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Dynamos Chance und Risiko mit Fans im Stadion

Beim Pokalspiel gegen den Hamburger SV am Montag dürfen etwa 10.000 Zuschauer dabei sein. Der Verein appelliert an Vernunft und Solidarität.

So eng werden die Dynamo-Fans am Montag nicht im K-Block stehen, aber beim Pokalspiel gegen den Hamburger SV dürfen Zuschauer zum ersten Mal seit dem 8. März wieder ins Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion.
So eng werden die Dynamo-Fans am Montag nicht im K-Block stehen, aber beim Pokalspiel gegen den Hamburger SV dürfen Zuschauer zum ersten Mal seit dem 8. März wieder ins Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion. ©  Foto: dpa/Robert Michael

Dresden. Die Frist ist kurz. Nur eine Woche können sich Interessenten auf die Stelle des neuen kaufmännischen Geschäftsführers bei Dynamo Dresden bewerben. Bereits am nächsten Samstag ist Annahmeschluss. Gesucht wird „eine kommunikations- und führungsstarke, interdisziplinär versierte Persönlichkeit“. So steht es unter Punkt eins von sieben im Anforderungsprofil, das der Verein auf seiner Internetseite veröffentlicht hat.

Nach der Trennung von Michael Born, der das Amt seit Mai 2016 ausgeübt und noch einen Vertrag bis Juni 2021 hatte, soll möglichst schnell zur Tagesordnung übergegangen werden. Das fällt umso leichter, als sowieso gerade ein anderes Thema alles überlagert: das Spiel in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den Hamburger SV am Montagabend. Darauf können sich auch Markus Kauczinski und Ralf Becker berufen. Trainer und Sportgeschäftsführer sind quasi die ersten Verantwortlichen, die bei der Pressekonferenz am Freitag vor die Medien treten nach der Entscheidung, die sie nicht getroffen haben und die sie nur bedingt tangiert.

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„Wir haben am Montag ein Spiel. Das vorzubereiten, dafür sind wir da“, sagt Becker, der immerhin „grundsätzlich“ erklärt: „Ich hatte in den zwei Monaten, in denen wir zusammengearbeitet haben, einen guten Austausch mit Michael.“ Kauczinski will es vielleicht kurz ansprechen, Einfluss werde diese Personalie aber auf die Mannschaft nicht haben. „Es gab Schnittmengen zu mir und dem Trainerteam, aber wir sind im Fokus aufs Spiel.“

Gut gelaunt war auch Michael Born (l.) bei der Vorstellung von Ralf Becker als neuen Sportgeschäftsführer. Die Zusammenarbeit dauerte jedoch nur kurz.
Gut gelaunt war auch Michael Born (l.) bei der Vorstellung von Ralf Becker als neuen Sportgeschäftsführer. Die Zusammenarbeit dauerte jedoch nur kurz. ©  Foto: dpa/Robert Michael

Es wird das erste während der Corona-Pandemie, zu dem wieder Zuschauer ins Rudolf-Harbig-Stadion dürfen. Bis Freitagmittag hatten sich Vereinsmitglieder und/oder Jahreskarteninhaber der Vorsaison 8.000 Tickets gesichert, damit etwa 10.000 Plätze belegt. Wahrscheinlich gehen am Montag sogar noch Karten in den freien Verkauf. Fanclubs konnten sich um Stehplätze im K-Block bewerben. Wie viele Fans letztlich live dabei sein können, hängt davon ab, wie groß die Gruppen sind, die eine sogenannte Infektionsgemeinschaft bilden.

Mund-Nasen-Schutz jederzeit richtig tragen

Bis zu zehn Personen sind zugelassen, erst dann müsste zum nächsten Besucher ein Platz frei bleiben. Der Abstand beträgt dann genau einen Meter, was an die Bedingung geknüpft ist, dass jeder jederzeit – ausgenommen beim Essen und Trinken – den Mund-Nasen-Schutz richtig trägt. Dynamo hat sich für dieses Hygienekonzept entschieden, um möglichst vielen Anhängern wieder das Stadionerlebnis zu ermöglichen.

Wie riskant dieser Plan ist, zeigt sich auch darin, dass Vereinssprecher Henry Buschmann zu Beginn der Pressekonferenz nicht wie üblich die personelle Situation abfragt: Justin Löwe (Schulter-OP) und Kevin Ehlers (Sprunggelenk) fallen aus, zudem hat sich Marco Hartmann krank gemeldet, sein Einsatz ist fraglich. Buschmann erläutert vielmehr detailliert die Hygieneregeln, an die sich jeder zu halten habe, bis dahin, sich vor und nach dem Toilettengang die Hände zu desinfizieren. „Wir sind auf die Solidarität und Unterstützung jedes Zuschauers angewiesen“, sagt der 37-Jährige. Es sei ein Schritt zurück in die Normalität unter besonderen Umständen.

Es sind tatsächlich Hinweise, die nach einem halben Jahr Corona-Pandemie trivial klingen: Abstand halten, den zugewiesenen Platz einnehmen oder gleich zu Hause zu bleiben, wenn man sich krank fühlt, damit man andere nicht ansteckt. „Wir appellieren an alle, das zu tun, wenn wir es behalten und weiter ausbauen wollen.“ Es ist absehbar, dass bei den DFB-Pokalspielen am Wochenende nirgendwo so viele Fans ins Stadion dürfen wie in Dresden. In Rostock sind 7.500 für die Partie gegen den VfB Stuttgart zugelassen, der Chemnitzer FC darf den Bundesligisten Hoffenheim vor 4.600 Fans empfangen.

Ministerpräsident verteidigt Sachsens Sonderweg

Sachsen geht einen Sonderweg, hat auch für RB Leipzig in der Bundesliga bereits 8.500 sowie für Erzgebirge Aue in der zweiten Liga 4.411 Besucher genehmigt. „Es ist wichtig, dass wir alle gemeinsam weiter umsichtig handeln, zugleich aber Dinge möglich machen. Das betrifft auch den Sport und größere Sportveranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauern“, erklärt Ministerpräsident Michael Kretschmer. Möglich wurde das durch die vergleichsweise geringen Infektionszahlen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei 4,3 – und damit klar unter 35, was erste verschärfte Maßnahmen nach sich ziehen würde. Nur deshalb durfte Dynamo am Dienstag mit dem Ticketverkauf beginnen. Allerdings steigen die Zahlen auch in Dresden uns Sachsen – Vorsicht ist geboten.

Das betont auch Kauczinski, indem er auf positive Fälle bei anderen Vereinen verweist. Man sei deshalb „gut beraten, wachsam zu sein und auch die Spieler zu sensibilisieren“. Die Corona-Tests gehören inzwischen zum Standard. „Das wird zur Gewohnheit: Man setzt sich hin, macht den Mund auf und geht wieder raus“, erzählt der Chefcoach. Die Abstriche vom Mittwoch waren alle negativ, am Samstag folgen die nächsten.

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Das Projekt, etwa ein Drittel der Plätze im Stadion zu besetzen, erscheint gewagt. Dynamo steht deshalb unter besonderer Beobachtung – und ist sich dessen bewusst. „Es ist für alle interessant zu sehen: Wie funktionieren Veranstaltungen wieder, zu denen um die 10.000 Leute kommen“, sagt Becker. „Wir haben die große Verantwortung und die Pflicht, alle darauf hinzuweisen, dass die Zuschauer sehr konsequent und konzentriert agieren müssen, sich jeder an die Regeln hält und akzeptiert, wenn es etwas anders ist, als man es vorher gewöhnt war“, wiederholt der Sportchef den Appell an die Vernunft. „Wir finden es wichtig, dass die Politik so mutig ist und den Vereinen, wenn es die Corona-Lage zulässt, auch die Möglichkeit gibt, wieder vor Zuschauern zu spielen.“

Wenn es nicht funktioniert, würde das Konzept fürs erste Heimspiel in der 3. Liga am 27. September gegen Waldhof Mannheim durchs Gesundheitsamt kassiert. Es ist Chance und Risiko zugleich.

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