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Der Dynamo-Spieler und sein krebskranker Freund

Tim Knipping ist ein kompromissloser Verteidiger. Neben dem Platz möchte er mehr sein als nur Fußball-Profi. Das zeigt sein Besuch eines kleinen Fans.

Bei seinem Besuch in der Nähe von Chemnitz brachte Tim Knipping seinem neuen Freund Leon ein Dynamo-Shirt und eine Ball mit allen UNterschriften der Dynamo-Spieler mit.
Bei seinem Besuch in der Nähe von Chemnitz brachte Tim Knipping seinem neuen Freund Leon ein Dynamo-Shirt und eine Ball mit allen UNterschriften der Dynamo-Spieler mit. © SGD/Markus Zeumer

Dresden/Heilbad Heiligenstadt. Tim Knipping wirkt schüchtern, als er Leon in der Nähe von Chemnitz besucht. Auf dem Fußballplatz kennt der Dynamo-Profi mit seinen Gegenspielern oft keine Gnade, nun zeigt er sich von einer anderen Seite. Er besucht den 14-jährigen Jungen, der bereits zum dritten Mal an Krebs erkrankt ist, bietet ihm seine Freundschaft an und Unterstützung. Und er gibt ihm die private Handynummer.

Seit seinem vierten Lebensjahr kämpft Leon gegen den immer wiederkehrenden Krebs. Das hinterlässt Spuren. Leons Bewegungen wirken ungelenk. Der Junge ist gezeichnet vom Krebs. „Für mich ist er ein absolutes Vorbild, wenn man sieht, was er durchgemacht hat“, erzählt Knipping, der 2017 beinah sein rechtes Bein verloren hätte, jetzt in der Medienrunde im Trainingslager in Heilbad Heiligenstadt.

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Die Freundschaft zu Leon, dessen Vater 2017 durch eine Blutvergiftung starb, bedeutet dem Dynamo-Verteidiger sehr viel. „Ich habe auch die eine oder andere Sache in meinem Leben durchmachen müssen. Jetzt vor kurzem erst eine, auf die ich gern verzichtet hätte“, sagt er und meint den Tod seines Stiefvaters.

Knipping erzählt vom Tod seines Stiefvaters

Am Abend vorm letzten Saisonspiel beim SV Wehen Wiesbaden erhielt Knipping im Teamhotel von seiner Mutter Birgit die Nachricht, dass sein Stiefvater Michael den wochenlangen Kampf gegen die Covid-19-Infektion verloren hatte. Für Knipping hatte der Stiefvater „einen unglaublich großen Stellenwert“.

Umso wichtiger ist ihm nun, „dass ich mich fernab des Fußballs um Menschen kümmere, die unverschuldet ins Abseits geraten sind“. Menschen wie Leon, bei dem der Krebs immer wieder kommt. Wenige Tage vor seinem vierten Geburtstag fiel der Junge einfach um, berichtet die Mutter auf der Website der Familienkrebshilfe Sonnenherz.

Bei anschließenden Untersuchungen wurde ein Tumor in der Größe eines Tischtennisballs im Kleinhirn festgestellt. Ein Jahr musste Leon an der Uniklinik Dresden Chemotherapie, Bestrahlung und Operation über sich ergehen lassen. Er besiegte den bösartigen Krebs.

Ein halbes Jahr später ist die Krankheit dennoch zurück. Wieder muss er operiert werden, wieder Chemo danach. Die Einschulung verschiebt sich. Als er endlich in die Schule kommt, ist auch der Krebs wieder da, zum dritten Mal da. Seit Beginn der ersten Krebserkrankung sind nun fast zehn Jahre vergangen, in denen sich bis heute bei Leon ununterbrochen neue Tumore in Kopf, Schulter und Arm gebildet haben.

Darunter leiden auch seine Augen. Leon sieht auf dem rechten Auge nur noch 40 Prozent, auf dem linken sogar nur 20 Prozent. Aufgrund eines Hirntumors erlitt er zudem einen Schlaganfall, weshalb wichtige Nervenverläufe geschädigt sind.

Tim Knipping möchte mehr sein als nur der Fußball-Profi. Er will seine Bekanntheit als Zweitligaspieler nutzen, um Menschen zu unterstützen, die unverschuldet ins Abseits geraten sind.
Tim Knipping möchte mehr sein als nur der Fußball-Profi. Er will seine Bekanntheit als Zweitligaspieler nutzen, um Menschen zu unterstützen, die unverschuldet ins Abseits geraten sind. © Lutz Hentschel

Leon braucht deshalb nun einen speziell ausgebildeten Begleithund, den sich die Familie allein allerdings nicht leisten kann. Die Familienkrebshilfe Sonnenherz sammelt Geld, doch das allein reicht nicht aus. Der Hund kostet rund 35.000 Euro. Dynamo teilt den Spendenaufruf über seine Website und die Social-Media-Kanäle, und auch Knipping sieht das.

„Ich habe sofort Gänsehaut bekommen. Ich wollte den Kontakt zur Familie herstellen und sie finanziell unterstützen“, erzählt er und zieht Vergleiche zu seinen persönlichen Schicksalsschlägen. „Ich durchlebe es gerade mit meiner Mutter zusammen. Sie hat auch einen Hund. Dadurch weiß ich, was ein solches Tier bedeuten kann, wie viel Kraft es geben kann“, sagt der Fußball-Profi.

Trikotversteigerung wird gut angenommen

Vor Beginn des Trainingslagers im Eichsfeld besucht Knipping den krebskranken Jungen. „Wenn man es vor Ort gesehen hat, wie sehr er sich gefreut hat, nur weil man da ist und sagt, dass er und seine Mutter nicht alleine sind. Das Lächeln des Jungen gibt mir viel mehr als irgendeine andere Sache“, berichtet Knipping, der seitdem selbst Geld für die Finanzierung des Begleithundes sammelt.

Teamkollege Philipp Hosiner, der vor Jahren den Krebs besiegt hat, spendete bereits einen hohen Betrag. Über seinen Instagram-Account startete Knipping zudem vor einer Woche außerdem eine Spendenaktion. Dort versteigert er eines seiner Trikots, auf dem alle Mitspieler und Betreuer unterschrieben haben, dazu von ihm getragene Fußballschuhe und einen Ball.

„Ich habe der Familie versprochen, dass ich alles in meiner Macht Stehende tun werde, um für sie da zu sein, und dass der Junge auf jeden Fall diesen Hund bekommt und wenn ich ihn am Ende selbst bezahlen muss. Das ist das Mindeste, was ich tun kann“, sagt er. Das aktuelle Höchstgebot bei der Versteigerung liegt bei 1.000 Euro.

Viele seiner rund 8.700 Follower wollten auch über andere Wege die Familie finanziell unterstützen. „Selbst wenn es nur ein paar Euros sind, kann jeder etwas dazu geben“, sagt der 28-Jährige, der das Trainingslager am Donnerstag verlassen musste, um sich einer geplanten Operation am Handgelenk zu unterziehen.

Profis sollen ihre Berühmtheit nutzen

Während andere Fußballer die Social-Media-Kanäle vor allem als Werbeplattform verwenden, möchte Knipping soziale Projekte unterstützen. „Die Plattformen werden heutzutage viel zu wenig dafür benutzt, kleine schöne Dinge zu tun. Wenn man eine Person des öffentlichen Lebens ist, sollte man diese Chance nutzen. Das muss nichts Finanzielles sein. Es reicht manchmal schon, wenn man einfach für jemanden da ist und seine Freundschaft anbietet“, meint er.

Knippings Mitspieler Philipp Hosiner, Yannick Stark und Chris Löwe (v.l.) unterstützen die Versteigerung und unterschreiben auf dem Trikot. Auch finanziell haben sie sich bereits beteiligt.
Knippings Mitspieler Philipp Hosiner, Yannick Stark und Chris Löwe (v.l.) unterstützen die Versteigerung und unterschreiben auf dem Trikot. Auch finanziell haben sie sich bereits beteiligt. © Lutz Hentschel

Doch Knipping ist mit seinem sozialen Engagement nicht allein. Fußballer wie Toni Kroos, Manuel Neuer oder wie zuletzt Leon Goretzka und Joshua Kimmich gründen Stiftungen und sammeln Geld für soziale Einrichtungen und Projekte.

Knipping erzählt außerdem vom englischen Nationalspieler Marcus Rashford: „Er ist ein absolutes Aushängeschild.“ Der 22-jährige Star von Manchester United hat sich bereits sehr früh in seiner Karriere für sozial benachteiligte Kinder eingesetzt und wurde dafür von Queen Elizabeth II. geehrt.

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Der Fußball-Profi fehlte beim letzten Spiel der Aufsteiger. Jetzt hat er den Grund genannt: einen Corona-Todesfall in der Familie.

„Ich bin froh, dass es viele Sportler gibt, die sich sozial engagieren“, sagt Knipping und hofft, „dass viele weitere dazu kommen. Wir sind als Fußballer privilegiert und haben dadurch die Chance, etwas Gutes in der Gesellschaft zu bewegen.“

Sie wollen Leon und seiner Familie finanziell unterstützen, dann können sie auf der Seite der Familienkrebshilfe Sonnenherz für den 14-Jährigen spenden.

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