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Ein Aufreger bei Dynamos souveränem Sieg

Der Spitzenreiter gewinnt mit 4:0 in Meppen. Die Gastgeber hadern vorher mit dem Schiedsrichter, dann gibt es Elfmeter - die erste Analyse mit den Reaktionen.

Zurück in der Startelf und gleich wieder Torschütze und Vorbereiter bei Dynamos klarem Sieg: Philipp Hosiner.
Zurück in der Startelf und gleich wieder Torschütze und Vorbereiter bei Dynamos klarem Sieg: Philipp Hosiner. © osnapix

Meppen. Dynamo gönnt sich keinen Aussetzer, sondern macht einfach weiter. Beim SV Meppen, der zuvor drei Heimspiele in Folge gewonnen hatte, gewinnen die Dresdner am Samstagnachmittag ungefährdet mit 4:0. Es ist - so viel Statistik muss sein - für die SGD der 100. Sieg in der 3. Liga, wobei das erst ein Grund zum Feiern wäre, wenn für den Spitzenreiter bis zum Saisonende ausreichend folgen, um aufzusteigen.

"Es wird auch in der 3. Liga guter Fußball gespielt", sagt Markus Kauczinski, aber der Trainer fügt hinzu: "Natürlich will man will nicht mehr Zeit da verbringen, als man muss. Darin sind wir uns alle einig." Warum Dynamos neunter Auswärtssieg in dieser Saison verdient ist - fünf Fragen und Antworten.

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Aufregung um den Schiri: Elfmeter oder nicht?

Der Elfmeter ist deshalb strittig, weil Christoph Daferner abgeschlossen hat, bevor er mit Meppens Lars Bünning zusammenrauscht. Philipp Hosiner sind die Diskussionen egal, er verwandelt trocken und sicher unten links zum 3:0 in der 54. Minute. "Das ist der Job, den man als Elfmeterschütze zu erledigen hat: Den Ball einfach reinzumachen, kompromisslos, eiskalt", meint Hosiner und spricht von einem "perfekten Tag".

Die Schiedsrichter-Ansetzung hatte allerdings in Meppen für einige Aufregung gesorgt, weil Robert Kampka 1982 in Görlitz geboren wurde. Seit 2002 lebt der Arzt bei der Bundeswehr in Mainz. „Mainz ist für mich letztlich zu einem Stück Heimat geworden“, sagt Kampka in einem Interview. Trotz der strittigen Entscheidung erweist er sich als umsichtiger Unparteiischer.

Bereits nach drei Minuten darf Dynamo jubeln. Torschütze Christoph Daferner ließ seinen Gegenspieler aussteigen und traff mit links zum 1:0. Für Aufregung sorgte die Elfmeterentscheidung in der zweiten Halbzeit.
Bereits nach drei Minuten darf Dynamo jubeln. Torschütze Christoph Daferner ließ seinen Gegenspieler aussteigen und traff mit links zum 1:0. Für Aufregung sorgte die Elfmeterentscheidung in der zweiten Halbzeit. © Foto: Osnapix

Heinz Mörschel erwischt dann mit seinem Schuss aus 18 Metern noch SVM-Torwart Eric Domaschke auf dem falschen Fuß - der vierte Treffer in der 72. Minute. Erst danach und insgesamt vier Wechseln bei Dynamo kommen die Gastgeber zu zwei Großchancen. Nicolas Andermatt trifft den Pfosten, Tom Boere scheitert an SGD-Schlussmann Kevin Broll (beide 78.). "Dass man am Ende etwas nachlässt, ist auch normal", zeigt sich Kauczinski nachsichtig mit dieser kleinen Schwächephase. Auf der anderen Seite verpasst der eingewechselte Marvin Stefaniak mit einem Kopfball sein erstes Tor seit der Rückkehr zu Dynamo, Domaschke hält einmal mehr stark (90.).

Wie ordnen Trainer und Spieler den Sieg ein?

"Das war eine geschlossene Leistung, weil wir das Spiel größtenteils im Griff hatten", sagte Kauczinski zufrieden: "Wir wissen, dass jetzt die entscheidende Phase kommt. Wir wollen voll da sein und das hat die Mannschaft toll umgesetzt."

Tatsächlich ist die Mannschaft ähnlich konsequent aufgetreten wie gegen Ingolstadt. "Wir haben von Anfang an gezeigt, dass wir hoch wollen", sagt Hosiner. "Das war eine reife Leistung von der ersten bis zur letzten Minute." Der Stürmer fasst die 90 Minuten perfekt zusammen: "Wir sind früh in Führung gegangen, haben gleich nachgelegt, in der zweiten Halbzeit nichts anbrennen lassen und das Spiel entschieden." Seine Einschätzung: "Der Sieg geht auch in der Höhe in Ordnung."

Julius Kade jubelt mit Philipp Hosiner über das 3:0. Anschließend sprach der Dynamo-Mitfeldspieler von einem harten Kampf, aber auch von einem souveränen Sieg.
Julius Kade jubelt mit Philipp Hosiner über das 3:0. Anschließend sprach der Dynamo-Mitfeldspieler von einem harten Kampf, aber auch von einem souveränen Sieg. © osnapix

Julius Kade spricht zwar von einem harten Kampf, aber auch von einem souveränen Sieg. "Wir unterschätzen keinen Gegner, dafür gab es auch keinen Grund, weil Meppen eine richtig gute Mannschaft ist, die in den Spielen davor gute Leistungen gebracht hatte. Deshalb wusste jeder Einzelne, dass wir uns voll reinhängen müssen. Das haben wir auf dem Platz gezeigt."

Der Trainer blickt schon wieder voraus. "Es bleibt spannend. Wir freuen uns auf die nächsten Aufgaben", meint Kauczinski. In den Heimspielen gegen Saarbrücken und Wehen Wiesbaden trifft Dynamo jetzt wieder auf zwei Verfolger.

Wie kam Dynamos Führung zur Pause zustande?

Für Markus Kauczinski macht es keinen Unterschied, die Mannschaft auf ein Spitzenspiel oder eine Partie beim Tabellen-13. einzustellen. "Nein, für mich ist das immer gleich, es geht immer um drei Punkte, die sind immer wichtig, es gibt keine unwichtigen", sagte Dynamos Trainer vorab. Und das Team auf dem Platz setzt es sofort um. Bereits in der dritten Minute bringt Daferner mit seinem entschlossenen Abschluss die Dresdner in Führung, Hosiner hatte den Treffer zum 1:0 vorbereitet.

Besprechung vor dem Freistoß zum 0:2: Heinz Moerschel spricht sich mit Sebastian Mai und Paul Will ab und verwandelt dann per direktem Freistoß zum 2:0.
Besprechung vor dem Freistoß zum 0:2: Heinz Moerschel spricht sich mit Sebastian Mai und Paul Will ab und verwandelt dann per direktem Freistoß zum 2:0. © Eibner-Pressefoto

Danach versucht Meppen, Druck zu machen, wird allerdings kaum gefährlich. Das bleiben die Schwarz-Gelben. Nach Flanke von Mörschel nimmt Hosiner den Ball volley - drüber (14.). Dann provoziert Mörschel mit seinem Dribbling einen Freistoß, den Dynamos erster Dominikaner selbst über die Mauer zirkelt. Das 2:0 in der 25. Minute. Ein dritter Treffer fällt nicht im Ping-Pong-Spiel: Die Versuche von Hosiner und Daferner werden geblockt, den Nachschuss von Daferner pariert Domaschke genauso wie den von Julius Kade (39.).

Der Zwischenstand zur Pause geht also absolut in Ordnung.

Wieso hat der Trainer die Startelf verändert?

Ein erfolgreiches Team nicht zu verändern, ist für Kauczinski eher eine Floskel als eine Weisheit. Der eine Wechsel in seiner Startelf hatte sich allerdings angedeutet, denn Pascal Sohm konnte nach einer Hüftprellung in dieser Woche erst am Donnerstag ins Training einsteigen. Dagegen steht Hosiner, der zuletzt den Stammplatz abtreten musste, voll im Saft. "Wir sind einfach so gut besetzt, dass ich darauf reagieren kann", erklärte der Trainer seine Entscheidung, die sich als richtig erweisen sollte. Sohm kommt zudem in der 67. Minute für den nach dem Zusammenprall beim Elfmeter angeschlagenen Daferner.

In dem Konkurrenzkampf gehe es mal rauf und runter. Seine Aufgabe sei es, zu erkennen, wenn der eine gerade die Nase vorn hat, warum auch immer. Hosiner attestierte er schon vorher, er gebe Gas im Training und versuche, wieder reinzukommen.

Ansonsten aber vertraute Kauczinski den Siegern vom Spitzenspiel gegen Ingolstadt, das heißt, auch der erfahrene Yannick Stark musste zunächst auf sein Comeback nach Schulterverletzung warten.

Wie ist die Atmosphäre in der Fußball-Provinz?

Für Dynamo war es das erste Liga-Spiel in Meppen, im DFB-Pokal hatten die Dresdner 1994 im Emsland die erste Runde im DFB-Pokal überstanden dank eines Treffers von Werner Rank.

Und tatsächlich ist der Rasen auch in Meppen grün. Genau so hatte es Dynamos Mittelfeldspieler Julius Kade erwartet. Das Stadion liegt direkt hinter dem Ortseingang zwischen Ems und Kiefernwald, die Flutlichtmasten ragen über die Baumwipfel hinweg, je zwei überdachte Sitz- und freie Stehplatztribünen versprühen noch etwas Sportplatz-Charme. Am Nebenplatz steht ein Hochstand für Jäger als Sprecherturm.

Sportplatzcharme im EMsland: Die Hänsch-Arena ist weniger ein Arena, als mehr ein schmuckes Stadion. Es liegt direkt hinter dem Ortseingang zwischen Ems und Kiefernwald, die Flutlichtmasten ragen über die Baumwipfel hinweg.
Sportplatzcharme im EMsland: Die Hänsch-Arena ist weniger ein Arena, als mehr ein schmuckes Stadion. Es liegt direkt hinter dem Ortseingang zwischen Ems und Kiefernwald, die Flutlichtmasten ragen über die Baumwipfel hinweg. © SZ/Sven Geisler

Zum Gäste-Parkplatz geht es kurz vorher links ab. Doch es biegen natürlich keine Autos ein, zwei Fußgänger, die sich mit ihren Sweatshirts als Dresdner zu erkennen geben und vermutlich jetzt hier zu Hause sind, schauen mal, ob sie einen Blick auf die Mannschaft erhaschen können.

Der Fanshop im Container ist geschlossen, genau wie die Stadionkneipe "Anno 1912", nach dem Gründungsjahr des Vereins benannt. Wo sonst der Speiseplan hängt, klebt nur ein Sticker: "Der Fußball lebt durch seine Fans." Es klingt wie bitterer Hohn in diesen Zeiten. Am Zaun drinnen hängen einige Transparente der Meppener Anhänger.

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Den ausführlichen Liveticker vom Spiel zum Nachlesen finden Sie hier.

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