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Was Dynamos Arzt über den verletzten Ehlers sagt

Der Verteidiger fehlt seit Juni nach einem Muskelfaserriss. Wo liegt das Problem und wie geht es den anderen Verletzten? Das Interview mit dem Mannschaftsarzt.

Dynamos Mannschaftsarzt erklärt die langwierige Verletzung von Kevin Ehlers.
Dynamos Mannschaftsarzt erklärt die langwierige Verletzung von Kevin Ehlers. © dpa/Robert Michael

Dresden. Er schien schon wieder einsatzbereit zu sein, stand für Dynamos Heimspiel gegen Werder Bremen im Kader und gab im Testspiel gegen Bischofswerda ein kurzes Comeback. Doch danach musste Kevin Ehlers erneut kürzertreten. In der Vorbereitung hatte sich der 21 Jahre alte Verteidiger im ersten Spiel gegen die zweite Mannschaft von Hertha BSC einen Muskelfaserriss im Hüftbeuger zugezogen. Das klang nicht besonders schlimm und schon gar nicht nach einer so langen Ausfallzeit. Aber die Experten wussten, wie kompliziert diese Verletzung ist.

Dynamos Mannschaftsarzt Dr. Onays Al-Sadi erklärt das im Gespräch mit Sächsische.de.

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Herr Al-Sadi, wieso dauert es bei Kevin Ehlers so lange?

Muskelverletzungen sind mit fast 30 Prozent die mit Abstand häufigsten im Profi-Fußball. Häufig kommen sie in den Beinen vor, in der Oberschenkel-Muskulatur öfter als in der Wade. Bei Kevin Ehlers ist der kräftigste Hüftbeuger betroffen, der musculus iliopsoas, der tief im Becken seinen Ursprung hat. Es ist nicht nur der Muskel betroffen, sondern auch der Übergang zum sehnigen Anteil. Und dieser Muskel steckt sehr tief im Körper und lässt sich deshalb mit der üblichen Physiotherapie und physikalischen Therapie nur schwer erreichen. Es gibt in der manuellen Therapie, der Osteopathie ein paar Ansätze, wie man einen Zugriff durch die Bauchdecke bekommt.

Trotzdem schien er bereits wieder einsatzbereit zu sein, stand zum Heimspiel gegen Werder Bremen im Kader und hat im Test gegen Bischofswerda eine Viertelstunde gespielt. Was ist dabei schiefgelaufen?

Es ist nichts schiefgelaufen. Wir waren alle guter Dinge, auch er selbst, dass er sich voll belasten kann. Das Wettkampftraining hat aber noch mal eine ganz andere Intensität, das darf man nicht unterschätzen. Als Kevin nach intensiveren Einheiten leichte Beschwerden kommunizierte, wollten wir einfach vorsichtig sein, haben die Schleife gedreht, ihn in der Belastung wieder etwas zurückgenommen.

Was hat das Kontroll-MRT ergeben, das anschließend angesetzt worden war?

Es war noch eine Restflüssigkeit zu sehen am Übergang vom Muskelbauch zum sehnigen Anteil, aber ohne eine relevante strukturelle Veränderung, das heißt: Der Riss ist zum Glück verheilt, aber es gab dieses Ödem, diese Flüssigkeitsansammlung.

Konkret nachgefragt: Zu früh zu viel gewollt?

Wir haben uns auf den klinischen Befund verlassen und darauf vertraut, dass es sich vorher gut entwickelt hat. Vielleicht war es mal eine Einheit zu viel. Im Nachhinein kann man natürlich sagen, wir hätten gut daran getan, es noch langsamer angehen zu lassen. Jetzt machen wir diese Sicherheitsschleife, damit er dann dem Kader wirklich dauerhaft zur Verfügung steht.

Wie bestimmt man bei solchen Verletzungen den richtigen Zeitpunkt? Man muss doch belasten, um zu merken, wie der Körper reagiert.

Genau. Deswegen haben wir den Schritt gewagt, weil er keine Beschwerden mehr hatte und das MRT, das wir vorher natürlich auch gemacht haben, einen weiterhin rückläufigen Befund gezeigt hat. Auf dieser Basis haben wir gemeinsam mit dem Reha- und Athletiktrainer entschieden, ihn ins Mannschaftstraining zu geben, wohl wissend, dass dort die Belastung ungleich höher ist vor allem mit den Zweikämpfen.

Sie waren trotzdem insofern skeptisch, dass es die Ansage gab, er soll gegen Bischofswerda maximal 20 Minuten spielen. Warum das?

Wir treffen solche Entscheidungen stets gemeinsam. Die Verletzung von Kevin ist komplex und – wie gesagt – schwieriger zu behandeln. Wir sind nicht die Ersten, die feststellen mussten, dass die Regeneration nach einer Verletzung dieses Muskels länger dauern kann. Die Zeit nehmen wir uns.

Wie lange wird es dauern, bis er wirklich wieder spielen kann?

Wir sind guter Dinge, dass er zeitnah voll ins Wettkampftraining einsteigen kann, machen uns aber keinen Druck durch ein bestimmtes Datum.

Der Trainer meinte, er sei ein sensibler Spieler. Trotzdem wollte er die Schmerzen im Testspiel gegen Hertha BSC II zunächst ignorieren. War das die Ursache dafür, dass es so schlimm geworden ist?

Bei Dynamo arbeiten Trainerteam, Spieler und Medizin zum Glück sehr eng zusammen. Für einen Profi-Fußballer ist der Körper das Kapital. Insofern ist es sehr zu begrüßen, wenn die Spieler sensibel auf sich achten. Kevin ist jung und wird zu Recht als Top-Talent gehandelt, er will noch 15 Jahre weiter erfolgreich spielen. Wenn ein Spieler grundsätzlich kein gutes Körpergefühl hat und noch irgendetwas spürt, hat es aus meiner Sicht wenig Sinn, diesen Spieler trotzdem einzusetzen, denn er wird nicht 100 Prozent geben. Manchmal kann es aber mental helfen, wenn ein Spieler ein paar Einsatzminuten sammelt und merkt, dass er nah dran ist. Es ist immer ein sehr komplexes, individuelles Zusammenspiel.

Wie ist der Stand bei den anderen bereits länger verletzten Spielern?

Bei Patrick Weihrauch sieht es gut aus, er kann das Mannschaftstraining bereits teilweise mitmachen. Er hat von der zweiten Operation im Sprunggelenk, bei der Narbengewebe entfernt wurde, eindeutig profitiert und jetzt ein viel besseres Gefühl. Nun müssen wir ihn konditionell wieder dorthin bekommen, dass er voll einsteigt.

Wie weit sind die Spieler, die mit Kreuzbandriss fehlen?

Das läuft soweit nach Plan. Robin Becker steht uns wieder zur Verfügung, das hat sehr gut geklappt. Er hat ein gutes Gefühl für sein Knie. Ich denke, das sieht man auch, wie er spielt, dass er sich flüssig bewegt, keine Angst vor Zweikämpfen hat. Darüber freuen wir uns sehr. Patrick Wiegers hat leider einen etwas längeren Verlauf, aber auch bei ihm gibt es eine positive Tendenz. Panagiotis Vlachodimos ist erst vor einer Woche operiert worden, das Knie sieht sehr gut aus, es ist vergleichsweise wenig Flüssigkeit im Gelenk.

Und wie geht es Tim Knipping?

Er hat sich das Knie sehr schwer verletzt, es waren mehrere Strukturen betroffen. Tim führt seine Reha in Köln erfolgreich mit dem Physiotherapeuten durch, den er schon lange kennt, er hat dort ein sehr gutes medizinisches Netzwerk, steht mit seinem Operateur im Austausch. Deshalb haben wir dem zugestimmt, weil wir um die Expertise der Kollegen wissen. Tim kommt uns zu den Heimspielen regelmäßig besuchen, sodass wir die Möglichkeit haben, den Heilungsverlauf zu beurteilen.

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Das Gespräch führte Sven Geisler.

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