespielt hätten. Ich vermisse es. Wer weiß, ob ich noch einmal die Chance habe, hierher zu kommen. Trotzdem war es schön."

Was ihm genauso wichtig ist wie das Gefühl, selbst wieder spielen zu können: Teil eines Teams zu sein. "Mir hat es gefehlt, vor und während des Trainings mit den Mannschaftskollegen herumzualbern und Spaß zu haben. Wenn man auf dem Platz stehen und den Mitspielern helfen kann, entsteht ein ganz anderes Gemeinschaftsgefühl", betont Eilers, der dem SC Verl dankbar ist für die Chance, es sich und anderen noch mal zu beweisen. "Ich will das Vertrauen zurückzahlen."

In der Offensive sogar besser als Dynamo

Nach einer Muskelverletzung zu Jahresbeginn wurden seine Einsatzzeiten zuletzt länger, gegen Lübeck waren es bereits 65 Minuten, seinen Treffer erzielte er per Kopf. "Unsere Spielweise ist sehr laufintensiv, wir setzen den Gegner schon früh unter Druck. Damit haben wir viele Mannschaften schon überrumpelt", beschreibt Eilers die Stärken des Aufsteigers, die zweifellos in der Offensive liegen. 54 Tore sind Liga-Bestwert, Dynamo und 1860 München folgen mit 51.

Im Januar 2019 ist Justin Eilers wieder zu Hause: auf seinem altem Bolzplatz in Braunschweig. Das Abenteuer Griechenland musste er nach einem halben Jahr abbrechen. Auch dort hatte er mit Verletzungen und zudem widrigen Umständen im Verein zu kämpfen.
Im Januar 2019 ist Justin Eilers wieder zu Hause: auf seinem altem Bolzplatz in Braunschweig. Das Abenteuer Griechenland musste er nach einem halben Jahr abbrechen. Auch dort hatte er mit Verletzungen und zudem widrigen Umständen im Verein zu kämpfen. © kairospress

Auf Platz fünf liegt Verl zwar bereits zwölf Punkte hinter dem Aufstiegsrelegationsrang, aber der Test gegen Düsseldorf habe gezeigt, dass sich die Mannschaft von Trainer Guerino Capretti auch vor höherklassigen Gegnern nicht zu verstecken braucht. "Wir sind mutig und selbstbewusst aufgetreten. Wenn wir noch konsequenter und abgezockter gespielt hätten, wäre sogar noch mehr als das 2:2 möglich gewesen", meint Eilers.

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Für ihn ist auf jeden Fall noch einiges möglich, auch wenn er seine vermeintlich besten Jahre als Fußballer durch die Verletzungsmisere verpasst hat. Umso höher ist einzuschätzen, dass er sich nie unterkriegen lassen, sondern zurück gekämpft hat.

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