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Dynamo wehrt den Angriff auf die Tabellenspitze ab

Der Spitzenreiter der 3. Liga gewinnt das Nachholspiel gegen Wehen Wiesbaden mit 1:0 und baut seinen Vorsprung sogar aus. Die Analyse mit den ersten Reaktionen.

An der Entstehung des 1:0-Siegtreffers ist die halbe Mannschaft beteiligt - und verdientermaßen groß danach die Jubeltraube um Torschütze Pascal Sohm.
An der Entstehung des 1:0-Siegtreffers ist die halbe Mannschaft beteiligt - und verdientermaßen groß danach die Jubeltraube um Torschütze Pascal Sohm. © dpa/Robert Michael

Dresden. Ob er der Mann des Spieles ist? „Rein statistisch gesehen, bin ich es, ich habe ja das einzige Tor gemacht“, sagt Pascal Sohm. Der Stürmer weiß natürlich, dass die Grundlage für den knappen Erfolg in der Defensive gelegt worden ist. „Wir haben eine phänomenale Abwehrleistung gezeigt und nichts zugelassen“, ergänzt Sohm. Deshalb reicht sein früher Treffer am Mittwochabend zum 1:0-Sieg im Nachholspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden, auch wenn die Dresdner bis zum Schluss zittern müssen.

„Ich habe alles schon erlebt. Damit muss man leben“, sagt Markus Kauczinski zu den bangen Minuten bis zum Abpfiff. „In der Situation denkt man nicht darüber nach.“ Letztlich ist das 1:0 verdient, findet auch der Trainer – und fasst die 90 Minuten so knapp wie perfekt zusammen: „Wir haben gerade am Anfang gut kombiniert. Danach war es ein großer Kampf, hätten wir den einen oder anderen Konter besser fahren können.“ Doch die Gäste erweisen sich als der robuste Gegner, den er erwartet hatte. Es sei eine Mannschaft, „die über sehr viel Körper und Tempo verfügt“, hatte der Trainer gewarnt – und trotzdem tritt sein Team deutlich mutiger auf als zuletzt.

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Torschütze Sohm bleibt für Hosiner in der Startelf

Kauczinski vertraut dabei der Elf, die es beim 1:1 gegen Saarbrücken in der zweiten Halbzeit vor allem offensiv besser gemacht hatte. Das heißt: Torschütze Sohm bleibt drin, Philipp Hosiner draußen. „Pascal ist bei Standards etwas robuster“, erklärt der Chefcoach – und Sohm meint: „Es tut uns allen gut, zu wissen, wenn der eine mal keinen so guten Tag hat, dass dann der andere da ist. Das ist auch wichtig in einer gesunden Mannschaft.“

Wie schon am Samstag beim 1:1 gegen Saarbrücken sorgt Pascal Sohm für Dynamos Treffer - der diesmal aber einen 1:0-Sieg im Spitzenspiel gegen Wiesbaden bringt.
Wie schon am Samstag beim 1:1 gegen Saarbrücken sorgt Pascal Sohm für Dynamos Treffer - der diesmal aber einen 1:0-Sieg im Spitzenspiel gegen Wiesbaden bringt. © dpa/Robert Michael

Und wie! Die elfte Minute läuft gerade ab, als Ransford-Yeboah Königsdörffer seine Spielintelligenz zeigt. „Ransi hat sich sehr gut entwickelt“, sagt Sportgeschäftsführer Ralf Becker zur Pause bei Magenta-Sport über den 19-Jährigen. „Trotz seines jungen Alters ist er jemand, der Woche für Woche konstant seine Leistung bringt.“ So spielt er Christoph Daferner auf Rechtsaußen frei, dessen Flanke verlängert Heinz Mörschel mit dem Kopf – und Sohm erwischt den Ball im Hechtsprung mit der Stirn. Hinterher lobt auch der Vollstrecker den Vorbereiter Königsdörffer. „Wir wissen um seine Stärken, so langsam weiß ich auch, wie er tickt. Manchmal bin ich noch etwas überrascht“, sagt Sohm.

Dynamos Führung ist zu diesem frühen Zeitpunkt bereits verdient, denn die Schwarz-Gelben sind vom Start weg aktiver. Schon in der zweiten Minute erzwingt eben jener Königsdörffer den Fehler der Wiesbadener, Daferners Lupfer klärt Sascha Mockenhaupt gerade so vor der Linie. „Ich hätte mehr die Ruhe bewahren und den Ball vielleicht flach am Torwart vorbei legen sollen“, meint Daferner, aber eigentlich ist das hinterher schon wieder egal. „Jetzt haben wir 1:0 gewonnen und ich ärgere mich nicht mehr darüber.“

Wieder aggressiver und bissiger in den Zweikämpfen

Nach dem Tor bleibt Dynamo zunächst dran: Daferner diesmal von links, Sohm erneut per Kopf, aber Ex-Dynamo Tim Boss, der seine Zeit in Dresden als zwei "Horrorjahre" bezeichnet hatte, pariert. Was die Dresdner immer wieder stark macht, sind die Balleroberungen, auch wenn daraus nicht jedes Mal eine Umschaltsituation entsteht. Wiesbaden wird allerdings stärker und aggressiver, auch wenn Gäste-Trainer Rüdiger Rehm mit seiner Zeiteinteilung eher daneben liegt: „Wir haben in den ersten zehn Minuten das Spiel verloren und 80 Minuten dominiert.“

Es ist ein Kampfspiel - Dynamos Paul Will (l.) und Heinz Mörschel (r.) behaupten den Ball gegen Wiesbadens Sascha Mockenhaupt (2. v. r.) und Kevin Lankford.
Es ist ein Kampfspiel - Dynamos Paul Will (l.) und Heinz Mörschel (r.) behaupten den Ball gegen Wiesbadens Sascha Mockenhaupt (2. v. r.) und Kevin Lankford. ©  dpa/Robert Michael

Bis zur Pause hat seine Mannschaft keine Chance, danach genau eine: Hakan Nilsson scheitert an Torwart Kevin Broll (63.). Dynamo kommt in Hälfte zwei aber auch lediglich zu einem verheißungsvollen Abschluss: Mörschel scheitert mit einem direkten Freistoß aus 20 Metern an Boss (68.). Der Rest ist Kampf, den die Schwarz-Gelben nicht nur annehmen, sondern aufopferungsvoll führen. „Es war ein Thema bei uns während der Woche, dass wir in den Zweikämpfen wieder aggressiver und bissiger sind“, berichtet Daferner nach dem so wichtigen Sieg.

Verfolger Hansa Rostock hatte mit dem 3:0-Sieg bei Türkgücü München am Montag vorgelegt. Und Ingolstadt spielt parallel, ist gegen den SC Verl nach gut einer Minute bereits in Überzahl, lässt jedoch mit einem 1:1 zwei Punkte liegen. Das Ergebnis der Konkurrenz „sollte uns egal sein“, meint Kapitän Sebastian Mai dazu: „Wenn wir unsere Spiele ziehen, brauchen wir nicht irgendwo hingucken. Es ist eine Randnotiz, aber es sollte sich niemand darauf ausruhen.“ Dennoch baut Dynamo die Tabellenführung sogar aus. „Was die anderen machen können wir nicht beeinflussen“, betont auch Kauczinski.

Heinz Mörschel ballt die Fäuste nach dem Abpfiff. Auch er weiß: Mit dem Sieg gegen Wiesbaden hat Tabellenführer Dynamo einen der Verfolger endgültig abgeschüttelt.
Heinz Mörschel ballt die Fäuste nach dem Abpfiff. Auch er weiß: Mit dem Sieg gegen Wiesbaden hat Tabellenführer Dynamo einen der Verfolger endgültig abgeschüttelt. ©  dpa/Robert Michael

Für ihn zählt nur die eigene Leistung, und mit der konnte er insgesamt zufrieden sein. „Mit dieser Einstellung und Moral kann man Ziele erreichen. Es war einfach geil heute“, sagt der Chefcoach. „Es war natürlich ein enorm wichtiger Sieg für uns, nach dem Unentschieden, das sich für uns nicht gut angefühlt hat.“

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Ein besonderer Druck sei dadurch vor dem zuvor zweimal abgesagten Spiel gegen Wiesbaden trotzdem nicht entstanden. „Das ist es doch immer“, sagt der 51 Jahre alte Fußballlehrer: „Wir haben immer diesen Druck, gewinnen zu wollen und vielleicht auch zu müssen. Wer bei so einem Verein wie Dynamo Dresden arbeitet, der muss das abkönnen.“ Die Druckphase der Wiesbadener am Ende übersteht seine Mannschaft jedenfalls schadlos.

So lief das Spiel: der Liveticker hier zum Nachlesen.

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