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Dynamos Daferner: „Wir müssen wieder ekliger sein“

Der Dresdner Stürmer Christoph Daferner erklärt im Interview, warum er nicht von einer Krise spricht und was besser werden muss.

Christoph Daferner war im Aufstiegsjahr mit zwölf Treffern Dynamos bester Torschütze, auch in dieser Saison traf er anfangs dreimal. Doch nun hakt es auch beim Stürmer – steht er beispielhaft für das Team?
Christoph Daferner war im Aufstiegsjahr mit zwölf Treffern Dynamos bester Torschütze, auch in dieser Saison traf er anfangs dreimal. Doch nun hakt es auch beim Stürmer – steht er beispielhaft für das Team? © dpa, Montage: SZ

Dresden. Zum Training muss er erst am Nachmittag. Trotzdem wählt Christoph Daferner für das Interview einen für Profi-Fußballer ungewöhnlich frühen Termin. Pünktlich 8.30 Uhr ist Dynamos Stürmer am Telefon, ausgeschlafen ist der 23-Jährige bereit zum Gespräch, das angesichts der Stimmung nach drei Niederlagen hintereinander keine lockere Plauderei sein kann.

Christoph Daferner, waren Sie schon immer ein Frühaufsteher?

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Ich kenne das nicht anders, war nie einer, der länger schläft. Ich möchte einfach gut in den Tag starten und die Zeit nutzen.

Wie starten Sie denn?

Ich lese bei einer Tasse Kaffee die Zeitung.

Die Sächsische?

(lacht) Nein, aber vielleicht kommt das ja noch. Ich lese tatsächlich meine Heimatzeitung, die Neuburger Rundschau, im E-Paper. Ich will auf dem Laufenden sein, was zu Hause passiert.

Darin steht sicher nichts über Dynamo. Wie tief sitzt die Enttäuschung nach der dritten Niederlage in Folge?

Natürlich dauert das ein, zwei Tage. Man muss es analysieren. Wir wissen, dass wir in Darmstadt kein gutes Spiel gemacht haben. Es ist wichtig, sich das einzugestehen.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum es zuletzt nicht mehr rundlief?

Die vier Siege davor – inklusive DFB-Pokal – sowie das Unentschieden beim Hamburger SV haben wir uns alle hart erarbeitet, aber auch die letzten drei Niederlagen waren teilweise verdient. Deshalb brauchen wir nichts schönzureden. Wir müssen mehr Konstanz reinbringen und uns immer wieder bewusst machen, dass wir uns alles hart erarbeiten müssen.

Sie stehen ein bisschen beispielhaft für den Trend: drei Tore in den ersten drei Spielen, jetzt vier Partien ohne Treffer. Waren Sie wie die Mannschaft am Anfang noch getragen von der Euphorie nach dem Aufstieg?

Nein, das würde ich so nicht sagen. In einer Saison gibt es einfach unterschiedliche Phasen, durch die man gehen muss. Dessen waren wir uns bewusst. Jetzt ist es wichtig, ruhig zu bleiben und – wie schon gesagt – weiter hart zu arbeiten. Dann werden die Erfolge auch wieder kommen. Das ist es, was für mich zählt. Natürlich möchte ich selbst einen Teil dazu beitragen und in den nächsten Spielen wieder torgefährlicher werden.

Ich frage trotzdem noch mal konkret nach: Was ist jetzt anders als in den Spielen zu Saisonbeginn?

Grundsätzlich nichts. Die Mannschaft ist die gleiche, die Einstellung stimmt. Aber wir sind zuletzt nicht konstant an unser Limit gekommen. Man muss dabei auch sehen, dass wir viele junge Spieler haben, die sich noch an das Niveau in der zweiten Liga gewöhnen müssen. Deshalb sollte man etwas geduldiger sein, finde ich, denn wir werden uns weiterentwickeln, aus solchen Erfahrungen lernen und daran wachsen.

Ist das jetzt schon eine Krise – und wie kommt Dynamo da raus?

Dieses Schwarz-Weiß-Denken sollte man beiseitelassen. Wenn man gewinnt, ist nicht immer alles super, und wenn man verliert, nicht alles schlecht. Wir reden uns nicht ein, unglücklich verloren zu haben, sondern gehen ehrlich damit um. Wir hatten jetzt den einen oder anderen Rückschlag, aber die haben uns schon in der vorigen Saison enger zusammengeschweißt. Wir haben eine gute Mannschaft, können auf uns vertrauen und zählen auf die Unterstützung unserer Fans. Jetzt von einer Krise zu sprechen, finde ich nicht fair.

Zu den Ergebnissen kommen als Rückschläge einige schwere Verletzungen, jetzt der Kreuzbandriss von Panagiotis Vlachodimos. Wie beeinflusst das die Stimmung in der Kabine?

Das ist erst einmal ein Schock. Es schmerzt natürlich, auch, weil wir uns als Truppe sehr gut verstehen. Wenn einer wegbricht, ist das sehr ärgerlich. Aber Verletzungen gehören im Profifußball dazu. Es bringt nichts, zu jammern oder zu lamentieren. In der vorigen Saison hatten wir ähnliche Situationen, deshalb hatte uns mancher den Aufstieg zwischenzeitlich nicht mehr zugetraut – und wir haben das Gegenteil bewiesen. So wird es auch diesmal sein.

Sie gehören auch zu den Spielern mit wenig Zweitliga-Erfahrung. Kommen Zweifel auf, ob es überhaupt reicht?

Es kann im Fußball verdammt schnell gehen. Nach den ersten vier Spielen wird man schon in der Bundesliga gesehen, mit Nationalspielern verglichen. Und nach drei Niederlagen soll man nicht mehr gut genug sein für die zweite Liga? Das sehe ich etwas differenzierter.

Trotzdem sind es für Sie vier Spiele ohne Treffer, drei Euro ins Phrasenschwein: Stürmer werden an Toren gemessen. Wie gehen Sie damit um?

Natürlich bin ich mir dessen bewusst, aber ich bin nicht so gestrickt, dass ich mir darüber ständig den Kopf zerbreche. Das bringt ja auch nichts. Ich versuche, mich zu verbessern, und wir müssen schauen, dass wir uns wieder mehr Chancen erarbeiten.

Bei der Niederlage in Darmstadt vorigen Sonntag hatten Sie eine Chance, den Kopfball hat der Torhüter gut gehalten. Ist genau das die Krux, dass Dynamo weniger Durchschlagskraft hat?

Wie gesagt, wir müssen uns noch besser an das Niveau in der zweiten Liga gewöhnen. Die Gegenspieler sind stärker. Ich finde es völlig normal, dass man einen solchen Prozess durchläuft. Man sollte das große Ganze sehen: Wir sind ordentlich in die Saison gestartet und müssen jetzt wieder mehr Konstanz reinbringen.

Sie sind das absolute Laufwunder in der Liga. Stellt sich für Sie manchmal die Frage nach Aufwand und Ertrag?

Nein, solange ich hinterher in der Kabine sitze und das Gefühl habe, alles gegeben zu haben, damit wir erfolgreich sind, kann ich mir nicht so viel vorwerfen. Ich weiß natürlich, was Sie meinen. Aber unser Spiel ist laufintensiv. Das müssen wir insgesamt wieder mehr reinbringen, wieder ekliger werden für den Gegner, um über die Laufstärke und Intensität besser ins Spiel zu kommen.

Sie haben es angesprochen: Ist es die Gefahr, wenn man so viel läuft, dass in entscheidenden Situationen ein paar Körner fehlen?

Das sehe ich nicht so. Ich bin fit, und es gehört für mich dazu, weite Wege zu gehen. Natürlich ist es meine erste Aufgabe, torgefährlich zu sein. Aber in der zweiten Liga muss man als Stürmer auch gut gegen den Ball arbeiten, das ist ein wichtiger Teil meines Spiels.

Der Trainer hat Sie als den klassischen Mittelstürmer-Typ beschrieben, der Sie allerdings so nicht sind. Denn die wurden früher mit Flanken und Zuspielen in den Strafraum bedient …

So läuft es eben nicht mehr, dass einer nur vorne drin steht und auf die Flanken wartet. Das ist für mich auch keine Option. Ich mache mir keine Gedanken darüber, welcher Spielertyp ich bin, sondern will mit meinen Mitteln der Mannschaft helfen.

Hat Ihnen Sebastian Mai schon Tipps gegeben, wie Sie sich gegen seinen Bruder Lars Lukas durchsetzen können, der bei Werder Bremen in der Innenverteidigung spielt?

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Das macht er vielleicht noch. Aber unser Trainerteam stellt uns jede Woche gut auf den Gegner ein, wir werden also auf jeden Fall gut vorbereitet sein.

Und warum klappt es gegen den Bundesliga-Absteiger Bremen wieder?

Weil wir zu Hause vor unseren Fans spielen. Wir sind heimstark und haben gegen Werder nichts zu verlieren.

Das Gespräch führte Sven Geisler.

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