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Dynamo und Frauenfußball – funktioniert das?

Ein Stadtratsbeschluss nimmt den Zweitligisten dahingehend in die Pflicht. Daran ist ein Millionenzuschuss geknüpft. Was die Vereine dazu sagen.

Lange ist es her. 2009 spielte Fortuna Rähnitz mit großen Zielen und zwei Logos in der Regionalliga. Geblieben ist davon nur die Trikotfarbe.
Lange ist es her. 2009 spielte Fortuna Rähnitz mit großen Zielen und zwei Logos in der Regionalliga. Geblieben ist davon nur die Trikotfarbe. © Archiv: kairospress

Dresden. Dynamo Dresden und Frauen? Das ist keine besonders abwegige Geschichte. Immerhin sind rund 3.300 der insgesamt 23.625 Vereinsmitglieder weiblich, knapp 14 Prozent also. Eine Frauenabteilung hat der Fußballverein aber nicht, obwohl Dynamo schon mal kurz davor stand. Mit dem damaligen Regionalligisten 1. FFC Fortuna Dresden-Rähnitz existierte zwischen 2009 und 2011 bereits eine feste Kooperation.

Das Ziel der Fußballerinen, die seitdem in Gelb-Schwarz spielen, war es, als wirtschaftliche eigenständige Abteilung unter dem Dynamo-Dach zu agieren. Das Frauen-Team spielte damals sogar mit zwei Vereinslogos – ein bis dato einmaliger Vorgang. Allerdings entschied sich bei Dynamos Mitgliederversammlung dann die Mehrheit gegen eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Konkret hieß das: Von 366 damals anwesenden Mitgliedern lehnten das 242 ab, 71 enthielten sich, und 53 Mitglieder stimmten für eine weitere Kooperation. Und das ist bis heute der Status quo.

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Was sind die besten Schnäppchen?

Nun scheint es jedoch einen neuen Anlauf zu geben. Oder besser: geben zu müssen. Dresdens Stadtrat beschloss in der vergangenen Woche, den Zweitliga-Aufsteiger mit insgesamt vier Millionen Euro zu unterstützten. Eine Million gab es aufgrund gestiegener Baukosten für das neue Trainingszentrum, jeweils 1,5 Millionen als Mietkostenzuschuss für die nächsten beiden Spielzeiten im Rudolf-Harbig-Stadion. Dies ist allerdings auch an Bedingungen geknüpft, mindestens aber an dringende Empfehlungen.

Thema überrascht SGD-Geschäftsführer nicht

Der Stadtrat erwartet von Dynamo, dass die Nachwuchsförderung in Zukunft auch Mädchen einschließt – und damit womöglich perspektivisch auch der Spielbetrieb im weiblichen Bereich angestrebt wird. „Das kam nicht überraschend für mich, ich kenne das Thema aus den Gesprächen, die ich seit Anfang des Jahres geführt habe“, sagt Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend, und er meint: „Das kann man machen, auch so, wie es formuliert wurde: Man denkt darüber nach, stößt einen Prozess an, schiebt etwas an.“

Die bereits aufgekommene Kritik, der Stadtrat würde Vereinspolitik machen, will Wehlend so nicht stehenlassen. „Natürlich möchte der Stadtrat nicht in die Struktur eines Mitgliedervereins eingreifen, so habe ich es zumindest verstanden“, sagt er und geht die Sache pragmatisch an. Beispielsweise mit der Frage, ob die infrastrukturellen Möglichkeiten die Einbindung von Fußballerinnen überhaupt gestatten, also ob es ausreichend getrennte Kabinen und Sanitäranlagen gibt.

Wehlend favorisiert ohnehin ein anderes Modell. „Welche Strukturen gibt es schon in Dresden? Was passiert dort, wenn Dynamo in den Mädchen- und Frauenfußball investieren würde? Oder wäre der Weg für Dynamo vielleicht der, mit dem Know-how, der Infrastrukturstruktur und den Angeboten wie zum Beispiel Ernährungsberatung, die Vereine vor Ort zu unterstützen“, fragt er.

Nun beginnt die Antwortsuche, und bei dem inzwischen in die viertklassige Landesliga abgestiegene Ex-Kooperationspartner ist man sehr interessiert. Vereinschef Roland Hönisch hat sofort eine Mail an die Dynamo-Führung geschrieben. „Mit dem Schwerpunkt, dass wir offen dafür sind. Die Idee finde ich nicht verkehrt. Man sieht es an Städten wie Berlin oder auch in Leipzig“, sagt Hönisch und meint RB, dessen Frauenteam seit 2016 existiert und als Zweitliga-Dritter der Vorsaison nah dran ist an der Bundesliga. „Für Dresden wäre eine Zusammenarbeit mit Dynamo eine gute Entscheidung, um den Standort besser zu etablieren“, sagt er.

Am Ende entscheiden die Mitglieder

Vor zwei Jahren hat es schon erneute Annäherungsversuche gegeben, angestoßen von Dynamos damaligem Sportchef Ralf Minge. „Ich kann mir vorstellen, dass wir noch einen Versuch unternehmen. Vielleicht war es damals noch nicht an der Zeit, das Thema Frauenfußball wurde stiefmütterlich behandelt. Gerade vom DFB ist auch gewollt, dass sich das ändert“, erklärt Hönisch nun.

Seit 2020 gibt es zumindest wieder zwei Trainingszeiten für Fortuna auf dem Dynamogelände – die die Frauen jedoch nicht immer nutzen. Da sie weitestgehend auf Naturrasen spielen, machen Übungseinheiten auf dem Kunstrasen trainingsmethodisch wenig Sinn.

Der grundsätzliche Bedarf aber ist offenbar da. „Manche Fußballerinnen, die nach Dresden ziehen, fragen zuerst bei Dynamo an“, erzählt Hönisch, und Wehlend meint: „Wir müssen ein Dialogformat finden, um darüber zu reden. Ich denke, wenn die Ratsmitglieder wissen, dass wir da im Austausch sind, ist das ein wichtiges Signal.“ Dabei muss nicht ausschließlich der 1. FFC Fortuna ein potenzieller Dynamo-Partner sein. Mit dem SV Johannstadt und dem Post SV gibt es zwei weitere Frauen-Landesligisten in Dresden.

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Fortuna-Chef Hönisch macht indes schon mal kräftig Werbung in eigener Sache: „Wir sind ein reiner Frauen- und Mädchenfußballverein, haben große Erfahrungswerte in allen Altersklassen. Zumal wir schon einmal eine Kooperation hatten, weiter in Kontakt standen. Es wäre aus unserer Sicht naheliegend, wir können aber nichts erzwingen.“ Bei Dynamo, wo letztlich immer noch die Mitglieder entscheiden, sowieso nicht.

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