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Droht Dynamo schon wieder ein Wettbewerbsnachteil?

Erst Corona, nun der Winter: Auch das Nachholspiel gegen Wiesbaden steht auf der Kippe. Wie die Spielausfälle den Kampf um den Aufstieg beeinflussen können.

Betreten verboten? Am 29. Januar musste Dynamos Spiel gegen Bayern München II abgesagt werden – und nun schlägt der Winter erst so richtig zu.
Betreten verboten? Am 29. Januar musste Dynamos Spiel gegen Bayern München II abgesagt werden – und nun schlägt der Winter erst so richtig zu. ©  dpa/Matthias Rietschel

Dresden. Als wäre die Corona-Gefahr nicht schon genug, nun wirbelt auch der Winter den Spielplan durcheinander. In der 3. Fußball-Liga wurde das für Montagabend angesetzte Spiel zwischen Saarbrücken und Duisburg anderthalb Stunden vor dem Anpfiff abgesagt, am Wochenende konnte die Partie des VfB Lübeck gegen 1860 München nicht stattfinden. Auch das für Dienstag angesetzte Nachholspiel der Norddeutschen gegen Hansa Rostock musste erneut verschoben werden: Im Stadion an der Lohmühle gibt es keine Rasenheizung, der Aufsteiger spielt mit einer Sondergenehmigung.

Allerdings gibt die künstliche Wärme unter der Grasnarbe keine Garantie dafür, dass der Platz bespielbar bleibt. So fiel die für Freitag, den 29. Januar, geplante Partie von Dynamo gegen Bayern München II aus, weil sich der Rasen im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion nach heftigem Schneefall vollgesogen hatte wie ein Schwamm. Nun soll am Mittwoch das wegen der Corona-Fälle von Trainer Markus Kauczinski und einer weiteren Person verschobene Spiel gegen den SV Wehen Wiesbaden nachgeholt werden, aber auch das erscheint derzeit unsicher.

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Unter der dicken Schneeschicht läuft zwar die Rasenheizung, die bei Minusgraden permanent auf Betriebstemperatur gehalten wird. Aber ob es möglich ist, den Platz zu Räumen, ohne ihn zu beschädigen, wird kurzfristig entschieden.

Nur fünf von 20 Mannschaften konnten bisher alle 23 Spiele bestreiten, derzeit sind zwölf Begegnungen offen. „Die Tabelle ist wegen der vielen Nachholspiele nur minimal aussagefähig“, meint Philipp Hosiner, Dynamos Torjäger. Die Schwarz-Gelben sind nach wie vor Spitzenreiter, aber der Vorsprung ist im neuen Jahr geschmolzen. So war Ingolstadt im Dezember sieben Zähler zurück, liegt jetzt punktgleich auf Platz zwei. 1860 München hätte zuletzt sogar vorbeiziehen können, hat aber zu Hause gegen Zwickau verloren. Das hat Hosiner registriert, aber: „Ob die anderen Mannschaften gewinnen oder verlieren, können wir nicht beeinflussen. Wir müssen unsere Nachholspiele positiv gestalten.“

Erinnerung an die vorige Saison präsent

Der Druck steigt auch deshalb, weil das Bild verzerrt ist. Das ist ein psychologischer Effekt. Der Abstand zu Nichtaufstiegsrang vier beträgt vier anstatt wie zum Jahreswechsel neun Punkte. Allerdings: 1860 München hat bereits 22-, Dynamo erst 21-mal gespielt. Natürlich ist bei den Dresdnern die vorige Saison präsent, als sie wegen der Corona-Fälle im Team länger aussetzen und dann neun Spiele in 29 Tagen bestreiten mussten. In diesem Drei-Tage-Rhythmus ging die Kraft für den Abstiegskampf verloren.
Droht also wieder ein Wettbewerbsnachteil?

Vor Dynamos Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am 23. Januar haben Helfer die etwa 8.000 Quadratmeter große Spielfläche vom Schnee beräumt. Die Mannschaft von Trainer Markus Kauczinski gewann mit 4:3.
Vor Dynamos Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am 23. Januar haben Helfer die etwa 8.000 Quadratmeter große Spielfläche vom Schnee beräumt. Die Mannschaft von Trainer Markus Kauczinski gewann mit 4:3. © dpa/Robert Michael

Kauczinski will ein solches Szenario nicht heraufbeschwören. „Das hat jeder mehr oder weniger, wir waren im Dezember verschont, da hat es andere getroffen, jetzt eben uns“, meint der Chefcoach zur Chancengleichheit – und hat damit recht. Mit Duisburg, Meppen, Verl, Zwickau und zuletzt dem KFC Uerdingen waren fünf Mannschaften wegen Corona-Fällen länger als eine Woche in häuslicher Quarantäne, Zwickau musste deshalb sechs Spiele innerhalb von 16 Tagen bestreiten, hat aber immer noch zwei offen. Türkgücü München hat es bereits zweimal getroffen, allerdings jeweils nur für eine Partie. Dynamo konnte nach den beiden positiven Tests im Januar nach sechs Tagen in der häuslichen Isolation sowie Training in kleinen Gruppen normal weitermachen.

Die meisten offenen Spiele haben Uerdingen und Bayern II mit jeweils drei. Noch gibt es einige freie Termine, vor allem während der Woche, aber sogar an einem bislang als frei geplanten Wochenende: Anders als im Herbst ruht die 3. Liga für die Länderspiele Ende März auch. Allerdings stehen Mitte April und Anfang Mai auch noch zwei englische Wochen bevor. Bis dahin sollte der Spielplan möglichst bereinigt sein, um unterschiedliche Belastungen in der Endphase der Saison auszuschließen.

"Flexibel bleiben, wachsam bleiben, Lösungen haben"

Unwägbarkeiten gibt es ohnehin mehr als genug. „Man kann noch nicht genau abschätzen, wen was wie trifft“, sagt Kauczinski angesichts der Gemengelage aus Virus und Winter zur Chancengleichheit. „Wir sind nicht an der Ziellinie, sondern mittendrin. Wir wissen alle nicht, was noch kommt.“ Deshalb gibt es für ihn auch nach dem schwer erkämpften 1:0-Sieg in Magdeburg nur eine Richtung: „Wir spielen weiter, es geht immer weiter. Spiel für Spiel, Kampf für Kampf.“ Seine Maxime dabei lautet nach wie vor: „Flexibel bleiben, wachsam bleiben, Lösungen für alles haben.“

Mit dieser Einstellung hat er Dynamo bislang sportlich unaufgeregt durch diese Krisenzeit geführt – trotz des Abstiegs aus der zweiten Liga. Und auch jetzt mussten der Trainer und sein Team „einige Nackenschläge hinnehmen“, wie er sagt – und aufzählt: „Corona, ich persönlich, viele schwere Verletzungen, Sperren sind dazugekommen. Trotzdem haben wir Wege gefunden, das auszugleichen.“ Tatsächlich hat es Dynamo zum Start ins Jahr ziemlich hart getroffen.

Darauf zu reagieren, meint Kauczinski, sei der Job, aber: „Er ist anders geworden, weil es von außen mehr Einflüsse gibt. Deshalb sind wir gut beraten, immer den Moment zu sehen, zu analysieren, zu entscheiden. In zwei Wochen kann alles schon wieder ganz anders sein.“

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Das müsse man so nehmen, wie es ist. „Da gibt es kein Gejammer oder Gemecker. Irgendwas ist immer. Also passen wir uns an, scheißegal, wir nehmen es, wie es kommt.“ Und für Hosiner ist die Sache klar: „Wenn wir unsere Spiele gewinnen, sieht auch die Tabelle immer besser aus.“

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