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Die Aufreger bei Dynamos Sieg im Ostduell

Beim 3:1-Sieg der Dresdner in Halle gibt es Diskussionsbedarf über den Schiedsrichter - und einen glücklichen Trainer. Fünf Fragen und Antworten - die erste Analyse.

Das Tänzchen des Spitzenreiters: Nach dem Sieg im Ostduell beim Halleschen FC feiern die Dynamos.
Das Tänzchen des Spitzenreiters: Nach dem Sieg im Ostduell beim Halleschen FC feiern die Dynamos. © PICTURE POINT

Halle. Kurz bevor der Abpfiff ertönt, macht Dynamo den Deckel drauf auf diese Partie. Jonathan Meier erobert den Ball, passt auf Patrick Weihrauch - und der eingewechselte Spielmacher trifft zum 3:1. Der Jubel nach dem Tor vermischt sich mit dem über den Sieg im Ostduell. Mit 3:1 gewinnen die Dresdner beim Halleschen FC, es ist der dritte Auswärtssieg in Folge, seit sechs Spielen ist die Mannschaft von Cheftrainer Markus Kauczinski ungeschlagen - eine Demonstration der Stärke.

Hier gibt es den Liveticker vom Spiel zum Nachlesen.

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Wie ist der Sieg im Ost-Duell einzuordnen?

Und so spielt ein Aufsteiger? Es ist zu früh, dahinter bereits einen Punkt zu setzen. Aber wie Dynamo zwei Führungsspieler ersetzen kann, taktisch flexibel agiert und sich auch von einem Rückstand nicht verunsichern lässt - das sind gute Voraussetzungen, sich in dieser 3. Liga durchzusetzen. Zumal die Mannschaft die sogenannten Grundtugenden nahezu geschlossen auf den Platz bringt: Kampf, Leidenschaft, Mentalität.

Der Unterschied in Halle ist letztlich nicht groß, für die Gastgeber macht ihn der Schiedsrichter aus. Zudem fehlt ihnen mit Terrence Boyd verletzungsbedingt der beste Torschütze. Neun Treffer hatte der Stürmer in 14 Spielen erzielt. Auch das ist ein Aspekt, um den Erfolg richtig einordnen zu können.

Aber das sind eben genau die engen Spiele, die man ziehen muss, um am Ende am besten dort zu stehen, wo die Schwarz-Gelben nach diesem 15. Spieltag stehen: auf Platz eins.

Die Tabelle habe sich keiner eingerahmt, meinte Kauczinski, nachdem Dynamo mit dem 0:0 gegen Uerdingen vorigen Sonntag die Spitzenposition erobert hatte. Nun bleibt dafür erst recht keine Zeit. Die Pause in der englischen Wochen wird kurz. Bereits am Dienstag, 19 Uhr, empfangen die Dresdner vor leeren Rängen, aber auf neuem Rasen im Rudolf-Harbig-Stadion den starken Aufsteiger SC Verl.

Er war ein umkämpftes Spiel mit zwei starken Mannschaften: Hier setzt sich Dynamos Jonathan Meier gegen Antonios Papadopoulos durch. Am Ende gewinnt Dynamo das Spiel 3:1.
Er war ein umkämpftes Spiel mit zwei starken Mannschaften: Hier setzt sich Dynamos Jonathan Meier gegen Antonios Papadopoulos durch. Am Ende gewinnt Dynamo das Spiel 3:1. © PICTURE POINT

Was sagen Spieler und Trainer danach?

"Halle hat uns alles abverlangt", sagt Kauczinski. "Ich bin froh, die Woche war besonders, die Verletzungen von Basti Mai und Marco Hartmann schon ein Schock für uns. Die Beiden haben unsere Abwehr zusammengehalten, sind von ihrer Ausstrahlung, ihrer Physis unheimlich wichtig für uns."

Die Mannschaft habe jedoch gezeigt, "dass wir mehr sind als die Beiden, dass wir es auffangen können", betont der Trainer. "Deswegen bin ich umso glücklicher." Halles Chefcoach Florian Schnorrenberg sprach von einem interessanten, intensiven Spiel. "Wir haben gemerkt, welche Effektivität und Kaltschnäuzigkeit Dynamo hat, mit der ersten Chance sofort zurückzukommen und auszugleichen.

In der zweiten Hälfte spielten die Dresdner dann in Überzahl. "Das ist immer undankbar gegen zehn Mann. Jeder erwartet, dass man die aus dem Stadion schießt. Wir hatten eine Führung zu verlieren, sie nichts mehr", meint Stark. "Wir hatten es aber unter Kontrolle."

Für Pascal Sohm war es eine besondere Partie, schließlich ist der Angreifer ist im Sommer vom HFC zu Dynamo gewechselt. "Das war cool, eine gelungene Rückkehr", sagt der 29-Jährige, der nur eines vermisste: die Derby-Stimmung. "Es ist immer die gleiche Leier, aber die Zuschauer machen den Fußball zu einem anderen Spiel. Es ist schade, dass der Kessel nicht voll sein darf - bei uns in Dresden genauso wie hier."

Pure Freude, große Emotionalität: Tim Knipping und Dynamo jubeln über den Sieg im Ost-Duell beim Halleschen FC.
Pure Freude, große Emotionalität: Tim Knipping und Dynamo jubeln über den Sieg im Ost-Duell beim Halleschen FC. © PICTURE POINT

Wie hat Dynamo das Spiel bis zur Pause gedreht?

Beide Teams gehen mit hohem körperlichen Einsatz und Tempo in dieses Ostduell. Halle scheint zunächst einen Tick energischer, was sich beim Führungstreffer in der siebenten Minute auszahlt: Julian Derstroff überläuft erst Yannick Stark und dann Kevin Ehlers, seinen ersten Schuss blockt Robin Becker, aber der zweite Versuch sitzt.

"Da gehen wir, auch ich, ein bisschen wie die Osterhasen in den Zweikampf", sagt Becker zum Gegentreffer. Und Vizekapitän Stark meint: "Das war ein saudummes Tor, das sollte uns in Zukunft so nicht mehr passieren. Trotzdem ein schönes Zeichen, dass wir es umgebogen und uns davon nicht aus der Bahn werfen lassen haben."

Dynamo ist engagiert, versucht, schnell zu kombinieren, kommt aber nicht zu gefährlichen Abschlüssen, der Schuss von Christoph Daferner geht deutlich drüber (14.). Trotzdem werden die Schwarz-Gelben druckvoller, der Ausgleich ist verdient. Jonathan Meier setzt sich auf links durch, bringt die Flanke von der Grundlinie. Beckers Schuss wird abgewehrt, aber Stark trifft aus 14 Metern. Dynamo dürfte es egal sein, zumal Torwart Kevin Broll danach einen Schuss von Jonas Nietfeld mit einer Flugparade entschärft. Sein Gegenüber Sven Müller im HFC-Tor hat dagegen bei Beckers Direktabnahme keine Abwehrchance - das 2:1 quasi mit dem Pausenpfiff.

Die Mannschaft jubelt über das 1:1 durch Yannick Stark. Kurz vor der Pause dreht Dynamo die Partie durch ein Traumtor von Robin Becker.
Die Mannschaft jubelt über das 1:1 durch Yannick Stark. Kurz vor der Pause dreht Dynamo die Partie durch ein Traumtor von Robin Becker. © PICTURE POINT

Ist Halles Ärger über den Schiedsrichter berechtigt?

Das emotionalste Duell liefert sich Kauczinski an der Seitenlinie mit Halles Co-Trainer Daniel Ziebig, einst der "frische Wind" bei Dynamo. Weil der 37-Jährige quasi bei jedem Zweikampf einen Freistoß fordert, reißt Dynamos Chefcoach der Geduldsfaden. Er blafft ihn an, endlich mal ruhig zu sein. "Nur labern, labern, labern ..."

Hinterher kommentierte Kauczinski die Szene entspannt: "Das war ein normales Geplänkel, wie es dazugehört. Jeder vertritt seine Seite. Das war nichts Wildes, alles gut."

Allerdings gibt es einigen Diskussionsbedarf. Kurz nach dem 1:1 haben die Dresdner Glück, denn mit Videobeweis hätte es nach dem unabsichtlichen, aber strafbaren Handspiel von Kevin Ehlers einen Elfmeter für Halle gegeben. Ohne die Hilfe von außen winkt Schiedsrichter Florian Heft: Weiterspielen!

"Der Schiedsrichter hat in der Halbzeit gesagt, es war ein Handspiel", berichtete HFC-Coach Schnorrenberg. "Wir wissen aber auch, dass Kevin Broll schon viele Elfmeter gehalten hat."

Es ist also einer dieser Momente, über die hinterher diskutiert werden darf, was wäre gewesen, wenn ... . Das trifft auch auf den Platzverweis zu, den sich Halles Laurenz Dehl noch vor der Pause binnen drei Minuten abholt. Erst sieht der 19-Jährige zu Recht Gelb für ein Foul, dann wirft er den Ball, der schon im Aus ist, noch mal weg. Der Unparteiische ist gnadenlos, zieht erneut Gelb und danach Rot. Mit etwas Fingerspitzenfühl hätte er ihn ermahnen und Schnorrenberg wechseln können. "Wenn ich mir etwas wünschen könnte, wäre die 45. Minute etwas anders gelaufen", sagt er. "Ich hätte es gerne zu elft zu Ende gespielt."

Eine Schlüsselszene der Partie: Schiedsrichter Florian Heft schickt Halles Laurenz Dehl nach der zweiten Gelben Karte vom Platz.
Eine Schlüsselszene der Partie: Schiedsrichter Florian Heft schickt Halles Laurenz Dehl nach der zweiten Gelben Karte vom Platz. © PICTURE POINT

Wie hat der Trainer auf die Ausfälle reagiert?

Zwei Wechsel in der Startelf waren unausweichlich. Nach dem Schock wegen der Verletzung von Kapitän Sebastian Mai musste Dynamo eine weitere schlechte Nachricht verkraften: Auch Marco Hartmann, der sich als Abwehrchef gerade nahezu unverzichtbar gemacht hat, fällt mindestens bis Jahresende aus. Bei dem 32-Jährigen wurde eine Verletzung im Muskelansatz des rechten Knies sowie ein Knochenmarködem diagnostiziert. "Wir müssen das auf mehrere Schultern verteilen", meinte Kauczinski vorher bei Magenta-TV zum Ausfall der beiden Führungsspieler.

Der verletzte Kapitän musste von draußen zuschauen. Dafür war Sebastian Mai ein gern gesehener Gast bei den Kollegen von Magenta-TV.
Der verletzte Kapitän musste von draußen zuschauen. Dafür war Sebastian Mai ein gern gesehener Gast bei den Kollegen von Magenta-TV. © PICTURE POINT

Ehlers und Becker kamen für sie ins Team. "Sie haben eine gute Qualität. Sie sind nicht die Redner vor dem Herren, aber das müssen sie lernen", sagte der Trainer. Er beließ es aber nicht dabei, sondern tauschte noch zweimal: Stefaniak und der im Sommer vom HFC zu Dynamo gewechselte Sohm begannen, dafür saßen Patrick Weihrauch und Philipp Hosiner auf der Bank. "Sohm ist jetzt dran. Er hat eine lange Leidenszeit gehabt. Aber wir haben jetzt einige Spiele und deswegen haben wir uns entschieden zu wechseln."

Taktisch stellte der Chefcoach nach etwa einer halben Stunde die Offensive noch mal um. Hinten stand die Viererkette, davor nun Stark und Kade defensiv, Stefaniak offensiv im zentralen Mittelfeld. Vorn kamen Königsdörffer über rechts und Sohm über links, Daferner in der Mitte.

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Taktisch ließ Kauczinski mit Dreierkette beginnen, stellte aber nach 20 Minuten auf ein 4-1-4-1-System um. "Die Umstellung auf Viererkette hat sehr gut getan, das war ein gutes Zeichen von außen", sagt Stark. "Ab dem Zeitpunkt hatten wir einen guten Zugriff aufs Spiel, man hat wieder eine gewisse Sicherheit gespürt."

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