merken
PLUS Dynamo

Dynamo hat keinen Platz mehr für Stefaniak

Der Hoffnungsträger ist nur noch Reservist, aber längst nicht der einzige Verlierer inmitten der Siegesserie. Der Luxuskader hat seine ersten echten Härtefälle.

Die Oberschenkelverhärtung, weiß nun auch Marvin Stefaniak, kam zur Unzeit. Dynamo hat ohne ihn eine Siegesserie gestartet, und der 25-Jährige ist seinen gerade erkämpften Stammplatz wieder los.
Die Oberschenkelverhärtung, weiß nun auch Marvin Stefaniak, kam zur Unzeit. Dynamo hat ohne ihn eine Siegesserie gestartet, und der 25-Jährige ist seinen gerade erkämpften Stammplatz wieder los. © dpa/Robert Michael

Dresden. Zwei Dinge vorweg: Das Fußballgeschäft ist ein besonders schnelllebiges. „Was heute richtig ist, kann morgen schon wieder falsch sein“, sagt Markus Kauczinski, und Dynamos Trainer spricht da aus eigener, langer Erfahrung. Und zweitens, auch das wissen er und alle anderen Verantwortlichen in der Branche, entscheiden am Ende allein die Ergebnisse.

Für Marvin Stefaniak und einige seiner Mitspieler sind das beruhigende Nachrichten – und auch wieder nicht. Vier Siege hintereinander (sehr souverän erzielt), Tabellenplatz zwei (punktgleich mit Spitzenreiter Saarbrücken) und die Erkenntnis, nun offenbar das passende Spielsystem für diese Mannschaft zu haben (Abwehrdreierkette und zwei Stürmer), sorgen natürlich für gute Gefühle. „Warum soll die Serie jetzt nicht noch weitergehen“, meint unter anderem Spielmacher Patrick Weihrauch, der als regelmäßiger Torvorbereiter großen Anteil am aktuellen Aufschwung hat.

Oppacher Mineralquellen
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Oppacher füllt Heimat in Flaschen ab und überzeugt seine Kunden mit regionalem Mineralwasser in ausgezeichneter Qualität.

Wo Sieger sind, das ist ebenfalls ein Teil des Sports, muss es aber immer auch Verlierer geben, selbst innerhalb einer Mannschaft. Und bei Dynamo ist das allen voran Marvin Stefaniak.

Als Neuzugang mit zuletzt wenig bis keiner Spielpraxis brauchte Marvin Stefaniak etwas Zeit, um sich in die Mannschaft zu spielen. Überzeugen konnte er auch deshalb bislang noch nicht.
Als Neuzugang mit zuletzt wenig bis keiner Spielpraxis brauchte Marvin Stefaniak etwas Zeit, um sich in die Mannschaft zu spielen. Überzeugen konnte er auch deshalb bislang noch nicht. ©  dpa/Matthias Rietschel

Anfang September mit großen Erwartungen zurückgekehrt, galt der 25-Jährige in der kleinen Herbstkrise mit den drei Niederlagen aus vier Spielen als Hoffnungsträger mit seinem Potenzial, seiner Erfahrung und der Identifikation mit dem Verein. Den gerade erst eingenommenen Stammplatz im zentralen offensiven Mittelfeld, wo ihn der Trainer am besten aufgestellt sieht, ist Stefaniak jedoch gleich wieder losgeworden. Seine Oberschenkelverhärtung in der Woche vorm Auswärtsspiel in Rostock kam zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt, wie sich inzwischen herausgestellt hat.

Mit diesem Spiel hat Dynamo nicht nur endgültig die Siegesserie gestartet, sondern der zu Saisonbeginn schon mal überzeugende Weihrauch seine Formkrise überwunden. Vier Torvorlagen, ein Treffer und darüber hinaus sehr überzeugende Leistungen – wenn der Aufschwung ein Mensch wäre, hätte er die Beine von Weihrauch und den Kopf von Marco Hartmann, Dynamos neuem Abwehrchef.

Für Stefaniak bleibt da zunächst, Stichwort schnelllebiges Geschäft, erst mal nur die Rolle als Edelreservist. Beim 3:0-Sieg in Duisburg vergangenen Sonntag kam er in der 71. Minute für Weihrauch ins Spiel, vier Tage zuvor beim 2:0-Erfolg gegen Unterhaching gar nicht.

Auch Außenverteidiger werden nicht gebraucht

Stefaniak, der bis zum Saisonende vom Bundesligisten Wolfsburg ausgeliehen ist und in den drei vergangenen Jahren trotz verschiedener Leihen wenig bis keine Einsatzzeiten hatte, gibt sich demütig. Bereits im ersten Interview nach seiner Rückkehr hat der gebürtige Hoyerswerdaer betont, keine Ansprüche zu stellen: „Ich habe alles auf null gedreht, ich muss nicht spielen. Es wird nach Leistung abgerechnet, und wenn ich die bringe, wird es der Trainer entscheiden. Ich bin da, um der Mannschaft zu helfen: auf und neben dem Platz, auch, wenn ich von der Bank komme.“

Letzteres ist derzeit sein Stammplatz, Stefaniak damit aber längst nicht allein. Auch Robin Becker und der nach seiner Knieverletzung im Aufbautraining befindliche Chris Löwe werden sich in einer ruhigen Minute schon mal gefragt haben, wo sie denn jetzt spielen könnten. Als klassische Außenverteidiger, Löwe auf der linken Seite und Becker rechts, haben sie zudem noch ein ganz anderes, gravierenderes Problem als Spielmacher Stefaniak.

Ransford-Yeboah Königsdörffer ist eigentlich Stürmer, besetzt bei Dynamo derzeit aber die rechte Außenbahn. Mit seiner Schnelligkeit kompensiert er Defensivschwächen. Tore schießt er außerdem.
Ransford-Yeboah Königsdörffer ist eigentlich Stürmer, besetzt bei Dynamo derzeit aber die rechte Außenbahn. Mit seiner Schnelligkeit kompensiert er Defensivschwächen. Tore schießt er außerdem. ©  dpa/Robert Michael

Ihre Position sieht die Aufstellung gar nicht vor, seitdem Dynamo in der Abwehr auf Dreierkette umgestellt und damit zu ungeahnter Stabilität gefunden hat. Ob der Trainer notgedrungen diese Formation gewählt hat (wegen verletzter Außenverteidiger), aus Überzeugung oder mit der Absicht, dem lange verletzt fehlenden Hartmann eine nicht so laufintensive Position beim Comeback zu verschaffen, ist dabei unerheblich. Fragt man in der Mannschaft nach einer Erklärung für die Siege zuletzt, ist das Spielsystem der mit Abstand am häufigsten genannte Grund.

„Ich glaube, wir organisieren das ziemlich gut und müssen untereinander auch gar nicht so viel reden. Wir verstehen uns, kennen die Wege“, sagt Kapitän Sebastian Mai. Er bildet zusammen mit Hartmann und Tim Knipping das viel gelobte Verteidiger-Trio, spricht von einer wichtigen Basis und zählt dazu auch das Rollenverständnis von Jonathan Meier und Ransford-Yeboah Königsdörffer. Beide beackern jeweils die komplette Außenbahn, Meier links, Königsdörffer rechts und machen das laut Mai „momentan sehr, sehr gut“.

Ob die Betonung auf „momentan“ liegt oder dem doppelten „sehr“ – vermutlich hört jeder etwas anderes heraus. Fakt ist, dass Löwe schon in der Vorsaison mit dem so ähnlich gespielten System unter Trainer Cristian Fiel fremdelte und Becker bislang kaum durch Offensivvorstöße glänzte.

Marco Hartmann, hier mit Pflaster überm Auge und im Gespräch mit Kapitän Sebastian Mai, ist bei Dynamo neben Spielmacher Patrick Weihrauch der personifizierte Aufschwung.
Marco Hartmann, hier mit Pflaster überm Auge und im Gespräch mit Kapitän Sebastian Mai, ist bei Dynamo neben Spielmacher Patrick Weihrauch der personifizierte Aufschwung. © dpa/Robert Michael

Dass zumindest im Dynamo-Umfeld angesichts der zeitgleich verletzt ausfallenden Löwe und Becker über eine Rückholaktion des immer noch vereinslosen Außenverteidigers Niklas Kreuzer diskutiert wurde, wirkt wie aus einer anderen Zeit. Dabei ist das gerade mal sechs Wochen her.

Mittlerweile hat der Trainer ganz andere Themen – denn Dynamos Luxuskader die ersten echten Härtefälle, zu denen auch Agyemang Diawusie gehört. Der Neuzugang, in den ersten sieben Spielen unumstrittener Stammspieler, wird derzeit bestenfalls eingewechselt. Von Panagiotis Vlachodimos ganz zu schweigen: Für ihn, am Saisonbeginn ebenfalls gesetzt, war zuletzt nicht mal mehr ein Platz auf der Reservebank übrig.

Glaubt man Kapitän Mai, ist das alles jedoch kein Problem. Auch die, „die momentan vielleicht etwas hintendran sind“, wie er sagt, würden im Training voll mitziehen. „Jeder gibt Vollgas, und das macht uns ja so gut“, meint Mai.

Weiterführende Artikel

Dynamos Stefaniak: „Verstehe die Aufregung nicht“

Dynamos Stefaniak: „Verstehe die Aufregung nicht“

Kein Platz mehr für den Rückkehrer? Nach einer Verletzung ist der 25-Jährige den Platz in der Startelf vorerst los. Wie er darüber denkt, sagt er im Interview.

Dynamo gibt zwei Talenten Profiverträge

Dynamo gibt zwei Talenten Profiverträge

Seit einem Monat trainiert das Duo bereits mit der Drittliga-Mannschaft, ab Sommer bekommen die beiden 18-Jährigen auch mehr Geld.

Dynamo gegen Uerdingen? Da war doch was...

Dynamo gegen Uerdingen? Da war doch was...

Für die einen ist es das Jahrhundertspiel, in Dresden die "Schmach von Uerdingen". Und nach der 3:7-Niederlage flüchtet auch noch Frank Lippmann. Seine Erinnerungen.

Dynamo muss die Erfolgself umbauen

Dynamo muss die Erfolgself umbauen

Erst jetzt stellt sich heraus, dass sich Mittelfeldspieler Paul Will beim Sieg gegen Duisburg eine Sehne am Sprunggelenk eingerissen hat und ausfällt.

Kauczinski bleibt ohnehin gelassen und profitiert dabei von fast 30 Jahren Arbeit als Cheftrainer in den unterschiedlichsten Alters- und Spielklassen. „Ich habe das alles schon mal erlebt. Das macht es für mich natürlich händelbarer. Ich weiß“, sagt er, „dass ich Antworten finden werde, die haben wir immer gefunden.“ Was immer das für Stefaniak und Co. bedeutet.

Alles Wichtige und Wissenswerte rund um Dynamo - kompakt jeden Donnerstagabend im Newsletter SCHWARZ-GELB, und immer mit Gewinnspiel. Jetzt hier kostenlos anmelden.

Mehr zum Thema Dynamo