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Dynamos Torwart wütet: "Das ist Jugendfußball bei uns"

Nach Dynamos Niederlage in Regensburg redet sich Kevin Broll in Rage. Mit harten Worten kritisiert er seine Mannschaft. Der Trainer relativiert - und sucht das Gute.

Von Tino Meyer
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Dynamos Torwart Kevin Broll ist enttäuscht und sauer über die Niederlage in Regensburg. Danach redet er Klartext.
Dynamos Torwart Kevin Broll ist enttäuscht und sauer über die Niederlage in Regensburg. Danach redet er Klartext. ©  Archiv: dpa/Robert Michael

Regensburg. Es brodelt in Dynamos Torwart Kevin Broll, und das schon während des Spiels seiner Mannschaft in Regensburg. Einmal tritt er gegen den Pfosten, dann schreit er die Mitspieler an, später winkt er ab. Dresdens 1:3-Niederlage gegen den Tabellenzweiten der 2. Fußball-Bundesliga am Freitagabend ist dabei an sich nicht mal das Problem. Kann passieren, erst recht, wenn die einen gerade einen Lauf haben (Regensburg) und bei den anderen seit ein paar Wochen nichts mehr so richtig zusammenpasst (Dresden).

Doch Broll ist wütend über das Zustandekommen der Niederlage, die Art und Weise also, wie sich Dynamo nach einem 0:1-Pausenrückstand und dem sehr verdienten Ausgleich kurz nach dem Wiederanpfiff durch Christoph Daferner in der Schlussphase das zweifellos verdiente Unentschieden wieder nehmen lässt.

"Die erste Halbzeit war komplett daneben, es hat einfach gar nichts geklappt. Diese Konzentration nach vorne, das ist das Problem, dass wir schon die letzten zehn, elf, zwölf Spiele haben. Das müssen wir jetzt einfach besser machen, und dafür gibt es auch keine Ausreden", sagt Broll direkt nach der Partie im Interview mit der ARD. Und dann redet sich der Torwart so richtig in Rage.

Der Reporter muss nicht mal mehr nachfragen, Enttäuschung, Wut und Ärger nach der vermeidbaren Niederlage müssen raus, nachdem Regensburg mit einem Doppelschlag in der 80. und 82. Minute den 3:1-Endstand herstellt. Broll jedenfalls ist reichlich bedient. "Das zweite Gegentor", schimpft er, "kriegen wir durch einen Eckball, da verteidigen wir schon vorher schlecht. Dann gibt es auf einmal ein Riesenchaos vor mir, keiner wusste, wo er stehen soll."

Tatsächlich stimmt die Zuordnung noch nicht wieder, weil kurz zuvor sowohl die Regensburger als auch Dresden gewechselt hatten. Allerdings passen die Größenverhältnisse danach nicht mehr. Regensburg bringt den 1,92 Meter großen Kaan Caliskaner, der schließlich dann per Kopf das 2:1 erzielt. Dynamos Trainer Alexander Schmidt will daraufhin Pascal Sohm (1,86) einwechseln, muss in der 79. Minute aufgrund der Verletzung des Außenverteidigers Guram Giorbelidze jedoch positionsgetreu Chris Löwe (1,76) bringen – und bei Standards die Grundordnung ändern, was nicht auf Anhieb klappt.

So kann Caliskaner nach einem Eckball in der 80. Minute unbedrängt das 2:1 erzielen. Oder wie es Broll ausdrückt: "Flanke kommt, Kopfball, Tor, Dankeschön, adé, war schee." Sein Gesicht spricht Bände, der Torwart ist pappesatt.

Schließlich hätte sich Dynamo ein Unentschieden verdient, aufgrund der starken 20, 25 Minuten nach der Pause wäre vielleicht sogar noch mehr drin gewesen. Am Ende steht die nächste Niederlage, die neunte insgesamt (nur Schlusslicht Ingolstadt hat mehr) und vor allem ein Rückschlag nach dem Aufbruchsignal mit dem 1:0-Heimsieg in der Woche zuvor gegen Düsseldorf.

"Das kapiert keiner, da kannst du jeden fragen. Da wird jeder hier stehen und sagen: Keine Ahnung. Das sind einfach grundlegende Dinge, da man muss man einfach den Arsch in der Hose haben und Fußball spielen bis zur 90. Minute", wettert Broll.

Und dann wird er prinzipiell: "Als wir hier Fußball gespielt haben, hat man gesehen, spielen wir uns auch Chancen heraus. Doch auf einmal machen wir wieder viel zu wenig, lassen uns hinten reindrücken, wofür ich keinen Grund gesehen habe. Das ist einfach der Unterschied zwischen Männerfußball und Jugendfußball bei uns."

Eine Frage stellt der Reporter dann noch: Ob die Mitspieler ähnlich angefressen seien wie er. Broll guckt, zuckt kurz mit den Schultern und stellt fest: "Ist mir scheißegal, was die gerade denken. Ich bin sauer."

Sein Trainer versucht indes, die positive Grundstimmung zumindest nach außen nicht zu verlieren. "Es kommt in dieser Saison darauf an, dass du gegen Widerstände ankämpfst und sie als Herausforderung annimmst. Es wird immer wieder Rückschläge geben", erklärt Schmidt.

In der Sache gibt er Broll aber recht. "Ich weiß nicht, ob das Kopfballtor so gefallen wäre, wenn wir anders hätten wechseln können. Diesmal hat es uns den Punkt gekostet, dass wir die Kopfballduelle nicht so bestreiten konnten", analysiert Schmidt und spricht von fünf, sechs Schlüsselmomenten.

Vor allem aber sucht er weiter das Gute und Konstruktive statt Ausreden zu gebrauchen. Dass mit Kevin Ehlers und Luca Herrmann kurzfristig zwei vermeintliche Stammspieler coronabedingt ausfielen, dass er daraufhin die Abwehrkette das x-te Mal umstellen musste, dass im bevorstehenden Heimspiel am Sonntag gegen den derzeit in Top-Form spielenden Karlsruher SC aufgrund des sächsischen Sport-Lockdowns keine Fans dabei sein können – für Schmidt allesamt nebensächlich. "Das Schlechteste, was wir jetzt machen können, wäre zu jammern", sagt der Trainer.