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Dynamos Sohm: „Wir sind eine weltoffene Truppe“

Angreifer Pascal Sohm spricht im Interview über Rassismus, seine Joker-Rolle bei den Schwarz-Gelben und ein Wechsel-Gerücht.

Für Pascal Sohm läuft es noch nicht in dieser Saison.
Für Pascal Sohm läuft es noch nicht in dieser Saison. © dpa/Robert Michael

Pascal Sohm, Dynamo spielt am Sonntag gegen Nürnberg im Sondertrikot „Love Dynamo – hate racism“. Was bedeutet diese Botschaft für Sie?

Es ist eine sehr starke Geschichte, dass der Verein damit öffentlich ein Zeichen setzt. Leider ist diese Botschaft heutzutage nicht immer so selbstverständlich, wie es sein sollte. Der Fußball steht für Vielfalt, im Sport ist sowieso jeder gleich. Durch diese Aktion wird das nach außen getragen und ins Bewusstsein gerückt.

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Wie reagieren Sie, wenn Sie Rassismus im Alltag erleben?

Ich wurde zum Glück noch nicht direkt damit konfrontiert, aber habe es einige Male mitbekommen. Als ich noch für Halle spielte, wurden unsere dunkelhäutigen Spieler auswärts mal mit Affenlauten beleidigt. Leider sitzen solche Idioten noch immer in manchen Stadien. Deshalb finde ich es umso wichtiger, als Verein und als Mannschaft deutlich zu zeigen: Rassismus hat im Fußball und in der Gesellschaft keinen Platz.

Wie lebt das die Mannschaft selbst?

Für uns ist Vielfalt selbstverständlich, die Hautfarbe macht keinen Unterschied im Umgang miteinander. Wir sind eine weltoffene Truppe, interessieren uns für verschiedene Lebensweisen. Ein Beispiel, über das wir erst neulich in der Kabine sprachen: Zwei, drei Jungs müssen ihrem Haar eine ganz besondere Pflege und Aufmerksamkeit widmen.

Was haben Sie denn gelernt über die besondere Haarpflege?

Sie haben einen speziellen Kamm, weil ihre Haare nicht so glatt sind. Das fand ich interessant. Ich bin ein offener Typ und frage gerne nach, wenn mich Sachen neugierig machen.

Werden Sie das Trikot am Sonntag denn tragen?

Das entscheidet sich kurzfristig. Ich hatte Probleme im Sprunggelenk, die auf die Wade ausgestrahlt haben. Deshalb konnte ich nicht voll trainieren und muss abwarten. Ich würde natürlich sehr gerne das Trikot tragen und auf dem Platz stehen.

Verletzungen kommen immer zur Unzeit. Sie haben auch das Testspiel verpasst, konnten sich nicht anbieten. Wie schätzen Sie Ihre Situation ein?

Das ist schade, ich hätte gerne Spielpraxis gesammelt. Zurzeit stehe ich ein bisschen hinten an, aber das akzeptiere ich, die anderen machen ihre Sache gut. So vernünftig bin ich, um das richtig einschätzen zu können. Trotzdem will ich spielen, also muss ich weiter alles dafür tun. Das ist mein Naturell. Es hat keinen Sinn, sich gehen zu lassen. Wenn sich die Chance ergibt, will ich zu 100 Prozent bereit sein.

Für Sie ist die zweite Liga Neuland. Welchen Unterschied haben Sie in den bisher sechs kurzen Einsätzen gemerkt?

Ich konnte erste Erfahrungen auf dem Niveau sammeln, was auf jeden Fall immer etwas bringt. Es ist weniger das Kampfspiel, sondern man muss spielerische Akzente setzen, um sich durchzusetzen. Das ist noch mal ein höheres Level, aber mir als Spielertyp liegt das. Ich freue mich über jede Einsatzminute, die ich bekommen kann, um mich weiterzuentwickeln.

Sie haben mal gesagt, dass Sie sich schwerer tun, wenn Sie erst eingewechselt werden. Kann man die Joker-Rolle denn lernen?

Ja, das denke ich schon. Ich war es auf meinen vorherigen Stationen nicht gewöhnt, eingewechselt zu werden. Deshalb habe ich dafür in Dresden etwas Anlaufzeit gebraucht, als ich auch in der 3. Liga öfter von der Bank kam. Es ist einfacher, wenn man von Anfang an voll im Spiel ist, im Fokus und mit den Emotionen, als wenn man von draußen kommt und von null auf hundert durchstarten muss. Ich glaube aber, das habe ich mittlerweile gut drauf.

Ist die Joker-Rolle für Sie okay?

Wer das sagt, hat in dem Sport nichts zu suchen. Aber wenn man die Joker-Rolle derzeit hat, muss man sie annehmen und darf keine Unruhe verbreiten. Ich habe vollen Respekt vor den Leistungen meiner Mitspieler, die auch alles geben. Letztlich liegt es an mir, meine Leistung zu bringen, dann wird der Trainer das irgendwann honorieren. Es gehört zu einer funktionierenden Mannschaft, dass die, die draußen sitzen, auf ihre Zeit warten, die mit Sicherheit noch kommen wird.

Man kann auch als Joker einen Kultstatus erlangen wie Nils Petersen in Freiburg, oder?

Das ist wirklich eine coole Geschichte. Ich glaube, er ist ein ganz besonderer Typ. Mit seiner Erfahrung gibt er der Mannschaft immer einen Mehrwert, seine Qualität ist unbestritten. Sein Beispiel zeigt, dass diejenigen, die von draußen kommen, alles andere als unwichtig sind. Wenn man das kapiert, selbst wenn man mal nicht eingewechselt wird, ist das ein Zeichen für einen guten Teamgeist. Und den haben wir hier bei Dynamo. Das ist ein wichtiger Faktor, weil wir individuell nicht die krassen Über-Spieler haben und es extrem wichtig ist, als Gemeinschaft aufzutreten. Dessen bin ich mir bewusst und werde immer Gas geben.

Nach dem Raketenstart gab es vier Niederlagen in fünf Spielen – wie schätzen Sie die Lage ein?

Wir machen uns nicht verrückt, weil wir von vornherein wussten, wie schwierig es in dieser zweiten Liga wird, die granatenmäßig besetzt ist. Wir haben uns darauf eingestellt, nicht in jedem Spiel den Gegner aus dem Stadion zu schießen. Wir sind Aufsteiger und müssen auch mal mit ein, zwei oder drei Niederlagen umgehen. Dann muss man die Ruhe bewahren und sich auf seine Stärken besinnen. Es ist wichtig, positiv zu bleiben und sich neu zu fokussieren, ohne dem Negativerlebnis nachzuhängen.

Wenn man hintendran ist, rechnet man sich vermutlich mehr Chancen aus, wenn es weniger gut läuft – Sie auch?

Es ist doch absolut menschlich, auf seine Chance zu lauern. Aber bei uns wird nicht gleich alles infrage gestellt, weil mal verloren wurde. Wenn ich in der ersten Elf stünde, würde ich es genauso gutheißen, dass der Trainer einem ein schlechteres Spiel verzeiht. Dafür habe ich Verständnis.

Sie wurden im Sommer mit dem Regionalligisten Carl Zeiss Jena in Verbindung gebracht. Was war da dran?

Ehrlich gesagt war ich selbst überrascht, als es in der Zeitung stand. Es wurde in dem Bericht viel behauptet und spekuliert. Ich musste über mich lesen, dass weder ein Wechsel noch ein Vertrag finanziell zu stemmen seien – ohne dass überhaupt persönlich mit mir gesprochen oder bei mir nachgefragt wurde. Ich stelle gerne noch mal klar: Ich hatte keinen Kontakt zu Jena, auch wenn das kein schlechter Verein ist.

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Nein. Es ist mein erstes Zweitliga-Jahr und ich will mich dieser Herausforderung stellen. Dass es nicht einfach wird, weiß ich auch, aber das macht ja auch den Reiz aus. Es wäre doch blöd von mir gewesen, schon nach der Vorbereitung aufzugeben. Dafür war die vorige Saison einfach zu gut, ich fühle mich wohl in der Mannschaft, das Umfeld ist überragend. Deshalb waren Wechselgedanken für mich keine Option.

Könnte es im Winter eine werden?

Darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken.

Das Gespräch führte Sven Geisler.

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