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Nach der Diagnose: Wie reagiert Dynamo?

Die Verletzung von Chris Löwe ist zwar weniger schlimm als befürchtet, er fällt aber lange aus. Als Ersatz käme auch einer infrage, der aussortiert wurde.

Dynamos Mannschaftsarzt Onays Al-Sadi kümmert sich um Chris Löwe. Ganz schnell geht es für ihn ins Krankenhaus.
Dynamos Mannschaftsarzt Onays Al-Sadi kümmert sich um Chris Löwe. Ganz schnell geht es für ihn ins Krankenhaus. © Foto: dpa/Picture Alliance/Robert Michael

Dresden.  Die vielen guten Wünsche, das Hoffen und Bangen haben geholfen. Am Mittwochmittag veröffentlichte Dynamo die Diagnose, die auf allen Seiten für Erleichterung sorgt: Chris Löwe hat sich bei der 1:2-Niederlage gegen den FSV Zwickau nicht das Kreuzband im linken Knie gerissen. Dafür ist das Außenband durch, außerdem zog er sich eine Knochenprellung zu. "Mehrere Wochen" werde er nun ausfallen, heißt es in der Mitteilung des Vereins. Wäre das Kreuzband betroffen gewesen, hätte es das Saisonaus für den Linksverteidiger bedeuten können. Und womöglich sogar das Karriereende.

"Ich bin jetzt erst einmal erleichtert, dass ich mir nach der ersten Auswertung der MRT-Bilder keine schwerwiegendere Verletzung in meinem Kniegelenk zugezogen habe", erklärte Löwe. "Die betroffenen Bänder heilen wieder und ich hoffe, dass ich noch in diesem Jahr wieder auf dem Platz stehen kann."

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Bereits direkt nach dem Spiel waren das Foul und die Verletzung Löwes das dominierende Thema gewesen. Zwickaus Trainer Joe Enochs leitete seine Analyse mit Genesungswünschen an den 31-Jährigen ein.  "Ich hoffe, dass die Verletzung nicht so schwer ist", sagte er. Unmittelbar nach dem Foul, das direkt vor ihm an der Seitenlinie passierte, hatte er Dynamos Mediziner herbei gewunken. Wirklich helfen konnte Mannschaftsarzt Onays Al-Sadi auf dem Platz jedoch nicht. Er legte eine Bandage ums linke Bein und begleitete Löwe ins Uniklinikum. 

Schiedsrichter Alexander Sather aus Grimma hatte den Zwickauer Julius Reinhardt, der in der zwölften Minute an der Mittellinie in Löwe hineingerauscht war, lediglich verwarnt. Auch darüber wurde im Anschluss diskutiert. Markus Kauczinski ordnete das Einsteigen unter "dunkelgelb" ein. "Ich unterstelle keine Absicht, aber das war schon ein härteres Foul", meinte Dynamos Trainer. Kapitän Sebastian Mai zog einen Vergleich zur Partie am vergangenen Samstag in Lübeck, als Paul Will bei einem verunglückten Fallrückzieher im Gesicht getroffen wurde und sein Gegenspieler vom Platz musste. "Jetzt wird einem von uns das Knie kaputtgetreten und es ist keine Rote Karte", erklärte er und vermisste die Verhältnismäßigkeit bei den Sanktionen. Auch Mai ging wohl von einem Kreuzbandriss aus. 

Zwickaus Reinhardt entschuldigt sich

Dass ausgerechnet Reinhardt für die Auswechslung von Löwe sorgte, ist eine eigene  Geschichte. Beide spielten jahrelang - und auch bereits in der Jugend - für den Chemnitzer FC, kennen sich also bestens. "Nach dem Abpfiff habe ich ihn sofort angeschrieben, mich entschuldigt und gute Besserung gewünscht. Ich kann es leider nicht ungeschehen machen", erklärte Reinhardt bei Tag24 und schilderte die Szene aus seiner Sicht: "Ich komme mit vollem Tempo, spekuliere, dass er zurückzieht, und ziehe dann selbst zurück, treffe aber mit meinem Knie auf seines. So etwas nimmt man nicht billigend in Kauf."  In den Fernsehbildern wirkt es so, als stürzt Reinhardt eher unbeholfen als mit böser Absicht in den Zweikampf und kann nicht schnell genug bremsen. Womöglich verzichtete Sather deshalb auf einen Platzverweis. 

Yannik Stark kümmert sich um den vor Schmerzen schreienden Chris Löwe. Die Verarbeitung der Szene konnte ein Grund gewesen sein für die Passivität in der ersten Halbzeit.
Yannik Stark kümmert sich um den vor Schmerzen schreienden Chris Löwe. Die Verarbeitung der Szene konnte ein Grund gewesen sein für die Passivität in der ersten Halbzeit. © Foto: dpa/Picture Alliance/Robert Michael

Jonathan Meier kam für Löwe und wird ihn wohl auch in den nächsten Wochen ersetzen. Bereits beim Drittliga-Auftakt in Kaiserslautern stand er für den damals gesperrten Routinier in der Startelf. Der 20-Jährige war im Sommer vom FSV Mainz als Stellvertreter für Löwe verpflichtet worden. Meier wünschte sich, in Dresden mehr Einsätze zu bekommen als zuletzt in Mainz. Das dürfte nun klappen - wenn auch unter anderen Vorzeichen als erhofft.  

Dennoch stellt sich die Frage, ob Dynamo auf die Verletzung reagieren wird. Mit dem gerade erst nach einem Muskelfaserriss zurückgekehrten Robin Becker, seinem Backup Max Kulke und Meier haben die Dresdner in den nächsten Wochen nur noch drei einsatzfähige Außenverteidiger, wobei Kulke diese Position eher notgedrungen spielt und sich eigentlich im defensiven Mittelfeld wohlfühlt. 

Ein Führungsspieler muss wochenlang pausieren

Zudem muss mit Löwe nicht irgendein Profi pausieren. "Der Ausfall eines so erfahrenen Spielers tut natürlich trotzdem sehr weh, und wir müssen als Mannschaft nun noch enger zusammenrücken, um die Lücke als Team zu schließen“, wird Kauczinski in der Vereinsmitteilung zitiert. Das klingt eher nicht danach, als würde Dynamo darüber nachdenken, Ersatz zu besorgen. "Wir haben einen Kumpel und Freund verloren, der wichtig für uns ist", hatte Mai am Dienstagabend nach den umkämpften 90 Minuten erklärt und schnell angefügt, dass der Abschied natürlich nur einer auf Zeit sei. Und die fällt sogar deutlich kürzer aus als befürchtet. 

Löwe gilt mit seiner Erfahrung aus der Bundesliga und der englischen Premier League innerhalb des Kaders als Führungsspieler. Auch in dieser Funktion fällt er nun vorerst aus. Kauczinski und Sportdirektor Ralf Becker müssen entscheiden, wie sie darauf reagieren. Da das Transferfenster seit Anfang des Monats geschlossen ist, kommen nur derzeit vereinslose Spieler als schneller Neuzugang infrage.  Mit dem 30-jährigen Matthias Ostrzolek, bis zum Sommer bei Hannover 96 unter Vertrag, ist ein ähnlich erfahrener Linksverteidiger wie Löwe auf dem Markt. 

Die Verantwortlichen könnten auch an eine – im Wortsinn – naheliegende Lösung denken. Der Vertrag von Niklas Kreuzer wurde nach dem Abstieg nicht verlängert, seitdem sucht der 27-Jährige einen neuen Arbeitgeber und hält sich in Dresden fit. Er hat in seiner Dynamo-Zeit rechts wie links verteidigt. Nach SZ-Informationen will der Verein jedoch keinen Ersatz holen, weil Löwe vermutlich im neuen Jahr zumindest ins Training zurückkehren kann. Im Falle eines Kreuzbandrisses hätte man ernsthaft über Alternativen nachgedacht.

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Löwe hatte nach dem Abstieg in die 3. Liga lange überlegt, ob er seine Karriere überhaupt fortsetzen will, sich dann entschieden, beim Neuaufbau mitzumachen und ein Jahr dranzuhängen. Auf den Platz zurückkehren, wird er auf jeden Fall. Das ist die gute Nachricht nach einem für Dynamo in jeder Hinsicht schlechten Abend.

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