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Dynamos guter Anfang nimmt kein gutes Ende

Der Tabellenführer trennt sich von Bayern II mit 1:1. Der Kapitän sitzt zunächst auf der Bank. Und der Trainer denkt schon weiter, ans Spitzenspiel zweieinhalb Tage später.

Der eine fällt über den anderen, am Ende liegen beide am Boden: Dynamo-Ersatzkapitän Tim Knipping und Bayerns Ersatztorwart Lukas Schneller.
Der eine fällt über den anderen, am Ende liegen beide am Boden: Dynamo-Ersatzkapitän Tim Knipping und Bayerns Ersatztorwart Lukas Schneller. © dpa/Robert Michael

Dresden. Eine durchschnittliche Leistung und eine mutigere Schlussoffensive reichten am Ende nur für einen Punkt. Durch das Unentschieden gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern München verpassten es Dynamo, sich für die 0:3-Niederlage im Hinspiel zu revanchieren und sich an der Tabellenspitze deutlicher von den Verfolgern abzusetzen.

Das wurmte auch Markus Kauczinski. „Wir hatten eine gute Anfangs- und eine gute Schlussphase“, fand der Trainer, „aber insgesamt waren wir nicht gut genug für einen Sieg.“ Dynamo blieb durch das 1:1 am Mittwochabend nach zuletzt drei Siegen zumindest im vierten Spiel in Folge ungeschlagen. „So richtig kann ich es mir nicht erklären. Wir hatten uns vorgenommen, dem Gegner den Schneid abzukaufen. Ehrlich gesagt war es dann eher andersherum“, erklärte Verteidiger und Ersatzkapitän Tim Knipping, der seine Mannschaft „zu zögerlich“ und „zu zaghaft“ fand. Und er stellte treffend fest: „Erst als wir den Ausgleich kassiert haben, sind wir ein bisschen aufgewacht.“

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Im Vergleich zum ursprünglichen Termin am 29. Januar, als das Spiel wegen heftiger Schneefälle nur wenige Stunden vor dem Anpfiff abgesagt wurde, musste Kauczinski nicht mehr auf fünf Verteidiger verzichten, sondern nur noch auf drei Langzeitverletzte. Die damals gesperrten Sebastian Mai und Kevin Ehlers konnten wieder spielen, zudem ist Niklas Kreuzer, der am Tag der abgesagten Partie verpflichtet worden war, knapp einen Monat später mehr als eine Alternative – und stand auch in der Startelf.

Glücklich sieht anders aus. Dynamos Kapitän Sebastian Mai hat seine Rotsperre abgesessen, muss aber dennoch zunächst auf der Reservebank Platz nehmen.
Glücklich sieht anders aus. Dynamos Kapitän Sebastian Mai hat seine Rotsperre abgesessen, muss aber dennoch zunächst auf der Reservebank Platz nehmen. © Jan Huebner

Der Trainer hatte also die Wahl: Entweder die zuletzt sehr erfolgreiche und harmonierende Dreierkette sprengen oder Kapitän Mai auf die Bank setzen. Kauczinski entschied sich für Letzteres. „Ich musste da abwägen, das war nicht leicht. Die drei da hinten hatten es zuletzt wirklich gut gemacht. Trotzdem wissen wir um die Qualitäten von Basti, zum Beispiel seine Wucht und Präsenz bei Standards“, erklärte der Trainer.

Jene Qualitäten sind am Samstag im Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten Ingolstadt aber wohl mehr gefordert. Für die letzten 16 Minuten kam Mai doch noch. Er ersetzte den Ex-Bayern Paul Will im defensiven Mittelfeld.– und hätte beinahe noch einen Strafstoß verschuldet. „Es ist ein bisschen schade, dass der Schiri den Elfmeter nicht gegeben hat“, meinte zumindest der Bayern-Trainer Holger Seitz nach einem schnellen Videostudium.

Die Münchner mussten nicht nur auf Stammtorhüter Ron-Thorben Hoffmann verzichten, der am Dienstagabend noch beim Münchner 4:1-Sieg in der Champions League bei Lazio Rom auf der Bank gesessen hatte. Der Drittliga-Meister der Vorsaison war stark ersatzgeschwächt nach Dresden geflogen und geriet bereits nach neun Minuten in Rückstand.

Nach einer von Will getretenen Ecke stieg Christoph Daferner am höchsten und erzielte mit einem platzierten Kopfball die Führung und seinen neunten Saisontreffer. Es war sein drittes Tor im dritten Spiel in Folge. Doch auch der Vorlagengeber sorgte für eine Kuriosität: In der dritten Partie in Serie führte ein Eckball von Will zu einem Treffer.

Der verletzte Yannick Stark tippt 2:0 - und liegt daneben

Mehr Sicherheit brachte die frühe Führung jedoch nicht. Die Bayern wurden immer mehr spielbestimmend, hatten viel Ballbesitz, ohne jedoch gefährlich zu werden. „Sie haben uns vor Probleme gestellt“, stellte Kauczinski fest, kritisierte aber vor allem das eigene Team. Denn nach Ballgewinn versäumten es die Dresdner immer wieder, die sich bietende Räume zu nutzen. „Wir haben die Bälle da zu schnell wieder verloren, haben nicht so in die Tiefe gefunden, wie wir das in der Vergangenheit schon gezeigt haben“, so Kauczinski.

Schon zwei Minuten nach der Führung hätte der Ausgleich fallen können. Ehlers grätschte in einen Kopfball, fälschte ihn gefährlich ab, hatte aber Glück, dass die Brust von Torhüter Kevin Broll den Gegentreffer und das Eigentor verhinderte. „Da ist mir das Herz in die Hose gerutscht“, gestand der an der Schulter verletzte Yannick Stark in der Halbzeitpause, der auf ein 2:0 am Ende tippte und sich irrte.

Kevin Broll kann nur zuschauen, wie der Ball ins Tor geht. Bei dem Freistoßtreffer trifft Dynamos Torwart auch eine Mitschuld.
Kevin Broll kann nur zuschauen, wie der Ball ins Tor geht. Bei dem Freistoßtreffer trifft Dynamos Torwart auch eine Mitschuld. © dpa/Robert Michael

Nach der Pause änderte sich zunächst wenig, die Münchner waren nach zwei Wechseln noch einen Tick aggressiver und mutiger. Der Ausgleich fiel dennoch etwas überraschend. Nach einem Foul von Kreuzer traf Maximilian Welzmüller mit einem direkten Freistoß aus 18 Metern – und das in die Torwartecke (68.). Broll spekulierte auf die andere, tippelte zwei Schritte in die Mitte und wurde überrascht. Zwangsläufig wurden Erinnerungen ans Hinspiel wach, als der Keeper beim 1:0 und dem Freistoß von Jan-Fiete Arp nicht gut aussah.

Erst in der Schlussviertelstunde drängte Dynamo vehementer auf den Siegtreffer und hatte dabei auch Pech. Den Schuss von Niklas Kreuzer parierte Hoffmann-Vertreter Lukas Schneller, der dabei den Pfosten als Verbündeten hatte. Wenig später fälschte Kevin Ehlers einen Schuss von Heinz Mörschel ab, der Ball trudelte zwar hinter die Linie, doch Dynamos Verteidiger stand klar im Abseits. „Es waren nicht alle in der optimalen Verfassung, wirkten nicht alle so frisch“, urteilte Kauczinski.

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Mit dem Unentschieden vergrößerte Dynamo zwar den Vorsprung auf den Relegationsplatz auf sechs Punkte, hat aber eine Partie mehr bestritten als die Verfolger Ingolstadt und Rostock. Am Samstag kommt es nun zum Spitzenspiel gegen Ingolstadt. "Zweieinhalb Tage Pause, das ist nichts", meinte Kauczinski. Eine Steigerung ist dann dennoch nötig.

Hier der Liveticker zum Nachlesen.

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