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Drei Gründe für Dynamos Krise

Es läuft nicht gut für den Aufsteiger, dabei sind die Niederlagen nicht mal das größte Problem. Der Trainer startet einen Appell – und hat den nächsten Langzeitverletzten.

Trainer Alexander Schmidt schaut mindestens angespannt, und Sportchef Ralf Becker presst schon die Lippen zusammen. Dynamo ist in einer kritischen Phase.
Trainer Alexander Schmidt schaut mindestens angespannt, und Sportchef Ralf Becker presst schon die Lippen zusammen. Dynamo ist in einer kritischen Phase. © Sven Sonntag/Picture Point

Dresden. Fußball ist ein Ergebnissport und eine Serie von drei Niederlagen nie gut. Doch mehr noch entscheidet der Blick auf die Tabelle über Gut und Böse, über richtig oder falsch. Dynamo Dresden und Krise – das scheint daher noch nicht wirklich zueinanderzupassen, auch wenn Trainer Alexander Schmidt am Sonntag in Darmstadt nach dem 0:1 von schwierigen Zeiten sprach.

Als Tabellenzehnter ist der Aufsteiger grundsätzlich im Soll, zumal der Abstand zum vierten Platz lediglich zwei Punkte beträgt, zwei weitere Zähler sind es bis zur Spitze. Wichtiger ist ohnehin die andere Blickrichtung, die nach unten: Trotz der drei verlorenen Spiele zuletzt sind es immer noch komfortable sechs Punkte Vorsprung zur Abstiegszone.

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Dynamo profitiert von dem starken Saisonbeginn – und ebenso von der Schwäche der anderen. Aue, Ingolstadt und Sandhausen sind denkbar schlecht gestartet. Trotzdem hat der Trainer nun einmal mehr festgestellt: „Wir sind in der harten Realität der zweiten Liga angekommen.“

So ähnlich hatte Schmidt dies bereits nach dem 0:3 gegen Paderborn und dem 1:2 in Heidenheim gesagt, jeweils verbunden mit dem Zusatz, dass es sich um bittere, schmerzhafte Niederlagen handelt. Und tatsächlich, es zeichnet sich zum einen ein Muster beim Zustandekommen der Ergebnisse ab, zum anderen befindet sich die Mannschaft offenbar schon mittendrin in dem typischen Abwärtsstrudel.

Der funktioniert so: Erst bleiben die positiven Ergebnisse aus, obwohl die Mannschaft weiterhin guten Fußball spielt (gegen Paderborn), im zweiten Schritt gibt es Niederlagen und sukzessiv immer schlechtere Leistungen (in Heidenheim und Darmstadt; O-Ton Schmidt: „Gründe waren nicht mal taktisch bedingt, sondern technisch“). Dabei schwinden Mut und Selbstvertrauen, Beides ist für Dynamos aufwendigen, risikoreichen Spielstil unabdingbar. Irgendwann geht dann gar nichts mehr – außer Durchhalteparolen.

Ob das jetzt schon am Sonntag nach dem Heimspiel gegen Bundesliga-Absteiger Werder Bremen so weit ist? Der Trainer, ein durchweg positiver Mensch, wehrt hypothetische Fragen wie diese entschieden ab. „Wir dürfen nicht mit der Einstellung herangehen, etwas zu befürchten“, betont Schmidt und sagt, was er seit der Sommerpause sagt: „Die Mannschaft hat Qualität.“

Letztlich gibt es für Dynamos Misere drei entscheidende Gründe, und in Darmstadt kam in einem Spiel alles zusammen.

Punkt eins: dicke Fehler

Das mit Abstand gravierendste Manko sind die groben individuellen Fehler. Gegen Paderborn patzten die Innenverteidiger Michael Sollbauer und Michael Akoto, in Heidenheim spielte Kapitän Sebastian Mai einen folgenschweren Fehlpass. Das Gegentor in Darmstadt verschuldete nun Torwart Kevin Broll, der den Ball nach einem Freistoß aus den Händen gleiten ließ.

Er wolle darauf gar nicht so sehr eingehen, meint Schmidt. „Wir gewinnen und verlieren zusammen. Auch im Fußball ist es einfach so, dass Fehler passieren. Da mache ich den Spielern keinen Vorwurf. Aber klar, wir müssen natürlich schauen, dass wir diese Dinge reduzieren“, so der Trainer.

Das Problem: Es ist immer wieder ein anderer, dem der spielentscheidende Lapsus unterläuft. Wobei es tatsächlich nicht korrekt wäre, dies allein an den Spielern in der Defensive festzumachen – auch wenn deren Fehler zwangsläufig häufiger direkt mit einem Gegentor bestraft werden.

Punkt zwei: kein Glück

Bei den Offensivspielern ist dagegen meist vom Quäntchen Glück die Rede, das fehlt. Bestes Beispiel dafür ist Dynamos Torjäger Christoph Daferner. Zwölf Tore erzielte er im Aufstiegsjahr, in dieser Saison bereits drei, doch in Darmstadt vergab er kurz vor Schluss die große Chance auf den Ausgleich und ist nun seit vier Spielen ohne eigenen Treffer.

Das sogenannte Matchglück, mit dem Dynamo zu Saisonbeginn 1:1 beim Hamburger SV spielte, Paderborn im DFB-Pokal bezwang und in Rostock gewann, hat derzeit der Gegner. „Wer gedacht hat, dass wir nach dem guten Saisonstart zu träumen anfangen, liegt falsch. Wir haben von Anfang an gesagt, dass es schwierige Zeiten geben kann. Die sind jetzt da, und jetzt müssen wir uns auf die Tugenden besinnen, die wir schon gezeigt haben. Dann werden wir auch wieder Erfolg haben“, so Schmidt. Fast schon beschwörerisch fügt er an: „Wir müssen positiv bleiben.“

Punkt drei: viele Verletzte

Doch da ist auch noch das Verletzungspech. Nach dem Ausfall von Verteidiger Kevin Ehlers, den es von den fünf Muskelverletzten aus der ersten Trainingswoche am langwierigsten getroffen hat, gibt es regelmäßig schlechte Nachrichten aus der medizinischen Abteilung. „Seit Saisonbeginn müssen wir immer wieder Verletzungen wegstecken“, sagt Schmidt, als er die Niederlagenserie erklären soll.

Mittlerweile muss er auf sieben Profis verzichten, nachdem Panagiotis Vlachodimos in Darmstadt in der 17. Minute nach einem Griff ans Knie vom Spielfeld humpelte und nach langer Behandlung auf einer Trage den Stadioninnenraum verließ. Die befürchtete Diagnose nach der Untersuchung am Montag in der Dresdner Uniklinik: Riss des vorderen Kreuzbandes.

Zuvor hatte sich Neuzugang Luca Herrmann nach dem zweiten Spieltag das Knie verstaucht, Brandon Borrello, als erfahrener Führungsspieler verpflichtet, eine Woche später den Mittelfuß gebrochen. Abwehrchef Tim Knipping erlitt am vierten Spieltag einen Kreuzbandriss. Außerdem fehlen Spielmacher Patrick Weihrauch sowie Ersatztorwart Patrick Wiegers, die sich nach Operationen aufgrund von Komplikationen einem erneuten Eingriff unterziehen mussten.

Dagegen kehrt Robin Becker nach Rotsperre jetzt zurück, dafür fällt Julius Kade gegen Bremen nach Gelb-Roter Karte in Darmstadt aus.

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Der Trainer reagiert wie gewohnt: mit großem Optimismus. „Wir zweifeln nicht, sondern bauen uns auf“, sagt Schmidt. Noch auf dem Spielfeld in Darmstadt richtete er einen eindringlichen Appell an die Mannschaft. „Jetzt müssen wir den Teamgeist zeigen, den nach den ersten Spielen angesprochenen Dresdner Teamgeist, der hervorragend ist. Wenn man fünfmal hintereinander gewinnt, ist es leicht, davon zu reden, jetzt müssen wir zusammenstehen. Und das werden wir machen.“

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