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So hart traf es Dynamo beim Start ins Jahr

Corona, Verletzungen, Sperren, Spielabsagen: Was bei den Dresdnern im Januar alles schiefgelaufen ist und welche Folgen das hat.

Dynamos Chefcoach Markus Kauczinski musste mit seiner Mannschaft in diesem Jahr schon einige Nackenschläge verkraften – und denkt trotzdem positiv.
Dynamos Chefcoach Markus Kauczinski musste mit seiner Mannschaft in diesem Jahr schon einige Nackenschläge verkraften – und denkt trotzdem positiv. © Lutz Hentschel

Dresden. Langweilig wird es bei Dynamo sowieso nicht, aber derzeit läuft mal wieder kaum etwas, wie es sollte. Die Dresdner haben vier turbulente Wochen hinter sich – mit einigen Rückschlägen. Von den drei Spielen, die sie im Januar bestreiten konnten, haben sie zwei jeweils mit 0:1 verloren: unglücklich bei Türkgücü München, verdientermaßen in Mannheim. Das Polster des Nach-wie-vor-Tabellenführers ist von neun Punkten zu Nichtaufstiegsplatz vier auf inzwischen drei geschmolzen.

Das ist weniger bedenklich als die Umstände, mit denen das Team in diesem Jahr zu kämpfen hatte. Die kurzfristige Absage des Heimspiels gegen Bayern München II am vorigen Freitag war der bislang letzte außergewöhnliche Vorfall. Es ist bereits die zweite Partie, die nachgeholt werden muss, was zwei weitere englische Wochen bedeutet. Die Partie gegen den SV Wehen Wiesbaden wird zum neuen Termin am Mittwoch, dem 10. Februar, nachgeholt. Ursprünglich war sie für den 16. Januar angesetzt, aber Dynamo da gerade in häuslicher Isolation.

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Corona hatte den Verein wieder eingeholt, Trainer Markus Kauczinski und ein namentlich nicht genannter Spieler waren positiv auf das Virus getestet worden. Sie mussten 14 Tage lang zu Hause bleiben, die anderen durften sechs Tage nur in Kleingruppen und ohne Kontakt trainieren. „Es war die Gelegenheit, noch mal an Grundlagen zu arbeiten, an Ausdauer und Intensität“, erklärte Kauczinski – und er konnte von Glück reden, „dass wir nicht dazu verdammt waren, nichts zu machen“. Wie im Mai 2020, als das komplette Team für zwei Wochen in Quarantäne musste und im Kampf um den Klassenerhalt in Liga zwei entscheidend zurückgeworfen wurde.

Von Verletzungen langsam die Schnauze voll

Hiobsbotschaften gibt es jedoch auch jetzt mehr als genug: Spielmacher Patrick Weihrauch muss am Sprunggelenk operiert werden, Robin Becker reißt sich das Kreuzband. Zwei Stammspieler fallen für den Rest der Saison aus, Chris Löwe und Marco Hartmann sind nach langwierigen Knieverletzungen gerade erst dabei, den Anschluss zu schaffen. „Es ist brutal, wie es uns trifft in den vergangenen Wochen und Monaten“, meinte Abwehrspieler Tim Knipping zu den permanenten Personalsorgen. Und Kauczinski gibt zu: "Wir haben langsam die Schnauze voll von diesen schweren Verletzungen und langen Ausfallzeiten."

Dann fehlte auch noch Knipping, weil er beim 4:3-Sieg gegen Kaiserslautern die fünfte Gelbe Karte gesehen hatte. Und das nicht allein, Yannick Stark hat sich im selben Spiel die Sperre abgeholt. „Irgendwann kommt es ja sowieso“, kommentierte der Trainer den Ausfall der zwei erfahrenen Profis für das folgende Spiel in Mannheim. „Es passt nie, ist nie der richtige Zeitpunkt“, erklärte Kauczinski – und gab sich wie immer optimistisch: „Es ist immer irgendwas, aber es geht immer weiter.“

Schiedsrichter Lukas Benen zeigt Dynamo-Kapitän Sebastian Mai (l.) die Rote Karte - beim 0:1 in Mannheim fliegt auch noch Kevin Ehlers vom Platz.
Schiedsrichter Lukas Benen zeigt Dynamo-Kapitän Sebastian Mai (l.) die Rote Karte - beim 0:1 in Mannheim fliegt auch noch Kevin Ehlers vom Platz. © dpa

Was auch für die Nackenschläge gilt. Der nächste trifft den 50-Jährigen persönlich. Am Morgen vor der Reise zum Spiel in Mannheim fühlt er sich plötzlich unwohl, klagt über Übelkeit und Kopfschmerzen. Mannschaftsarzt Onays Al-Sadi weist ihn in die Uniklinik Dresden ein, Kauczinski wird zweieinhalb Tage stationär „auf links“ gedreht, wie er später sagte. Die Ursache für seine unspezifischen Beschwerden bleibt diffus und damit auch, ob sie mit seiner Covid-19-Infektion zusammenhängen.

Inwiefern und ob überhaupt die enttäuschende Leistung in Mannheim damit zu erklären ist, dass der Chefcoach nicht dabei sein konnte, lässt sich kaum bewerten. Assistent Heiko Scholz, der ihn vertreten hat, meinte zumindest, es mache etwas mit der Mannschaft, „zumal Markus bei den Spielern, glaube ich, sehr beliebt ist“. Durchaus denkbar also, dass es sie belastete. Und als wäre die Rote Karte für Kapitän Sebastian Mai nicht bitter genug, fliegt auch Kevin Ehlers vom Platz.

Spiel ausgefallen - die Sperren bleiben

Das Schlimmste in der Situation ist die doppelte Bestrafung, denn für sein Handspiel zur Torverhinderung gibt es den Elfmeter, den Mannheim zum Siegtor in der Nachspielzeit nutzt. Damit wird „unser Abwehrverbund mal wieder durcheinandergewirbelt“, sagte Kauczinski. Immerhin hat er neue Alternativen erhalten mit den Winter-Zugängen Leroy Kwadwo und Niklas Kreuzer für die Defensive und Heinz Mörschel für die Offensive. Wenn die Absage vom Freitag etwas Positives hat, dann, dass sich die mögliche neue Formation fürs Ost-Duell in Magdeburg am Samstag in dieser Trainingswoche besser einspielen kann. Die Sperren aber bleiben – Ehlers muss einmal zuschauen, Mai gleich dreimal.

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Die Einstellung des Trainers: „Wenn noch etwas kommt: Einfach drauf, wir können das ab!“ So hat er im Mai 2020 auf die erschwerten Bedingungen wegen der Corona-Zwangspause reagiert. Damals hat diese Trotzreaktion zwar nicht den erhofften Erfolg gebracht, diesmal ist Dynamo aber in einer viel besseren Ausgangslage. Nun gilt es, den Widrigkeiten zu trotzen „mit Überzeugung und noch mehr Willen“, wie Kauczinski fordert. Er slebst jedenfalls fühlt sich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus am vorigen Mittwoch "bereit und voller Tatendrang".

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