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Chancenlos in Überzahl: Dynamo in der Krise

Die 0:1-Niederlage in Darmstadt ist die dritte in Folge. Schlimmer ist die spielerische Leistung der Dresdner. Der Trainer spricht von schwierigen Zeiten.

Ein Aufreger gleich zu Beginn: Dynamos Yannick Stark liegt nach einem Foul von am Boden. Der Darmstädter Fabian Schnellhardt sieht die Rote Karte.
Ein Aufreger gleich zu Beginn: Dynamos Yannick Stark liegt nach einem Foul von am Boden. Der Darmstädter Fabian Schnellhardt sieht die Rote Karte. © dpa

Darmstadt. Wenn Dynamo in Darmstadt spielt, ist immer etwas los. Verschenkter Sieg, entlassener Trainer, verunglückter Fan - das ist die Kurzzusammenfassung der bisherigen drei Dresdner Auswärtsspiele beim hessischen Traditionsverein. Einen Sieg für Dynamo hat es noch nicht gegeben, und dabei ist es geblieben. Zudem gibt es wieder eine sehr ereignisreiche Partie.

Dynamos 0:1-Niederlage am Sonntagnachmittag, die dritte hintereinander in der zweiten Liga, ist dabei nur das eine. "Das war schon ein verdienter Sieg für Darmstadt, das müssen wir neidlos anerkennen", sagt Trainer Alexander Schmidt danach und stellt treffend fest: "Die schwierigen Zeiten sind jetzt da."

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Schlimmer als das Ergebnis sind schließlich die Umstände, denn schon nach acht Minuten ist klar, dass es diesmal hätte ganz anders kommen müssen. Ab dieser frühen Phase der Partie spielt Dynamo in Überzahl, nachdem Darmstadts Fabian Schnellhardt Dynamos gebürtigen Darmstädter Yannick Stark mit dem Fuß im Gesicht trifft und dafür die Rote Karte sieht. "Mir geht es ganz gut, ich spüre einen Druckschmerz. Er hat mich mit offener Sohle erwischt. Jetzt gibt es aber Schlimmeres", sagt Stark.

Ins Straucheln geraten sind Dynamo und Agyemang Diawusie im Stadion am Böllenfalltor.
Ins Straucheln geraten sind Dynamo und Agyemang Diawusie im Stadion am Böllenfalltor. © dpa

Er und auch der Trainer wissen: Schon ein Unentschieden ist angesichts so eines frühen Platzverweises eigentlich zu wenig. "Man sieht sich im Vorteil und denkt, es wird vielleicht leichter. Wird es aber nicht", erklärt Schmidt. Tatsächlich lehrt die Erfahrung, dass es die Sache für die Mannschaft in Überzahl oftmals komplizierter macht. So auch diesmal, zumal sich die Ereignisse in den Anfangsminuten überschlagen.

Ex-Dynamo Kempe erzielt das Tor des Tages

Zwei Minuten nach der Roten Karte liegt der neu in der Anfangself stehende Panagiotis Vlachodimos am Boden, wird lange behandelt, spielt kurze Zeit weiter, greift sich ans linke Knie - und wird wenig später auf einer Trage aus dem Stadion-Innenraum gebracht. Damit nicht genug, bereits in der 14. Minute kehrt sich der vermeintliche Vorteil um. Ex-Dynamo Tobias Kempe erzielt mit einem direkt verwandelten Freistoß - unter Mithilfe von Torwart Kevin Broll, der den Ball von seinen Händen an den Innenpfosten gleiten lässt - das 1:0 für Darmstadt. Das Stadion tobt, und Dynamos turbulente Woche mit dem Wirbel um den beurlaubten Pressesprecher Henry Buschmann geht unvermindert turbulent weiter.

Ausgerechnet ... So ist das ja oft im Fußball: Ex-Dynamo Tobias Kempe (r.) erzielt per Freistoß das Siegtor für Darmstadt.
Ausgerechnet ... So ist das ja oft im Fußball: Ex-Dynamo Tobias Kempe (r.) erzielt per Freistoß das Siegtor für Darmstadt. © dpa

Dass es nun beim Aufsteiger auch im sportlichen Bereich mit der Ruhe dahin ist, dürfte ebenfalls klar sein. Mit den drei Niederlagen in Serie sind die Dresdner auf Tabellenrang zehn abgerutscht, weiter mit sechs Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze. "Wir sind in der harten Realität der zweiten Liga angekommen", meint Schmidt. Besorgniserregender ist schließlich vielmehr die spielerische Leistung, konkret die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive verbunden mit torgefährlichen Aktionen im gegnerischen Strafraum. Das waren zuletzt beim 0:3 gegen Paderborn und dem 1:2 in Heidenheim schon nicht viel, und es werden immer weniger. Um es mit einer der modernen Fußballweisheit zu sagen: Der Trend ist gerade nicht Dynamos Friend.

Dynamos Erkenntnis: Kampf allein reicht nicht mehr

Dabei haben die Dresdner auch in Darmstadt vieles versucht und alles gegeben - nur ist das zu wenig, zumindest momentan. Beispielhaft dafür: Agyemang Diawusie, der in der 17. Minute für Vlachodimos eingewechselt und in der 73. Minute für Philipp Hosiner ausgewechselt wird. Wie einige seiner Mitspieler, unter anderem Ransford-Yeboah Königsdörffer und Morris Schröter, macht er die zu erwartende Erfahrung, dass in der zweiten Liga ein anspruchsvollerer Fußball gespielt wird als in Liga drei. Kampf allein reicht nicht, nicht einmal für ein Unentschieden gegen viel leidenschaftlicher auftretende Darmstädter.

Darmstadt spielt ab der neunten Minute in Unterzahl, aber das sieht nicht nur in dieser Szene anders aus: Die Darmstädter Klaus Gjasula (l.) und Patric Pfeiffer bedrängen Dynamos Ransford-Yeboah Königsdörffer beim Kopfball.
Darmstadt spielt ab der neunten Minute in Unterzahl, aber das sieht nicht nur in dieser Szene anders aus: Die Darmstädter Klaus Gjasula (l.) und Patric Pfeiffer bedrängen Dynamos Ransford-Yeboah Königsdörffer beim Kopfball. © dpa

Wille und Mentalität kann und will Schmidt der Mannschaft danach nicht absprechen, doch "in Sachen Cleverness und spielerische Note waren wir nicht stark genug", fasst der Trainer zusammen und bemängelt zudem fehlende Geduld. "Fußball ist manchmal gar nicht kompliziert. Heute waren wir nicht präzise genug. Und ein Mann mehr ist keine Garantie dafür, dass man jemanden an die Wand spielt", so Schmidt.

So rennen die Dresdner in der zweiten Halbzeit immer wieder an, haben bis zur 70. Minute fast doppelt so viele Pässe gespielt wie der Gegner. Nur hat Darmstadt wie schon in der ersten Hälfte mehr und vor allem die viel besseren Möglichkeiten. Statt Marcel Schuhen im Tor der Gastgeber steht immer wieder Broll im Fokus. Drei-, viermal rettet er den knappen Rückstand, der Dynamo bis zum Schluss die Chance auf den Ausgleich lässt.

Die Hoffnung schwindet: Platzverweis auch für Kade

Nur schwindet die Aussicht darauf zunehmend, erst recht nach dem Platzverweis für Julius Kade. Nach einem erneuten Foul sieht er in der 72. Minute die Gelb-Rote Karte. Das heißt: Auch die personellen Alternativen sind im Spiel am nächsten Sonntag rar, dann kommt Bundesliga-Absteiger Werder Bremen nach Dresden. Und eine Woche später muss Dynamo zum heimstarken FC St. Pauli. Aus drei Niederlagen hintereinander können so schnell fünf werden.

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In der 79. Minute bietet sich Stürmer Christoph Daferner, inzwischen seit vier Spielen torlos, dann doch die Chance auf den Ausgleich. Es ist die größte, de facto aber auch die einzige echte Tormöglichkeit. Bei seinem Kopfball aus Nahdistanz reagiert der Torwart sensationell, und ein bisschen Glück fehlt dem Torjäger ebenfalls. Auf der Gegenseite hätte längst das 2:0 fallen müssen, unter anderem vergibt Ex-Dynamo Erich Berko freistehend.

Am Ende steht es 0:1 aus Dynamo-Sicht - und das Fazit vom stellvertretenden Kapitän Stark: "Wir wurden jetzt dreimal hintereinander bestraft. Das sind bittere und schmerzhafte Niederlagen. Daraus sollten wir schnell lernen. "

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