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Freude bei Dynamo: Der Entscheider ist zurück

Nach elf Monaten meldet sich Patrick Weihrauch bei Dynamo Dresden wieder fit. Die Erwartungen sind hoch, und Trainer Alexander Schmidt ist angetan.

Von Tino Meyer
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Mit seiner fußballerischen Klasse hat Patrick Weihrauch bei Dynamo ein Alleinstellungsmerkmal. Er selbst dämpft aber vorerst allzu hohe Erwartungen.
Mit seiner fußballerischen Klasse hat Patrick Weihrauch bei Dynamo ein Alleinstellungsmerkmal. Er selbst dämpft aber vorerst allzu hohe Erwartungen. © Jan Hübner

Dresden. Es gibt sie noch, die Lichtblicke bei Dynamo – auch jetzt in diesen komplizierten wie schwierigen Wochen mit Corona-Fällen in der Mannschaft, Zuschauer-Lockdown im eigenen Stadion und der keineswegs entspannten sportlichen Lage in der 2. Fußball-Bundesliga.

Nach der 1:3-Niederlage am vergangenen Freitag in Regensburg stecken die Dresdner weiter im unteren Tabellendrittel fest, getrennt vom Abstiegsrelegationsplatz durch die Tordifferenz. Bis zum ersten Abstiegsplatz sind es nur zwei Punkte.

Positiv formuliert lässt sich allerdings auch feststellen, dass Dynamo gerade mal zwei Punkte Rückstand auf Rang elf hat, das Tabellenmittelfeld also. Und Patrick Weihrauch ist überzeugt, dass bis zur Winterpause noch einige Zähler dazukommen. „Ich bin da sehr guter Dinge, weil man einfach merkt, dass der Zusammenhalt nach wie vor super ist. Wenn wir als Team klar bleiben, also nicht mit dem Finger auf andere zeigen, sondern jeder bei sich anfängt und wir dann als Mannschaft die Dinge angehen, werden wir die letzten drei Spiele in diesem Jahr sehr positiv abschließen können“, sagt Weihrauch.

Weihrauch hebt den Durchschnitt

Dynamos nach langer Verletzungspause zurückgekehrter Spielmacher macht seine Zuversicht am intakten Mannschaftsgefüge fest, das Vereinsumfeld (und vielleicht auch der eine oder andere im Team) setzt dabei in den kommenden Partien gegen Karlsruhe sowie danach in Aue und Ingolstadt konkret auf ihn. Genau zum richtigen Zeitpunkt sei er zurück, ist in den sozialen Medien zu lesen.

Rein statistisch kommt jeder Dynamo-Spieler im Durchschnitt auf 30 Zweitliga-Einsätze, Weihrauch hat bereits 83 Partien bestritten. Doch er selbst dämpft die hohen Erwartungen, die gerade jetzt an ihn gestellt werden. „Ich merke, dass schon noch etwas fehlt. Klar, elf Monate ohne Pflichtspiel gehen nicht spurlos vorbei“, erzählt Weihrauch, den alle Patti nennen.

Am 8. Januar dieses Jahres stand er zum letzten Mal auf dem Platz bei Dynamos 0:1-Niederlage gegen Türkgücü München. Dynamos Trainer Alexander Schmidt war damals noch Chefcoach des Gegners. Und insbesondere Schmidt ist es auch, der sich über Weihrauchs Comeback nach Sprunggelenksoperationen im Januar und August besonders freut.

„Er ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. Ein sogenannter Entscheider. Wir werden ihn weiter aufbauen, er ist auf einem guten Weg“, betont Schmidt, der Weihrauch seit dessen Jugendjahren kennt und den mittlerweile 27-Jährigen im Nachwuchs bei 1860 München trainiert hat. Seine Erkenntnis: „Man hat einfach gesehen, was er für ein geiler Kicker ist. Ein spielstarker Junge und auch charakterlich sauber.“

Bei Dynamos Niederlage in Regensburg wird deutlich, was Weihrauch schon selbst festgestellt hat: Fußballspielen verlernt man nicht. Er habe gemerkt, „dass die Sachen, die mich ausgezeichnet haben, nicht allzu weit weg sind“. In Erinnerung geblieben aus dem Regensburg-Spiel ist ein Eckball von ihm, der knapp das Tor verfehlte. So gefährlich ist es bei Dynamos Offensiv-Standards zuletzt selten gewesen.

Denkt Weihrauch an Regensburg, dann an seine Einwechslung in der 59. Minute. Der gebürtige Bayer, der 2013 als aufstrebendes Talent mit den Profis des FC Bayern München die Meisterschaft gewann, dazu den DFB-Pokal und die Champions League, spricht von einem extrem speziellen Moment. „Ich habe mich mega gefreut. Es war eine lange Zeit, eine lange Leidenszeit. Ich bin sehr froh, jetzt wieder zurück zu sein“, sagt Weihrauch. Geht den Fans offenbar ebenso. Die knapp 400 Mitgereisten begrüßten ihn mit Sprechchören.

Zwei, drei Akzente hat er in dem Spiel setzen können, am Ende steht jedoch das 1:3. „Es war in der zweiten Halbzeit ein Spiel auf Augenhöhe, in dem Kleinigkeiten entscheiden. Wenn wir das 2:1 machen, gewinnen wir“, meint der Spielmacher, der zudem in der Vorwoche seinen Vertrag um ein Jahr bis 2023 verlängert hat: „Das beruhigt ein Stück weit auch, weil man ja nie weiß, was noch kommt. Ich bin total glücklich, hier zu sein. Ich könnte viele Dinge aufzählen, die alle positiv sind. Deshalb musste ich nicht lange überlegen.“