merken
PLUS Dynamo

Seine Bayern-Erfahrung als Beispiel für Dynamo

Paul Will war in München mit der U23-Auswahl bereits Drittliga-Meister und will das nun mit den Dresdnern wiederholen. Aber sein Start bei der SGD ist turbulent.

Paul Will kam im Sommer von Bayern München II nach Dresden und hat bei Dynamo in kurzer Zeit schon viel erlebt.
Paul Will kam im Sommer von Bayern München II nach Dresden und hat bei Dynamo in kurzer Zeit schon viel erlebt. © Lutz Hentschel

Dresden. Sie trafen sich einfach in den Gärten oder bei seinem Opa, der auf der Wiese am Haus zwei Tore aufgestellt hatte. Fußball-Romantik in der Dorfidylle. „Ich hatte eine Bilderbuch-Kindheit, wie man sie sich vorstellt“, sagt Paul Will, seit August Profi bei Dynamo in Dresden. Wenn seine Kumpels mal keine Lust zum Kicken hatten, musste der Opa „als Gegenspieler herhalten“, erzählt er und lacht. Einen besseren Trainer konnte der kleine Paul allerdings kaum haben: Gerd Becker hat schließlich im August 1968 das erste Bundesliga-Tor für Kickers Offenbach erzielt.

Ein Treffer ist dem Enkel für Dynamo zwar bislang nicht geglückt, aber er hat in dem Vierteljahr bereits einiges erlebt. Seine turbulente Geschichte beginnt mit etwas Verspätung, denn eigentlich hätte er schon zum Trainingsstart nach der Sommerpause loslegen können. Er war nämlich gerade in Dresden, um sich ein Bild zu machen vom Verein, der an ihm Interesse zeigte und der ihn interessierte. „Ich hatte nie geplant, direkt da zu bleiben“, sagt Will. Es fehlte die Freigabe vom FC Bayern.

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

Beim Rekordmeister gehörte er einmal zum Champions-League-Kader, spielte aber in der zweiten Mannschaft. Mit der U23-Auswahl der Münchner war er Drittliga-Meister geworden, aufsteigen durften sie nicht. Diese Perspektive hat der 21-Jährige nun gesucht. „Ich wollte zu einem Verein gehen, der nach oben will, vielleicht sogar muss – und auch die Chance dazu hat.“ Das klingt auffällig nach Dynamo, zumindest, was die Ambitionen angeht. Also hat er seinen Wechselwunsch durchgesetzt.

Die Nase bricht im Training gleich noch mal

„Das war fast eine Nacht- und Nebelaktion“, erzählt Will. „Ich bin nachts in Dresden angekommen, habe früh 6 Uhr den Medizincheck und einen Corona-Test absolviert und bin direkt ins Trainingslager nach Bad Heiligenstadt gefahren.“ So holterdiepolter angekommen, wollte er zeigen, was er drauf hat. Doch gleich in seinem zweiten Einsatz beim Testspiel gegen Köge setzt es einen Rückschlag: Nasenbeinbruch. „Als das Adrenalin hoch war, direkt nach dem Tritt ins Gesicht, wollte ich weiterspielen“, sagt der Rotschopf.

Das ist mutig: Im DFB-Pokalspiel liefert sich Paul Will (l.) mit Klaus Gjasula vom Hamburger SV ein Kopf-an-Kopf-Duell. Dabei hatte sich der Dynamo-Spieler kurz vorher die Nase gebrochen und auf eine Maske als Schutz verzichtet.
Das ist mutig: Im DFB-Pokalspiel liefert sich Paul Will (l.) mit Klaus Gjasula vom Hamburger SV ein Kopf-an-Kopf-Duell. Dabei hatte sich der Dynamo-Spieler kurz vorher die Nase gebrochen und auf eine Maske als Schutz verzichtet. ©  dpa/Robert Michael

Will will aber nicht etwa den starken Max markieren, als er nach nur drei Tagen wieder mit der Mannschaft trainiert – und das ohne Maske, womit nicht der Corona-Schutz gemeint ist, sondern die bei Verletzungen im Gesicht übliche Spezialanfertigung. „Ich war selbst überrascht, weil ich das so von Mitspielern und aus dem Fernsehen kannte“, sagt Will, aber: „Die Ärztin meinte, die Maske rettet mich nicht, wenn ich einen Ball oder Schlag drauf bekomme, sondern schränke nur die Sicht und Bewegungsfreiheit ein.“ Es würde so oder so 12 bis 16 Wochen dauern, bis der Bruch komplett verheilt ist. Es dauerte länger, weil es im Training tatsächlich noch mal passierte. Weitergemacht hat Will trotzdem.

Erst der überraschende Sieg im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV, und das „mit einer überragenden Leistung“, wie er sagt. Danach sein Heimspiel auf dem Betzenberg. Beim 1. FC Kaiserslautern war er Kapitän der Bundesliga-Junioren, bevor er 2018 zu den Bayern ging. Aber auch dieses besondere Spiel ist für ihn früh zu Ende. Will sieht kurz vor der Pause für ein eher unglückliches als absichtliches Handspiel zum zweiten Mal Gelb und damit Rot. In dem Moment sei er extrem frustriert gewesen und habe sich ungerecht behandelt gefühlt. „Zum Glück konnten wir das Spiel gewinnen, das hat den bitteren Beigeschmack wettgemacht.“

Allerdings wurde diese Wunde am vorigen Samstag erneut aufgerissen. „Der Schiedsrichter (Martin Thomsen/d. Red.) hat uns ja gegen Ingolstadt wieder gepfiffen – und wieder ein Stück weit verpfiffen“, sagt Will und meint den Platzverweis für Max Kulke nach dessen vermeintlicher Notbremse an Stefan Kutschke bereits in der vierten Minute. „Die Rote Karte für Max war noch zweifelhafter. Er wurde nur für ein Spiel gesperrt, das zeigt für mich, dass es eine Fehlentscheidung war.“

"Müssen nicht der FC Bayern der 3. Liga sein"

Will saß in Ingolstadt draußen, weil er wie die Mannschaft nach dem starken Auftakt schwächer wurde. „Dann ist das die logische Konsequenz, das hält das Feuer in der Mannschaft hoch“, sagt er – und zur Lage: „Die Euphorie war natürlich riesig, nachdem wir den – in Anführungsstrichen – großen HSV rausgeworfen hatten. Anschließend hat uns der Drittliga-Alltag hart getroffen und zwischendurch ein wenig überfordert, das muss man zugeben.“ Den eigenen Plan über 90 Minuten durchzuziehen, sei in dieser engen Liga entscheidend. „Wir haben das oft nur eine Halbzeit hingekriegt wie bei Bayern II.“

Beim Duell mit seinem Ex-Klub in München ging Will mit Dynamo 0:3 unter. Trotzdem mahnt er, nicht in Panik zu verfallen. „Wir müssen nicht der FC Bayern der 3. Liga sein und den absoluten Durchmarsch machen.“ Als Absteiger aus der zweiten Liga sei man zwar für viele automatisch der Favorit, „aber das zählt nichts“. Wie sein Beispiel zeigt: „Wir sind vorige Saison als Aufsteiger aus der Regionalliga Meister geworden, dabei standen wir nach der Hinrunde auf Platz 15 mit 16 Punkten Rückstand auf den MSV Duisburg, der den Aufstieg am Ende nicht geschafft hat.“

Weiterführende Artikel

Dynamo gewinnt deutlich gegen Meppen

Dynamo gewinnt deutlich gegen Meppen

Nach zwei Niederlagen standen die Dresdner unter Druck. Der Trainer forderte eine Reaktion seiner Mannschaft. Diese hat sie gezeigt. Der Liveticker zum Nachlesen.

Dynamo gegen Meppen? Da war doch mal was

Dynamo gegen Meppen? Da war doch mal was

Es ist eine Premiere - in der Liga. Im Pokal musste Dynamo schon mal ins Emsland. Matthias Maucksch erinnert sich und sagt, wieso es auch jetzt ein harter Kampf wird.

Wie Dynamo auf die Corona-Beschlüsse reagiert

Wie Dynamo auf die Corona-Beschlüsse reagiert

Zum Heimspiel gegen Meppen am Samstag dürfen 999 Zuschauer ins Stadion, danach gibt es wieder eine Geisterkulisse. Die fehlende Stimmung ist nur ein Problem.

Dynamo mit großen Personalsorgen

Dynamo mit großen Personalsorgen

Trainer Markus Kauczinski stehen fürs Spiel gegen Meppen nur 18 Profis zur Verfügung, für rechts hinten braucht er eine Notlösung. 999 Zuschauer sind zugelassen.

Paul Will hat jedenfalls noch viel vor mit Dynamo und in Dresden, wo er nach längerer Suche die passende Zwei-Raum-Wohnung gefunden hat. Freundin Emelie macht derzeit eine Ausbildung zur Physiotherapeutin und zieht zu ihm, wenn sie im neuen Jahr die Praktika absolviert.

Mehr zum Thema Dynamo