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Bei Dynamo gilt: Abheben verboten!

Nach vier Siegen in Folge stehen die Dresdner auf einem Aufstiegsplatz, und jetzt kommt Uerdingen. Warum das gefährlich ist.

Abheben bei Christoph Daferner – eigentlich unmöglich. Es sei denn, er wird im Zweikampf unsanft gebremst.
Abheben bei Christoph Daferner – eigentlich unmöglich. Es sei denn, er wird im Zweikampf unsanft gebremst. © Lutz Hentschel

Dresden. Dynamo steht immer auch für Extreme, die Stimmungslage inklusive. Entweder ist alles richtig schlecht oder die Euphorie schnell so groß, dass es ebenfalls kaum förderlich sein kann. Dazwischen gibt es nicht viel. Das macht den nächsten Gegner umso gefährlicher. Nach vier Siegen hintereinander verbunden mit dem Vorrücken auf den Aufstiegsplatz kommt am Samstag der KFC Uerdingen nach Dresden – und bei Dynamo der Schlendrian?

Die Wettquoten stehen klar auf Heimsieg, aus leidgeprüfter Dynamo-Erfahrung müsste man indes fast instinktiv auf die Mannschaft aus dem Rheinland setzen. Es wäre schließlich nicht das erste Mal ... Natürlich wird auch die aktuelle Siegesserie irgendwann enden, schon bei einem Unentschieden wäre das ja streng genommen der Fall. Vielmehr steht zu befürchten, dass Dynamo den Gegner unter- und sich selbst im Überschwang der Gefühle überschätzt.

Stars im Strampler aus Bautzen
Stars im Strampler aus Bautzen

Auch in der letzten Woche sind Babys auf die Welt gekommen, die in Bautzen und Umgebung zu Hause sind.

Das jüngste Beispiel ist gar nicht lange her. Nach einem furiosen Saisonstart (Sieg im DFB-Pokal gegen Hamburg, vier Punkte aus den ersten zwei Ligaspielen) zeigte die Mannschaft plötzlich am dritten Spieltag gegen Bayern München II eine der schlechtesten Leistungen bislang und verlor unerwartet deutlich, aber hochverdient mit 0:3.Die Gefahr, entgegnet Christoph Daferner, besteht diesmal nicht.

Auch er kann natürlich nicht die Fortsetzung der Erfolgsserie versprechen und befindet sich damit in bester Gesellschaft mit Trainer Markus Kauczinski (der inzwischen regelmäßig betont, Ergebnisse nicht garantieren zu können). Daferner hat jedoch in den vergangenen Wochen etwas Grundsätzliches in der Mannschaft festgestellt: „Wir haben keine Egos dabei“, sagt der Stürmer, der unbedingt zu nennen ist, wenn es darum geht, Dynamos Erfolg an Namen festzumachen.

Die Mannschaft puzzelt sich so langsam zusammen

Vier Tore hat der Neuzugang bereits erzielt, darüber hinaus wirkt er als Vorbereiter, nimmermüdes Laufwunder – und trotz seiner erst 23 Jahre schon sehr gereift. In Freiburg hat Daferner, der aus der bayerischen Provinzdorf Pöttmes stammt, bislang gespielt, zuletzt eine Saison in Aue. Beschauliche Fußballbiotope sind das im Vergleich zum extremen Dresden. Doch Daferner fühlt sich sichtlich wohl, auch über das Spielfeld hinaus.

Und das Kabinenklima ist nicht zu unterschätzen, wenn es im Sport darum geht, Erklärungen für den Erfolg zu finden. „Die erfahrenen Spieler nehmen uns junge an die Hand. Es ist einfach ein gutes und respektvolles Miteinander in der Mannschaft“, sagt Daferner. Das Wichtigste sei, ergänzt er, „dass sich jeder für den anderen freuen kann. Es geht nicht um einzelne Spieler. Wir haben alle ein gemeinsames Ziel und das verbindet uns. Jeder muss sein Teil zum Puzzle beitragen."

Das entstehende Gesamtbild wird tatsächlich immer besser sichtbar, wobei die vier Siege jetzt die Lust und Laune am Puzzeln noch mal beschleunigt haben. „Man merkt inzwischen das Selbstvertrauen von jedem Spieler und der Mannschaft insgesamt. Wir vertrauen unseren Stärken und haben eine gute Präsenz auf dem Platz“, erklärt Daferner, und er sagt auch das, was sie derzeit alle bei Dynamo sagen: Dass eine neu zusammengestellte Mannschaft einfach Zeit braucht. „Wir haben junge Spieler dabei, da dauert es etwas, bis sie sich akklimatisieren“, sagt Daferner und meint vermutlich auch sich selbst.

"Hier verliert keinen den Boden unter den Füßen"

Nun ist ziemlich genau das erste Saisondrittel rum. So langsam festigen sich Abläufe sowohl intern als auch auf dem Platz, setzt sich individuelle Qualität durch und die Erkenntnis, es nur gemeinsam zu schaffen. Allerdings ist eben auch erst nur ein Drittel geschafft. „Die Chancen stehen relativ hoch, dass hier keiner den Boden unter den Füßen verliert. Wir stehen erst bei 13 Spielen. Da ist noch einiges zu gehen“, verdeutlicht Daferner.

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Noch eindringlicher formuliert es Spielmacher Patrick Weihrauch: „Wir müssen einfach am Boden bleiben. Jedem sollte bewusst sein, dass die Liga brutal eng ist und jeder jeden schlagen kann.“ Und gerade Uerdingen hat sich offenbar darauf spezialisiert, gegen die Spitzenteams der Liga zu punkten. Gegen Tabellenführer Saarbrücken gab es sogar einen 1:0-Sieg.

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