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Dynamos Aufstieg: Die Emotionen im Stadion

Nach dem 4:0-Sieg von Dynamo Dresden gegen Türkgücü München beginnt die Party auf dem Rasen – und es gibt ein klares Wort vom Trainer zur Zukunft.

Dynamo steht Kopf: Die Mannschaft feiert den Aufstieg auf dem Rasen, Heinz Mörschel nimmt Ransford-Yeboah Königsdörffer Huckepack.
Dynamo steht Kopf: Die Mannschaft feiert den Aufstieg auf dem Rasen, Heinz Mörschel nimmt Ransford-Yeboah Königsdörffer Huckepack. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Der Trainer summt nur mit, weil er den Text nicht kennt, während Kevin Broll den Vortänzer gibt. Es ist ein Kinderlied, aber eins, das irgendwie zu dieser Mannschaft passt, schon weil sie eine junge Truppe ist. Mit „Bibi und Tina“ feiern die Dynamo-Spieler im Kreis hüpfend den Aufstieg: „Sie jagen im Wind, sie reiten geschwind, weil sie Freunde sind.“ Und es sind deutlich mehr als elf, die diesen Erfolg feiern, der durchaus außergewöhnlich ist, gerade weil ihn vor der Saison die meisten erwartet haben. „Wir sind einfach eine Sportgemeinschaft, wir leben Dynamo Dresden“, sagt Torwart Broll nach diesem ungefährdeten 4:0-Sieg gegen Türkgücü München.

„Ich finde es einfach überragend, wie die Jungs zusammenhalten und was für eine Chemie in der Mannschaft herrscht“, meint Chefcoach Alexander Schmidt. Aus der Jubeltraube fliegt Kenta Kambara in die Höhe, sie lassen den Zeugwart hochleben. Beim Japaner fließen die Freudentränen, andere spritzen mit Bier, sechs Kästen stehen am Spielfeldrand für die erste Sause.

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Daferner feiert mit dem Greenkeeper

Mancher nimmt einen kräftigen Schluck, doch Christoph Daferner hält sich zurück. „Wenn ich ein Bier trinke, merke ich es direkt“, verrät Dynamos bester Torschütze. „Ich habe länger keinen Alkohol getrunken, deswegen muss ich langsam machen, damit es nicht unkontrolliert wird.“

Christoph Daferner jubelt nach seinem Tor zum 1:0 mit Platzwart Dietmar Vogt.
Christoph Daferner jubelt nach seinem Tor zum 1:0 mit Platzwart Dietmar Vogt. ©  dpa/Robert Michael

Im Spiel haben die Dresdner dank Daferner schnell alles unter Kontrolle, weil er auf die Chance lauert, die ihm Yiyoung Park mit einem zu kurz geratenen Kopfball serviert. Der Stürmer lupft den Ball über den Torwart, 1:0 in der 15. Minute. Danach läuft er auf den Greenkeeper zu, umarmt Dietmar Vogt. „Ich unterhalte mich nach jedem Spiel mit ihm“, erklärt der Torschütze. „Er hat mir immer Mut zugesprochen, wenn es mal nicht so gut lief.“

Wenig später ist Ransford-Yeboah Königsdörffer nicht nur schnell, sondern mit seinen 19 Jahren schon abgezockt, gewinnt erst das Sprintduell und lässt dann den Verteidiger aussteigen. Es ist das 2:0 nach 27 Minuten. Heinz Mörschel erhöht nach einem Konter in der 62. Minute, und als Panagiotis Vlachodimos mit dem Schlusspfiff den 4:0-Endstand erzielt, hat das Team an der Bank schon die Aufsteiger-T-Shirts an und die Mützen auf.

"Der zwölfte Mann" - die Hymne diesmal ohne Fans

Die SGD ist wieder da, wo sie sich vor knapp einem Jahr auch wegen der Umstände durch die Corona-Quarantäne nicht halten konnte. Was draußen passiert, bekommen sie drinnen nicht mit, vielleicht hören sie die Böllerschläge. „Der zwölfte Mann“, die Hymne, hallt durchs Stadion, normalerweise würden 30.000 Fans mitsingen. Es ist bitter, dass sie nicht live dabei sein dürfen, die Zusammenstöße einiger gewaltbereiter Anhänger mit der Polizei überschatten diesen Tag, an dem Fußball-Dresden eigentlich positiv in den Schlagzeilen sein sollte.

Schnell und abgezockt: Ransford-Yeboah Königsdörffer (l.) übersprintet den Münchner Alexander Sorge und vollendet eiskalt zum 2:0. Julius Kade jubelt mit ihm.
Schnell und abgezockt: Ransford-Yeboah Königsdörffer (l.) übersprintet den Münchner Alexander Sorge und vollendet eiskalt zum 2:0. Julius Kade jubelt mit ihm. ©  dpa/Robert Michael

Es ist gerade einmal drei Wochen her, als die Stimmung im Keller und die Mannschaft scheinbar am Boden war. Nach der 0:3-Pleite gegen Halle trennte sich der Verein von Trainer Markus Kauczinski, um mit Alexander Schmidt einen neuen Impuls zu setzen. Der kommt – und wie: fünf Spiele ungeschlagen in der 3. Liga, davon vier Siege, kein Gegentor kassiert, dazu das Halbfinale im Sachsenpokal erreicht. Schmidt bezieht seinen Vorgänger nach dem Spiel ausdrücklich ein: „Markus Kauczinski hat einen großen Anteil, er stand etliche Spieltage auf Platz eins.“

Genau genommen ist Dynamo nur deshalb zwischenzeitlich abgerutscht, weil man wegen der Corona-Quarantäne zwei Spiele weniger bestritten hatte. Doch nach enttäuschenden Leistungen war die Überzeugung verloren gegangen. Schmidt bringt die Trendwende. „Entscheidend war, dass ich in jeder Sekunde das Vertrauen gespürt habe von Ralf Becker (Sportgeschäftsführer/Anm. d. Red) und dem gesamten Umfeld“, sagt der 52 Jahre alte gebürtige Augsburger. „Sie haben mir den Rücken gestärkt und waren einverstanden mit der Art und Weise, wie ich Fußball spielen lassen will.“

Der Trainer sagt: "Es wäre für mich eine Ehre, ja"

Mit Power nach vorne, damit „wir die jungen Burschen in die Spur bringen, sie nicht lange überlegen, sondern im Vorwärtsgang verteidigen“, erklärt er sein Konzept. Das geht auf, weshalb sich die Frage aufdrängt, ob er in der zweiten Liga als Trainer bleibt. Bisher hatten Becker und er nur von einer Abmachung bis zum Saisonende gesprochen, aber nun ist der Aufstieg perfekt – und Schmidt hat ein gutes Gefühl, dass es weitergeht. „Ich hätte das Herz an der falschen Stelle, wenn ich etwas anderes sage. Es ist so eine geile Stadt, so geile Fans, so ein gutes Umfeld. Dazu eine junge Top-Truppe, die man weiterentwickeln kann“, meint Schmidt – und druckst nicht herum: „Es wäre für mich eine Ehre, ja.“

Das ist die Vorentscheidung in einem Spiel, in dem Dynamo eindeutig besser ist und hätte sogar noch höher gewinnen können: Heinz Mörschel jubelt nach seinem Treffer zum 3:0.
Das ist die Vorentscheidung in einem Spiel, in dem Dynamo eindeutig besser ist und hätte sogar noch höher gewinnen können: Heinz Mörschel jubelt nach seinem Treffer zum 3:0. ©  dpa/Robert Michael

Becker will am Sonntag nichts dazu sagen. „Erst einmal wird gefeiert“, lässt der Sportchef ausrichten. Wo die Party steigt, weiß der Chefcoach nicht. „Ich bin ein Gegner davon, so etwas zu planen, bevor die Messe gelesen ist“, meint Schmidt, kündigt jedoch an: „Es wird gefeiert, aber nicht exzessiv und ausufernd.“ Schließlich gilt es, noch zwei Ziele zu erreichen. „Wir wollen unbedingt Drittliga-Meister werden und auch das Pokalspiel nicht herschenken.“ Die Saison geht weiter: am Mittwoch im Sachsenpokal bei Lok Leipzig und am Pfingstsamstag in Wiesbaden.

Mindestens Marvin Stefaniak, Philipp Hosiner und Vlachodimos müssen sich zudem auf eine Reaktion ihres Co-Trainers gefasst machen. Heiko Scholz schafft es lange, der Bierdusche zu entkommen, bis ihn das Trio schließlich stellt. „Wer mich nass macht, wird es in der Woche im Training spüren“, meint er danach mit dem für ihn typischen Humor.

Zusammenarbeit auch nach dem Abpfiff: Ransford-Yeboah Königsdörffer und Panagiotis Vlachodimos (rechts) überschütten Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker nach dem besiegelten Aufstieg in die 2. Bundesliga mit Bier.
Zusammenarbeit auch nach dem Abpfiff: Ransford-Yeboah Königsdörffer und Panagiotis Vlachodimos (rechts) überschütten Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker nach dem besiegelten Aufstieg in die 2. Bundesliga mit Bier. ©  dpa/Robert Michael

Daferner will nach der Planerfüllung „erst mal was essen“. Die Riesenpizza wird direkt auf dem Rasen serviert, bevor es zur internen Party geht. „Wir sind alle getestet worden, von daher passt es ja“, meint Broll – und ist überzeugt: „Da kann nichts passieren.“ Er meint Corona, Königsdörffer hat dagegen etwas vor: „Ich werde mich besaufen“, sagt er – und lacht. „Ich weiß, Alkohol ist nicht gut, aber das ist eine Ausnahme heute.“ Und ein guter Grund allemal.

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