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So lang ist Dynamos Corona-Chronik jetzt schon

Mit dem nächsten Negativ-Test dürften die Dresdner ab Mittwoch wieder als Mannschaft trainieren. So war der Verein bisher von der Pandemie betroffen.

Die Hygienemaßnahmen gelten im Alltag und auch innerhalb der Mannschaft bei Dynamo weiter – auch wenn derzeit keine Zuschauer ins Stadion dürfen.
Die Hygienemaßnahmen gelten im Alltag und auch innerhalb der Mannschaft bei Dynamo weiter – auch wenn derzeit keine Zuschauer ins Stadion dürfen. © Foto: Jürgen Lösel

Dresden. Es ist Mittwoch, der 11. März 2020, 16.15 Uhr. Die Stimmung beim Training der Dynamo-Profis im Großen Garten ist gelöst, mit dem 2:1-Sieg im Sachsenderby gegen Erzgebirge Aue hatte die Mannschaft ein emotionales Zeichen gesetzt im Kampf um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga – vor 30.753 Zuschauern im ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion. Eine Delegation erscheint, ein Mann sticht durch seine grüne Jacke optisch hervor. Es ist Michael Kretschmer, Sachsens Ministerpräsident.

Der CDU-Politiker wollte eigentlich nur gratulieren und viel Glück wünschen, eine freundschaftliche Geste. Doch wenige Stunden zuvor waren Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern verboten, für den Fußball Geisterspiele verfügt worden. Es sei keine einfache Sache gewesen. „Das wird es den jungen Leuten, die spielen, nicht leichter machen. Aber es geht nicht anders, und das wollte ich ihnen auch noch mal persönlich sagen“, erklärt Kretschmer.

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11. März 2020: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erscheint gemeinsam mit Dynamos Ex-Präsident Wolf-Rüdiger Ziegenbalg (r.) überraschend beim Dynamo-Training. Der CDU-Politiker erklärt der Mannschaft auch den Beschluss für Geisterspiele.
11. März 2020: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erscheint gemeinsam mit Dynamos Ex-Präsident Wolf-Rüdiger Ziegenbalg (r.) überraschend beim Dynamo-Training. Der CDU-Politiker erklärt der Mannschaft auch den Beschluss für Geisterspiele. © Sven Geisler

Seitdem ist viel passiert, war Dynamo von Corona mehrmals betroffen, zuletzt in der vorigen Woche durch die Infektionen von Ransford-Yeboah Königsdörffer und Pascal Sohm. Die Chronologie.

12. März 2020: Hannover 96, Dynamos Gegner drei Tage später, muss nach dem zweiten Corona-Fall in der Mannschaft in Quarantäne. Dynamo teilt am Abend mit: Wir werden nicht nach Hannover reisen und „im Hinblick auf die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keinesfalls irgendein Risiko eingehen“, erklärt der damalige Sportgeschäftsführer Ralf Minge. Am nächsten Tag, 12 Uhr, wird die Zweitliga-Partie als erstes Spiel im Profi-Fußball abgesagt, am Nachmittag die Saison gestoppt.

8. April 2020: Das Training darf wieder aufgenommen werden, allerdings maximal drei Spieler zusammen und mit einem Mindestabstand von anderthalb Metern.
p 3. Mai 2020: Die ersten Corona-Tests vor dem geplanten Mannschaftstraining ergeben einen positiven Fall, nur der namentlich nicht genannte Spieler geht in Quarantäne. Die nächste Testreihe zwei Tage später ist unauffällig. Am 6. Mai erteilt die Politik die Freigabe, die Saison fortzusetzen.

9. Mai 2020: Nach zwei Tagen im Mannschaftstraining werden bei der dritten Untersuchung zwei Spieler positiv auf Covid-19 getestet. Stürmer Simon Makienok macht seine Erkrankung später öffentlich, seine bittere Erkenntnis: „Keine Symptome, keine Indizien, nichts. Ich habe alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, die ich konnte. Und trotzdem ist es passiert“, schrieb der Däne bei Instagram. Spieler, Trainer und Betreuer müssen für 14 Tage in Quarantäne. Dynamo verpasst dadurch den Re-Start am 17. Mai, bestreitet danach acht Partien in 22 Tagen und hat erst vor dem letzten Spieltag eine Woche frei. Allerdings steht der Abstieg schon vorher fest. Das 2:2 gegen Osnabrück am 28. Juni ist nur noch von statistischem Wert.

Mit Mund-Nasen-Schutz, der bei manchem allerdings nicht korrekt sitzt, und in "Infektionsgemeinschaften" durften mehr als 10.000 Dynamo-Fans den überraschenden Sieg der Schwarz-Gelben gegen den Hamburger SV in der ersten DFB-Pokalrunde live im Rudolf-Harb
Mit Mund-Nasen-Schutz, der bei manchem allerdings nicht korrekt sitzt, und in "Infektionsgemeinschaften" durften mehr als 10.000 Dynamo-Fans den überraschenden Sieg der Schwarz-Gelben gegen den Hamburger SV in der ersten DFB-Pokalrunde live im Rudolf-Harb ©  dpa/Robert Michael

14. September 2020: Der Neustart gelingt im doppelten Sinne: In der ersten Runde des DFB-Pokals bezwingt Dynamos neu zusammengestellte Mannschaft den Favoriten Hamburger SV mit 4:1. Und mit einem Hygienekonzept sind 10.053 Fans – mit Mund-Nasen-Schutz – im Stadion dabei. Das Gesundheitsamt registriert danach keinen Corona-Fall aus Dresden und der Region, der im Zusammenhang mit dem Spiel steht. Das Heimspiel gegen Mannheim findet zwei Wochen später vor 10.035 Zuschauern statt, danach wird die Besucherzahl zunächst auf 999 begrenzt, seit November gibt es wieder nur Geisterspiele.

3. November 2020: Erneut zwei Corona-Fälle bei Dynamo, das Mannschaftstraining wird zunächst abgesagt, später vom Gesundheitsamt aber erlaubt. Beim SV Meppen, gegen den die Schwarz-Gelben zuvor gespielt und mit 3:0 gewonnen hatten, gab es parallel gleich sieben positive Fälle. Obwohl der nächste Test bei der SGD ein weiteres positives Ergebnis „im Umfeld der Drittliga-Mannschaft“ bringt, darf Dynamo am 7. November in Saarbrücken spielen – und verliert mit 1:2.

Zwei weitere Absagen gibt es an diesem Tag: Die Mitgliederversammlung findet nicht am 14. November statt – sie wird nun am 12. Juni 2021 zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte als digitale Variante nachgeholt. Das Sachsenpokal-Achtelfinale gegen den Oberligisten International Leipzig fällt dagegen aus, die Runde wurde komplett gestrichen, weil seit November die Amateurvereine nicht trainieren dürfen. Im Viertelfinale soll Dynamo beim Regionalliga-Absteiger in Bischofswerda antreten, Termin offen.

Trotz Maske und Vorsichtsmaßnahmen: Auch Dynamos Cheftrainer hatte sich im Januar mit dem Coronavirus infiziert.
Trotz Maske und Vorsichtsmaßnahmen: Auch Dynamos Cheftrainer hatte sich im Januar mit dem Coronavirus infiziert. © dpa/Robert Michael

13. Januar 2021: Trainer Markus Kauczinski und eine namentlich nicht genannte Person sind infiziert, das Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden wird abgesagt. Das komplette Team muss zunächst für fünf Tage in häusliche Isolation, weil es zuvor unter anderem bei der Fahrt nach München zur Partie gegen Türkgücü Kontakte gegeben hatte. Danach kann in Kleingruppen trainiert werden. Kauczinski hat nach eigener Aussage während der zehntägigen Quarantäne keine Symptome, klagt aber unmittelbar danach über Unwohlsein und Schwindelgefühle. Der 51-Jährige wird daraufhin in die Uniklinik eingewiesen, umfassend untersucht und nach zweieinhalb Tagen entlassen. Ein Zusammenhang mit seiner Covid-Infektion sei dabei nicht festgestellt worden, berichtet er. „Mir geht es gut und ich bin bereit, meine Arbeit als Cheftrainer bei Dynamo fortzusetzen.“

14. April 2021: Dynamo meldet einen neuen Corona-Fall und nennt mit Königsdörffer erstmals den Namen des betroffenen Spielers. Der 19-Jährige hat anfangs laut Kauczinski leichte Symptome wie Halsschmerzen und fühlt sich schlapp. Es geht ihm aber inzwischen besser.

15. April 2021: Nachdem Sohm zwar beschwerdefrei, aber infiziert ist, muss die Mannschaft über das Wochenende in häusliche Isolation. Die Spiele gegen Duisburg am Samstag und gegen Uerdingen in Lotte an diesem Dienstag werden abgesagt. Lediglich die Spieler, die ein Reha-Programm absolvieren und keinen Kontakt zur Mannschaft haben, dürfen weitermachen.

19. April 2021: Nach einer negativen Schnelltest-Reihe dürfen die Profis individuell trainieren.

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Das Dresdner Gesundheitsamt erlaubt gemeinsame Übungseinheiten ab Freitag. Damit kann die Partie am Samstag gegen den Halleschen FC ausgetragen werden.

20. April 2021, 13.50 Uhr: Dynamo meldet auf der Internetseite, sowohl die Schnelltests vom Dienstag als auch die PCR-Tests vom Montag waren bei allen negativ. Sollte das für die zweite Reihe auch der Fall sein und das Gesundheitsamt zustimmen, könnte die Mannschaft bereits am Mittwoch in Vorbereitung auf das Heimspiel gegen den Halleschen FC am Samstag zusammen trainieren. Ministerpräsident Kretschmer kommt diesmal aber sicher nicht.

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