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Wie Dynamo auf die Corona-Beschlüsse reagiert

Zum Heimspiel gegen Meppen am Samstag dürfen 999 Zuschauer ins Stadion, danach gibt es wieder eine Geisterkulisse. Die fehlende Stimmung ist nur ein Problem.

Das Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion bleibt wieder leer - aber erst und zunächst nur im November. Am Samstag zu Dynamos Heimspiel gegen Meppen dürfen noch mal 999 Zuschauer rein.
Das Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion bleibt wieder leer - aber erst und zunächst nur im November. Am Samstag zu Dynamos Heimspiel gegen Meppen dürfen noch mal 999 Zuschauer rein. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Es hat sehr gut funktioniert, selbst mit einigen Tausend Fans. So bestätigte das Dresdner Gesundheitsamt nach Dynamos Pokalspiel gegen den Hamburger SV mit offiziell 10.053 Zuschauern, es habe anschließend keinen Corona-Fall gegeben, der direkt oder indirekt auf den Besuch im Rudolf-Harbig-Stadion zurückzuführen sei. Auch nach den Heimspielen danach sei kein Fan positiv getestet worden, erklärt jetzt Dynamos Pressesprecher Henry Buschmann.

"Wir haben ein tolles Hygienekonzept entwickelt und glauben, dass die Infrastruktur im Stadion ideal dafür geeignet ist, um so etwas wie Labor-Bedingungen zu schaffen, damit sich Menschen nicht anstecken", sagt der 37-Jährige, der an diesem Donnerstagmittag eigentlich nicht im Mittelpunkt stehen sollte. Schließlich sitzt zur virtuellen Pressekonferenz vor der Partie gegen den SV Meppen am Samstag, 14 Uhr, außer Trainer Markus Kauczinski auch Ransford-Yeboah Königsdörffer auf dem Podium. Der 19 Jahre junge Stürmer hatte zuvor seinen Vertrag bei der SGD vorzeitig bis 30. Juni 2023 verlängert.

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Doch diese gute Nachricht rückt angesichts der dramatischen Entwicklung der Pandemie genauso in den Hintergrund wie Dynamos sportlich angespannte Situation nach zuletzt zwei Niederlagen, die durch große personelle Sorgen eher verschärft wird. Die entsprechenden Fragen haben die Journalisten vorher schriftlich eingereicht, und Buschmann übermittelt sie. Aber die Antworten werden von dem einen Thema überlagert: Was bedeuten die Maßnahmen für den Verein, wie reagiert er auf den erneuten Ausschluss von Zuschauern?

Geisterspiel kostet den Verein rund 300.000 Euro

Dabei kann die Partie an diesem Samstag, dem 31. Oktober, laut Buschmann wie zu Wochenbeginn bekanntgegeben vor 999 Fans ausgetragen werden, weil die von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch beschlossenen Maßnahmen erst für November gelten sollen. "Wir sind im Austausch mit den Behörden und haben bisher sehr gute Erfahrungen mit unserem Konzept gemacht: großer Abstand, Mund- und Nasenschutz, Hygieneregeln - das werden wir nicht müde zu betonen", erklärt der Sprecher. Dennoch muss  er letztlich feststellen: "Danach ist für einen Monat Pause."

Dynamos Pressesprecher Henry Buschmann (l.) und Cheftrainer Marcus Kauczinski - hier bei einer früheren Pressekonferenz - erklärten am Donnerstag, wie der Verein auf die neuen Corona-Beschlüsse reagiert.
Dynamos Pressesprecher Henry Buschmann (l.) und Cheftrainer Marcus Kauczinski - hier bei einer früheren Pressekonferenz - erklärten am Donnerstag, wie der Verein auf die neuen Corona-Beschlüsse reagiert. ©  Foto: Rene Meinig

Für Dynamo stehen damit im November mindestens zwei Geisterspiele zu Hause an: gegen 1860 München (15.11.) und Unterhaching (25.11.). Auch auswärts werden sie in Saarbrücken (7.11.), Rostock (21.11.) und Duisburg (25.11.) vor leeren Rängen spielen. "Wir müssen es respektieren. Es ist jedoch auch klar, dass wir uns darüber nicht gefreut haben",  meint Buschmann. Die finanziellen Verluste für den Klub hatte Interimsgeschäftsführer Enrico Kabus auf 300.000 Euro pro Spiel beziffert, hochgerechnet auf die Saison wären das sechs Millionen. Dynamo steht wirtschaftlich zwar sehr gut da, hat mehr als zehn Millionen Euro auf der hohen Kante. „Spielen wir weiterhin durchgehend vor 999 Zuschauern oder weniger, reicht das gesparte Geld noch rund anderthalb Jahre“, hatte Kabus jedoch schon einmal durchgerechnet.

Es entstehe "ein immenser Schaden", betont Buschmann. Von den Beschlüssen betroffen sind nicht nur die Spiele in der 3. Liga, wobei der Trainer dankbar ist, dass die - anders als im Frühjahr - fortgesetzt werden können. Allerdings stellt Kauczinski bereits fest, welchen Einfluss die eingeschränkte und nun wieder fehlende Kulisse auf den Charakter des Spiels hat. "Ich glaube, dass sich das Spiel dahingehend verändert, dass das letzte Tempo, die letzte Intensität möglicherweise nicht immer da ist. Es fehlt der Druck, den 30.000 Leute entfachen", sagt der 50-Jährige.

Dennoch akzeptiert er die Verfügungen. "Wir sind ein Teil der Gesellschaft, müssen uns dementsprechend einordnen. Die Entscheidungen sind den Fachleuten zu überlassen", betont Kauczinski. "Darauf haben wir keinen Einfluss, sondern müssen es akzeptieren und hoffen, dass es schnellstmöglich vorbei ist sowohl aus stimmungstechnischen als auch finanziellen Gründen. Es geht irgendwann um die Existenz."

Mitgliederversammlung soll stattfinden - aber anders

Der Verein hat seine Vorsichtsmaßnahmen wegen der Corona-Krise bereits vor zwei Woche verschärft und jetzt erneut angepasst. "Das Gebot der Stunde ist es, Abstand zu halten und Kontakte zu minimieren", sagt Buschmann. So dürfen sich Profis und Nachwuchsspieler in der Trainingsakademie schon länger nicht mehr begegnen, obwohl genau das mal ein Anliegen des Neubaus war - und es unbedingt wieder sein soll. Ob die Jugendteams am Wochenende wie geplant spielen, war bis zum Donnerstagabend offen.

Im vorigen Jahr wählte Dynamo bei der Hauptversammlung einen neuen Aufsichtsrat. Im Kongresszentrum stimmten knapp 1.000 Mitglieder ab.
Im vorigen Jahr wählte Dynamo bei der Hauptversammlung einen neuen Aufsichtsrat. Im Kongresszentrum stimmten knapp 1.000 Mitglieder ab. © Foto: Jürgen Lösel

"Wir versuchen, das Ansteckungsrisiko für jeden Einzelnen auf ein Minimum zu reduzieren", erklärt der Pressesprecher, "aber logischerweise ist jeder von uns Teil dieser Gesellschaft, geht einkaufen, hat Kinder und nahe Verwandte. Es auf auf Null zu verringern, ist nahezu unmöglich." Beim jüngsten Corona-Test am Mittwoch waren alle Ergebnisse negativ, der nächste erfolgt am Freitag.

Vor der Partie im Achtelfinale des Sachsenpokals gegen den Oberligisten FC International Leipzig, die am Mittwoch, dem 18. November, ausgetragen werden soll, müsse auch der Gegner mindestens zweimal getestet werden. Man sei mit dem Sächsischen Fußball-Verband im Austausch und werde eine Lösung finden. Es war bereits geplant, ohne Zuschauer im Hafenstadion von Torgau zu spielen.

Dagegen wollte Dynamo die Mitgliederversammlung am 14. November eigentlich im Kongresszentrum durchführen, unter normalen Umständen mit etwa 1.000 Teilnehmern, auch Trainer und Mannschaft kämen zu Besuch. Die SGD hat derzeit mehr als 23.000 Mitglieder. Man habe zuletzt an einer Hybrid-Lösung gearbeitet, also einem Mix aus Anwesenheit und digitaler Beteiligung, sagt Buschmann. Trotz der nun wieder neuen Lage sei es das klare Ziel des Vereins, die Veranstaltung nicht zu verschieben, sondern stattfinden zu lassen - allerdings wohl komplett online.

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"Das bringt einige Herausforderungen mit sich wie die Wahlen", sagt Buschmann. Außer dem Präsidium werden der Ehren- und Jugendrat neu besetzt, insgesamt 13 Plätze sind zu vergeben. Ein Problem: Die Briefwahl wurde von den damals anwesenden Mitgliedern vor sechs Jahren per Mehrheitsbeschluss abgeschafft.  Es gebe konkrete Ideen, das zu lösen, betont der Pressesprecher - und erklärt, warum ein Aufschub aus Sicht des Vereins keinen Sinn macht: "Das Virus und die Pandemie werden uns noch Monate oder sogar Jahre beschäftigen, niemand weiß derzeit, ob im Frühjahr eine  Veranstaltung mit Präsenz der Mitglieder möglich sein wird oder nicht." Es stünden jedoch Entscheidungen an, die für die Zukunft des Vereins wichtig sind.

Die Frage, wie Dynamo die Corona-Krise wirtschaftlich meistert, wird auch dabei im Mittelpunkt der Diskussionen stehen.

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