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Corona: Dynamos neues Abwehrduo wieder getrennt

Mit der Rückkehr von Toptalent Ehlers steht die Defensive. Trainer und Abwehrchef sind voll des Lobes – bis zur nächsten Corona-Schreckensmeldung.

Von Tino Meyer
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Gerade gefunden, schon wieder getrennt. Dynamos Innenverteidiger-Duo: Kevin Ehlers (links) und Michael Sollbauer.
Gerade gefunden, schon wieder getrennt. Dynamos Innenverteidiger-Duo: Kevin Ehlers (links) und Michael Sollbauer. © Lutz Hentschel

Dresden. Die größte öffentliche Auszeichnung diese Woche bei Dynamo ging an Michael Sollbauer. Vom Branchenblatt Kicker wurde der Neuzugang, bislang in allen Ligaspielen in der Startelf und seit dem kreuzbandrissbedingten Ausfall von Tim Knipping auch unumstrittener Abwehrchef, in die Elf des Spieltags berufen. Tatsächlich hatte Sollbauer beim 1:0-Heimsieg gegen Düsseldorf eine besonders starke Leistung gezeigt. Das meiste Lob nach der Partie heimste jedoch sein Nebenmann in der Innenverteidigung ein: Kevin Ehlers.

Nach gut einem halben Jahr Pause spielte der 20-Jährige, als wäre er nie weg gewesen. Abgeklärt im Stellungsspiel und wuchtig in den Zweikämpfen gab Dynamos Toptalent der zuletzt auch defensiv kriselnden Mannschaft trotz seines immer noch jungen Alters neuen Halt – und ließ selbst Sollbauer schwärmen. Er habe sich diesmal richtig gut gefühlt, erklärte der 31-Jährige nach Abpfiff und attestierte dem Kollegen Ehlers, wie Cheftrainer Alexander Schmidt später aus seinem Gespräch mit Sollbauer verriet, ein Riesenlob.

Noch Donnerstagmittag bei der Pressekonferenz vor Dynamos Auswärtsspiel in Regensburg am heutigen Freitag setzte Sollbauer erneut zur Laudatio an – ehe am frühen Abend die Schreckensmeldung dieser Tage folgte: Corona!

Sowohl Ehlers als auch Mittelfeldspieler Luca Herrmann haben sich mit dem Virus infiziert. Beide wurden positiv getestet und befinden sich in häuslicher Isolation, teilte Dynamo mit. Beide haben „bereits ihre Erstimpfung erhalten bzw. sind doppelt geimpft“, heißt es in der Pressemitteilung. Für die Partie beim Tabellenvierten Regensburg fallen sie aus, das Spiel wird aber wie angesetzt stattfinden. Anpfiff ist 18.30 Uhr.

Abwehrchef Sollbauer hat den direkten Vergleich

Ehlers’ Ausfall ist besonders schmerzlich. „Er bringt sehr viel Wucht mit und Klarheit im Kopf. Man merkt ihm an, dass er einige Spiele auf dem Niveau bestritten hat. Er weiß die Situation gut einzuschätzen und hat schon im Training diesen Fokus, den es braucht“, erklärt Sollbauer voll des Lobes, will seine Laudatio aber keinesfalls als Abstufung der anderen Innenverteidiger verstanden wissen. Dabei hat der Österreicher den direkten Vergleich.

Während er gesetzt ist, wechselten die Mitspieler in der Abwehr regelmäßig: erst der nicht minder souveräne Knipping bis zu dessen Verletzung, danach die zweifelsohne talentierten, aber eben noch unerfahrenen Michael Akoto und Antonis Aidonis. Und zwischendurch sozusagen als Notlösung, wie selbst der Trainer durchblicken ließ, der mittlerweile als Kapitän abgesetzte und derzeit an den Folgen einer schweren Angina laborierende Sebastian Mai. Überzeugen konnte nach Knipping keiner mehr, was nicht allein daran liegt, dass es bei Dynamo in der Zeit auch sportlich nicht lief mit insgesamt neun Niederlagen aus zehn Pflichtspielen.

Und nun wäre alles gut geworden, weil Ehlers zurückgekehrt ist? Schmidt betont in diesen Tagen zumindest regelmäßig und gern auch ungefragt, wie gut „der Ehle“ der Mannschaft tut und erklärte nach dem Sieg gegen Düsseldorf: „Er war für mich heute top. Der Junge hat einfach diesen brutalen Willen. Das ist mit nichts aufzuwiegen in dieser Liga. Ich traue ihm eine gute Karriere zu, wenn er so weiter macht.“

Dieser Nachsatz ist ebenso wichtig wie die Ergänzung: wenn sein Körper mitspielt.

Ehlers’ außergewöhnliche Fähigkeiten sind schließlich hinlänglich bekannt. Bereits Schmidts Vorvorgänger Cristian Fiel beorderte den damals 18 Jahre alten A-Jugendlichen nicht nur vorzeitig in den Profikader, er machte Ehlers sofort zum Stammspieler in der zweiten Liga. 19 Einsätze hat Ehlers in der Abstiegssaison 2019/20 bestritten – und dabei das Interesse anderer Vereine auf sich gezogen. Doch er entschied sich für den Dresdner Weg: bei Dynamo weiterentwickeln, notfalls mit dem Umweg 3. Liga, und sich endgültig etablieren, dann der nächste Karriereschritt.

Dass der Vielgelobte und Hochgeschätzte jetzt erst seinen Saisoneinstand gab, hat er sich aber selbst zuzuschreiben. Im ersten Testspiel nach der Sommerpause erlitt er einen Muskelfaserriss im Hüftbeuger. Nach einem ersten Ziehen signalisierte Ehlers zunächst, weiterspielen zu können, musste dann aber ausgewechselt werden. Eine unerwartet lange Leidenszeit begann, mehrere Comeback-Versuche im Herbst scheiterten. Jetzt ist Ehlers zurück – und fällt doch erst mal wieder aus.