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Nach Dynamos Sieg gegen Aue kommt Corona

Vor einem Jahr war das Stadion zuletzt ausverkauft. Was seitdem anders ist, warum es auch Gutes gibt und was die Profis den Freizeitsportlern wünschen.

Am 8. März 2020 feierte Dynamos Mannschaft den 2:1-Sieg im Derby gegen Aue vor dem K-Block. Das Stadion war ausverkauft – zum bislang letzten Mal.
Am 8. März 2020 feierte Dynamos Mannschaft den 2:1-Sieg im Derby gegen Aue vor dem K-Block. Das Stadion war ausverkauft – zum bislang letzten Mal. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Es war diese Wucht der Emotionen, diese Energie, die sich schwer beschreiben lässt. Die Vergleiche sind extrem. Das Stadion sei explodiert, heißt es danach, und was die Lautstärke angeht, trifft das schließlich sogar zu. „Es dröhnen einem die Ohren, das ist einfach geil“, sagte Patrick Schmidt. Der Stürmer hatte beide Tore für Dynamo erzielt gegen Erzgebirge Aue, den Derbysieg also perfekt gemacht, der ein Signal sein sollte für einen sportlichen Aufbruch.

Das ist jetzt ein Jahr her, am 8. März 2020 waren 30.753 Zuschauer live dabei, das Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion ausverkauft – zum bislang letzten Mal. Wenige Tage später folgte der erste Corona-Lockdown, in dem auch der Profi-Fußball für drei Monate ruhte. Was danach passierte, war für Dynamo besonders dramatisch: Quarantäne wegen Corona-Fällen, verspäteter Neustart, dann Spiele im Drei-Tage-Rhythmus, Abstieg in die 3. Liga.

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Das Wort, mit dem Markus Kauczinski diese Ereignisse im Rückblick zusammenfasst, mag nicht druckreif sein, trifft es aber ziemlich gut. „Man merkt, wie immer im Leben: Egal, welcher Scheiß passiert, es geht immer weiter, es gibt immer einen Weg, es gibt immer Lösungen, es steht nie still“, sagt Dynamos Trainer. Man habe die Zeit genutzt, etwas draus zu machen. „Wir haben eine Mannschaft, mit der man sich identifizieren kann, die eine gute Mischung hat zwischen Jung und Alt, die sehr viel Herz zeigt, sehr viel Moral beweist.“

Neustart im DFB-Pokal vor 10.053 Zuschauern

Der Neustart war beeindruckend mit dem sensationellen 4:1-Sieg im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV Mitte September, als wegen niedriger Inzidenzwerte in Dresden sogar 10.053 Zuschauer im Stadion sein durften. So viele waren es danach nur noch einmal beim 1:1 gegen Mannheim, für die Ost-Duelle gegen Magdeburg und Zwickau waren nur noch 999 zugelassen, für die Partie gegen Meppen wurde diese Obergrenze nicht mal mehr ausgereizt und nur noch 820 Karten verkauft.

Am 8. März 2020 stehen die Mannschaften vor dem Anstoß zum Sachsenderby zwischen Dynamo Dresden und dem FC Erzgebirge Aue zum bislang letzten Mal im ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion auf den Rasen.
Am 8. März 2020 stehen die Mannschaften vor dem Anstoß zum Sachsenderby zwischen Dynamo Dresden und dem FC Erzgebirge Aue zum bislang letzten Mal im ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion auf den Rasen. ©  dpa/Robert Michael

Seitdem: Geisterspiele. Was bisher als Strafe für Fan-Ausschreitungen galt, ist inzwischen Alltag. „Auf den Fußball bezogen: Die Fans fehlen natürlich, aber wir meistern es trotzdem gut“, sagt Dynamos Mittelfeldspieler Julius Kade zum Leben in und mit der Pandemie. „Wir wissen, dass es die Fans trotzdem gibt. Sie haben schon einige richtig coole Aktionen gemacht nach den Siegen, als wir wieder nach Dresden gekommen sind“, meint der 21-Jährige. Nach den Erfolgen in Rostock und Magdeburg hatte die aktive Fanszene der Mannschaft einen leuchtenden Empfang mit bengalischen Fackeln bereitet: Beim ersten Mal an der Trainingsakademie, dann sogar kilometerlang verteilt entlang der B 170.

Die Verbindung soll nicht abreißen in diesen Zeiten, in denen man besser auf Abstand geht. Das Stadion-Erlebnis aber können solche Zeichen nicht ersetzen – weder für die Anhänger noch fürs Team. Kauczinski hat sich das Spiel gegen Aue auch wegen der Atmosphäre immer mal wieder angeschaut. „Natürlich vermissen wir unsere Fans extrem, was bei den Erinnerungen an dieses emotionale Spiel noch mal mehr hochkommt“, sagt der 51-Jährige.

Andererseits ist es für ihn und die Profis ein Privileg, Fußball spielen zu dürfen. Millionen Kinder, Jugendliche und Amateursportler dürfen das nicht. „Natürlich spielt der Profi-Fußball weiter“, sagt Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker zu der Diskrepanz. Es gehe nicht nur um die Spieler, Trainer oder Geschäftsführer. „Wir sind ein Unternehmen, der Apparat wird am Leben gehalten. Es ist für uns alle eine schwierige Situation, wir sind einfach froh, dass wir die Möglichkeit bekommen, unseren Arbeitsbetrieb aufrechtzuerhalten.“

Großer Aufwand für die Corona-Tests

Dafür werde ein großer Aufwand betrieben, argumentiert auch Kauczinski, der im Breiten-, Freizeit- und Jugendsport so nicht zu leisten sei. „Das würde den Rahmen sprengen.“ Bei Dynamo werden rund 45 Personen zweimal pro Woche auf das Coronavirus getestet, inklusive der Auswertung kostet jede Reihe den Verein zwischen 2.500 und 2.700 Euro.

Es ist der Anspruch des Hygienekonzeptes für den Profi-Fußball, das für die anderen Sportarten beispielgebend geworden ist: Wenn der Wettkampf beginnt, sollen mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit nur gesunde Sportler aufeinandertreffen. Umarmungen und Jubeltrauben nach Toren und Siegen scheinen nicht in diese Zeit zu passen, sind aber zumindest unter dem medizinischen Aspekt vertretbar, auch wenn sie moralisch streitbar bleiben.

Trainer Kauczinski in Quarantäne

Dynamo hatte das Virus im Januar noch mal erreicht, als Kauczinski und ein namentlich nicht genannter Spieler positiv getestet wurden. Das Gesundheitsamt schickte beide für zehn Tage in Quarantäne, die Mannschaft durfte sechs Tage lang nur in kleinen Gruppen trainieren und erst nach zwei komplett negativen Testreihen wieder gemeinsam auf den Platz.

Bei Dynamo wünschen sie sich auch für alle Hobby-Kicker, dass sie bald wieder loslegen können. „Uns sind leider die Hände gebunden, wir können nicht helfen oder eingreifen, auch wenn das schön wäre“, sagt Kauczinski – und Kade hofft, „dass es nicht dazu kommt, dass wir dadurch den Jugendfußball komplett verlieren“. Er hat einst bei den Sportfreunden Kladow in Berlin angefangen und kann nachempfinden, wie sich der Nachwuchs im Lockdown fühlt. „Man wollte sich bewegen und nicht zu Hause sitzen und gar nichts machen.“

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Die wichtigste Erkenntnis nach einem Jahr Pandemie ist für Kauczinski trotzdem, dass – und nun sagt er das Wort noch mal – „in jedem Scheiß etwas Gutes steckt“. Dynamo hat sich neu aufgestellt und ausgerichtet, ist auf dem Weg, der direkt zurück in die zweite Liga führt. Dann gäbe es wieder ein Derby gegen Aue – mit der Hoffnung auf ein „explodierendes“ Stadion.

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