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Magdeburgs Trainer traut Dynamo den Aufstieg zu

Als Profi hat Thomas Hoßmang in Dresden gespielt und ist nun unerwartet Cheftrainer in Magdeburg. Ein Gespräch.

Thomas Hoßmang (53), geboren in Hoyerswerda, spielte für Dynamo in der Bundesliga und stand mit Energie Cottbus im DFB-Pokalfinale.
Thomas Hoßmang (53), geboren in Hoyerswerda, spielte für Dynamo in der Bundesliga und stand mit Energie Cottbus im DFB-Pokalfinale. © dpa/Swen Pförtner

Herr Hoßmang, hätten Sie es vor einem Jahr für möglich gehalten, dass Sie als Cheftrainer des 1. FC Magdeburg in diese Drittliga-Saison gehen?

Nein, das war nicht mein Ansinnen. Ich bin jetzt im siebenten Jahr in Magdeburg und habe immer im Jugendbereich gearbeitet. Dann wurde ich Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, damit war klar, in welche Richtung meine beruflichen Ambitionen gehen.

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Welche Entscheidung fiel schwerer: Als Interimscoach einzuspringen oder bis 2022 zu unterschreiben?

Als mich Geschäftsführer Mario Kallnik fragte, ob ich als Interimscoach aushelfe, habe ich nicht lange überlegt. Ich wusste, was für den Verein auf dem Spiel steht, auch für das Nachwuchsleistungszentrum. Das Angebot, als Cheftrainer zu arbeiten, habe ich erst mal mit meiner Familie besprochen. Dann habe ich zugesagt, auch, weil Matthias Mincu, mit dem ich schon lange zusammenarbeite und ein funktionierendes Team bin, und Silvio Bankert als Co-Trainer dazugehören.

Wie lautet die Zielstellung?

Wir haben zehn Spieler geholt, zwei aus dem Nachwuchs hochgezogen. Mit der neu formierten Mannschaft wollen wir schnellstmöglich 46 Punkte erreichen. Letzte Saison haben wir am Ende noch 47 Zähler geschafft. Diesmal wollen wir das früher erreichen und in Ruhe unsere Arbeit machen.

Es gibt keine Garantie, seinen Trainervertrag bis zum Ende der Laufzeit erfüllen zu können. Wäre eine Rückkehr in den Nachwuchs möglich?

Für uns gibt es kein „Schiefgehen“. Wir wollen mit der Mannschaft arbeiten, etwas entwickeln und einen Prozess in Gang bringen und vertiefen. Deshalb schaue ich optimistisch und voller Energie auf die kommende Zeit. Ich bin seit 2014 hier im Verein, da geht man nicht einfach getrennte Wege, wenn es einmal nicht so läuft, wie alle gehofft haben.

Sie haben vor drei Jahren einen Schlaganfall erlitten. Spielte dieses Ereignis eine Rolle bei Ihrer Entscheidung?

Ja, aber nur eine untergeordnete. Der Zeitaufwand ist der Gleiche, wie zuvor als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Der Stressfaktor könnte hin und wieder an der Seitenlinie etwas höher sein. Aber ich bin ohnehin ein Mensch, der sich selbst unter Leistungsdruck setzt, egal, auf welcher Position. Dennoch achte ich seit dem Vorfall bewusster auf meine Gesundheit.

Wie haben Sie im August 2017 gemerkt, dass gesundheitlich etwas nicht passt?

Ich saß im Auto, fuhr nach Magdeburg und telefonierte über die Freisprechanlage. Plötzlich merkte ich, wie mir die Sprache verloren ging und ich nur noch lallte. Ich habe sofort angehalten und einen halben Liter Wasser getrunken. Danach konnte ich wieder einigermaßen reden und bin direkt ins Krankenhaus gefahren.

Wodurch wurde dieser Schlaganfall ausgelöst?

Durch eine Verengung der Halsschlagader. Der Schlag traf genau das Sprachzentrum im Gehirn. Mir konnte dann medikamentös geholfen werden. Jetzt nehme ich Tabletten gegen Bluthochdruck und achte auch sehr auf meinen Cholesterinwert, der damals ebenfalls zu hoch war.

Was machen Ihre Söhne Martin (34) und Benjamin (32), spielen sie noch Fußball?

Martin betreibt eine eigene Firma namens „HeimatSportler“, die Freiluft-Fitnesskurse in Hoyerswerda und Bautzen anbietet. Benjamin ist als Spielbeobachter bei unseren Bundesliga-A-Junioren tätig. Beide spielen diese Saison zusammen beim Kreisoberligisten LSV Bergen. Martin ist 2019 von Budissa Bautzen dorthin gewechselt, Benjamin hat jetzt die Töppen geschnürt. Sie wollten unbedingt noch einmal in einem Team spielen.

Am 10. Oktober steht das Gastspiel in Dresden an. Emotional eine besondere Partie für Sie?

Ich habe von 1994 bis 1996 bei Dynamo und dann noch von 1999 bis 2003 beim Dresdner SC gespielt. Ganz ehrlich, 17 Jahre später spielt das keine große Rolle mehr. Aber ich weiß, Duelle zwischen den beiden Vereinen sind immer etwas Besonderes. Ich hoffe, dass viele Zuschauer in Dresden zugelassen werden.

Wann waren Sie zum letzten Mal im Harbig-Stadion?

Oh, das ist schon länger her, müsste in der Saison 2018/19 gewesen sein. Thomas Da-the, der mich als DSC-Präsident 1999 nach Dresden holte und zu dem ich immer noch ein sehr gutes Verhältnis habe, hatte mich damals eingeladen.

Wer kehrt zuerst in die 2. Bundesliga zurück: Dresden oder Magdeburg?

Die Ausgangssituationen sind völlig unterschiedlich. Dynamo ist aus Liga zwei abgestiegen, wir haben mit Mühe die 3. Liga gehalten. Ich denke, die Dresdner haben eine spielstarke Mannschaft zusammengestellt, die um den Aufstieg mitspielen kann. Das ist im Moment nicht unser Thema, das wäre nach der Vorsaison vermessen.

Das Gespräch führte Jürgen Schwarz.

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