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Daferner erlöst Dynamo und seinen neuen Trainer

Die Dresdner gewinnen zum Einstand von Alexander Schmidt – und können schon am Samstag die Tabellenführung übernehmen. Zufrieden ist der Trainer nicht.

Mit dem Abpfiff müssen die Emotionen noch mal raus. Christoph Daferner ballt die Fäuste. Sein Treffer besiegelt Dynamos 1:0-Sieg gegen Duisburg.
Mit dem Abpfiff müssen die Emotionen noch mal raus. Christoph Daferner ballt die Fäuste. Sein Treffer besiegelt Dynamos 1:0-Sieg gegen Duisburg. © dpa/Robert Michael

Dresden. Der Torschütze sinkt auf den Boden, trommelt auf den Rasen, die Mitspieler springen auf ihn. Das hat man bei Dynamo lange nicht mehr gesehen: eine Jubeltraube. Nach quälend langen mehr als achteinhalb torlosen Stunden erlöst Christoph Daferner mit seinem Treffer die Dresdner in der 77. Minute, der zugleich den Sieg im Nachholspiel bedeutet. Mit 1:0 gewinnt Dynamo gegen den MSV Duisburg. Der Neustart nach dem Trainerwechsel ist gelungen, Alexander Schmidt hat als Nachfolger von Markus Kauczinski die Lebensgeister der Mannschaft geweckt.

„Dieser Wille ist der größte Gewinn an diesem Tag“, sagt der neue Chef, und er wundert sich, dass er nach diesem intensiven Spiel überhaupt noch Stimme hat. „Ich musste so viel coachen.“ Schmidt hatte tatsächlich einiges verändert in der Aufstellung, vor allem aber mit der taktischen Ausrichtung. Die Mannschaft ist offensiver eingestellt mit Philipp Hosiner hinter der Doppelspitze mit Daferner und Luka Stor. Es sei „sauwichtig“ gewesen, zu merken, dass der Plan des neuen Trainers aufgeht, meint Yannick Stark hinterher.

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Dabei ist Schmidt alles andere als zufrieden. „Die Mannschaft hat im Rahmen dessen, was möglich ist nach zwei Trainingseinheiten, das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“, sagt er – und wird deutlich: „Wir sind weit weg von perfekt.“ Was ihn stört, sind die zwei, drei groben Schnitzer, die diesmal unbestraft bleiben. „Wir hätten uns beinahe selber einen reingehauen.“ Dabei denkt er sicher nicht nur an das Beinahe-Eigentor von Sebastian Mai, der nach Gelb-Sperre wieder dabei ist. Der Kapitän wird unglücklich angeschossen, aber Torwart Kevin Broll bewahrt Dynamo mit einem spektakulären Reflex vor dem Rückstand nach einer halben Stunde.

Und dann ist der Ball drin. Christoph Daferner erzielt in der 77. Minute den 1:0-Siegtreffer. Sein elftes Saisontor ist ein besonders wichtiges.
Und dann ist der Ball drin. Christoph Daferner erzielt in der 77. Minute den 1:0-Siegtreffer. Sein elftes Saisontor ist ein besonders wichtiges. © dpa/Robert Michael

Zuvor hatte Broll selbst jedoch mit einem Fehlpass die erste Großchance eingeleitet, Aziz Bouhaddouz knallt den Ball an den Pfosten. Auch Dynamo erspielt sich gute Chancen, die beste hat Stor. Es ist so eine Szene, über die hinterher diskutiert werden kann: Was wäre gewesen, wenn …Ein klasse Angriff, wie man ihn zuletzt von Dynamo lange nicht mehr gesehen hatte: Eine perfekte Eingabe von Hosiner, Stor hat nur noch Torwart Leo Weinkauf vor sich – und bringt den Ball aus zwei Metern nicht am MSV-Keeper vorbei, der auch den Nachschuss von Julius Kade pariert. „Luka hat nicht so viele Spiele gemacht“, meint Mai – und er lobt: „Wir sind immer dran geblieben, haben uns weiter Chancen erarbeitet, sind vorne drauf gegangen, haben immer gepresst, waren immer eklig.“

Dynamo will das Glück erzwingen, hat aber in dieser Phase auch noch Pech mit dem Schiedsrichter. Asmir Osmanagic pfeift, bevor der Kopfball von Tim Knipping im Tor landet – weil er offenbar ein Stoßen gesehen hat, das keins war.

Schmidt hält sich danach mit einem Kommentar zurück, weil er die Situation nicht selbst noch mal am Bildschirm sehen konnte. „Wenn so etwas passiert, ist es immer ärgerlich, aber ich will nicht nachkarten, wir haben 1:0 gewonnen“, sagt er. Allerdings fällt es dem Schiedsrichter schwer, zu unterscheiden, wer nur brüllt oder wirklich gefoult worden ist. Spätestens jetzt steht fest: Der Weg aus der Krise ist steinig.

Alexander Schmidt jubelt nach dem Tor zum 1:0. Für Dynamos neuen Trainer ist es der erhoffte Einstand nach Maß.
Alexander Schmidt jubelt nach dem Tor zum 1:0. Für Dynamos neuen Trainer ist es der erhoffte Einstand nach Maß. © dpa/Robert Michael

Zur Pause steht die verflixte Null. Schmidt hatte angekündigt: „Wir können im Spiel fünfmal wechseln, das heißt: Wenn einer 60 Minuten Vollgas gibt, kommt der Nächste rein.“ Jeder müsse mitgenommen werden und das Gefühl haben, wichtig zu sein. Agyemang Diawusie ist die erste Option, die der neue Trainer zieht, er ersetzt zur zweiten Hälfte den unglücklichen Stor. Dynamo ist besser, aber nicht unbedingt cleverer. Irgendwie fehlt trotz allem Engagement jene Wucht, mit der sich diese Mannschaft an die Spitze der 3. Liga gesetzt hatte.

Ein Schuss von Paul Will wird geblockt, Hosiners Pass fehlt die Schärfe, der Ball wird vor Diawusie abgefangen. Solche Szenen zerren an den Nerven, weil man fast alles richtig macht, aber eben nur fast. Weitermachen ist die einzige Devise. „Ich muss der Mannschaft ein riesiges Kompliment machen. Sie haben gekämpft bis zur letzten Sekunde der Nachspielzeit“, lobt Schmidt – und auch dem Kapitän ist „die Art und Weise ziemlich wichtig“, denn: „Ich will mir nicht nachsagen lassen, dass wir nicht alles gegeben haben“, meint Mai.

Duisburg verteidigt weiterhin kompakt, wartet auf die Konterchance. Vincent Vermeij nimmt die Einladung nach einem erneuten Fehlpass von Broll jedoch nicht an. Dann macht’s eben Daferner. Nach einer perfekten Flanke des eingewechselten Panagiotis Vlachodimos ist der Stürmer im Fünf-Meter-Raum zur Stelle und drückt die Kugel über die Linie: Sein elftes Saisontor beschert Dynamo den wichtigen Heimsieg. „Die Emotionen kann man gar nicht beschreiben“, sagt der Torschütze.

Sein Fazit bei Magenta-TV: „Wir haben zurecht einiges an Kritik einstecken müssen. Für die Leistung heute kann ich der Mannschaft nur gratulieren. Ich bin fix und fertig. Ich hoffe, dass der Knoten geplatzt ist.“ Die Abwärtsspirale ist jedenfalls erst mal gestoppt. „Es ist mir unerklärlich, wie wir die letzten beiden Spiele so auftreten konnten“, meint auch Stark, aber: „Dann kommt ein neuer Trainer, neue Impulse werden gesetzt, neue Kräfte freigesetzt.“

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„Wir wollen mit den zwei Nachholspielen wieder auf einen direkten Aufstiegsplatz vorrücken“, hatte Schmidt angekündigt. Teil eins der Aufgabe ist abgehakt, der zweite folgt am Samstag in Lotte gegen den KFC Uerdingen. Gewinnen die Dresdner auch diese Partie, sind sie sogar wieder Tabellenführer.

Hier der Liveticker zum Nachlesen.

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