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Dynamos Neuer mit dem berühmten Bruder im Tor

Panagiotis Vlachodimos ist Stürmer und ein Fußball-Weltenbummler. Nicht nur das unterscheidet die beiden Geschwister.

Panagiotis Vlachodimos möchte in die zweite Liga.
Panagiotis Vlachodimos möchte in die zweite Liga. © Lutz Hentschel

Dresden. Es hätte ein Einstand werden können, wie man ihn sich wünscht als Fußballprofi, der gerade zu einem neuen Verein gewechselt ist: Erstes Pflichtspiel, Elfmeter in der Nachspielzeit und der Neuzugang steht als selbstbewusster Schütze auf dem Platz. Dumm nur, dass kurz vorher bereits seine Auswechslung beim Vierten Offiziellen angemeldet worden war. Bei der nächsten Unterbrechung, eben dem Elfmeterpfiff, musste Panagiotis Vlachodimos also runter, Kapitän Sebastian Mai verwandelte den Strafstoß zum 4:1-Endstand bei Dynamos Pokalsieg gegen den Hamburger SV.

„Natürlich hätte ich gerne geschossen“, meint Vlachodimos, um sofort zu beteuern: „Aber es war nicht so schlimm. Ich mache mir da keine Gedanken mehr drüber.“ Wirklich? Stürmer sind nicht unbedingt dafür bekannt, dass sich ihre Laune verbessert, wenn ihnen ein Tor geklaut wird – oder die Riesenchance auf eins genommen.

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Doch auch ohne Elfmeter und dem ersten Pflichtspieltor für Dynamo gehörte der 28-Jährige gegen den HSV zu den Auffälligsten. Am Freitag in Kaiserslautern dagegen war er nach dem Platzverweis gegen Paul Will wie seine Nebenleute vor allem damit beschäftigt, die 1:0-Führung zu verteidigen. Nicht dribbeln und schießen, sondern ablaufen und grätschen – eine eher ungewohnte Aufgabe für ihn. „Das Wichtigste ist doch, Spiele zu gewinnen und nicht, ob man offensiv oder defensiv agiert. Wir waren ein Mann weniger, da wurde jeder gebraucht, auch der Außenstürmer. Wenn sich nicht jeder in die Schüsse geworfen hätte, wäre das Spiel verloren gegangen.“

Panagotios' Bruder Odysseas spielt mit Benfica Lissabon schon in der Champions League.
Panagotios' Bruder Odysseas spielt mit Benfica Lissabon schon in der Champions League. © nordphoto

Vlachodimos kennt die 3. Liga gut, spielte in der Vorsaison für Großaspach. Der kleine Verein im Neckarbecken passt eigentlich nicht zu den anderen des Fußball-Weltenbummlers, Dynamo ist seine zehnte Station. Davor kickte der Deutsch-Grieche für Klubs wie den FC Augsburg, Olympiakos Piräus, Panathinaikos Athen und Olympiques Nimes. „Der Wechsel nach Großaspach hatte private Gründe. Wir wollten wegen der Geburt unserer Tochter nach Hause“, erzählt er. Vlachodimos stammt aus Stuttgart, die kleine Luise ist ein Jahr. „Außerdem wollte ich mich auf dem deutschen Markt anbieten. Ich denke, das hat geklappt.“

Dynamo ist auf ihn aufmerksam geworden und hat den schnellen Angreifer bis 2022 plus Option auf eine weitere Saison verpflichtet. „Ich habe vor, länger hier zu bleiben“, sagt er. Drei Jahre an einem Ort wäre in seinem Fall bereits eine Form von Sesshaftigkeit. Dynamo reiht sich auch wieder besser in seine Vereinsvita ein – den Vergleich mit Benfica Lissabon verlieren die Schwarz-Gelben jedoch. Beim portugiesischen Serienmeister und Champions-League-Teilnehmer steht Vlachodimos‘ zwei Jahre jüngerer Bruder Odysseas im Tor. Mit einem Marktwert von 16 Millionen Euro gehört er zu den begehrtesten Keepern weltweit, Panagiotis wird auf 325.000 Euro taxiert. 

Es ist nicht der einzige Vergleich, der zwischen den sich sehr ähnlich sehenden Geschwistern gezogen wird. Bei seiner ersten Interviewrunde mit Dresdner Journalisten soll der Neuzugang immer wieder Fragen zum berühmten Bruder beantworten und über Verhältnis zu ihm. Der Stürmer macht das geduldig und lässt sich zumindest nicht anmerken, falls ihn das stören sollte. „Natürlich bin ich – und ist die ganze Familie – stolz auf ihn“, sagt er.

Der eine für Deutschland, der andere für Griechenland

Ein klein wenig gibt er sich auch einen Anteil am Aufstieg des jüngeren Bruders. „Ich wollte als kleiner Junge immer aufs Tor schießen, deshalb habe ich ihn da reingestellt“, erzählt er und grinst. Ab 2016 spielten sie anderthalb Jahre gemeinsam bei Panathinaikos, es war eine schöne Zeit, sagt der Stürmer. Gemeinsame Fahrten zum Training, gemeinsame Essen im Restaurant, die Wohnungen ein Kilometer voneinander entfernt. Jetzt sehen sie sich noch zweimal im Jahr, in der Winter- und in der Sommerpause, telefonieren aber täglich. 

„Vom Typ her sind wir schon sehr ähnlich – bodenständig, konzentriert, erfolgsbesessen“, zählt er auf. „Odysseas ist nur ein bisschen ruhiger als ich.“ Das wirkt sich bis auf die Transferaktivitäten aus. Benfica ist nach dem VfB Stuttgart und Athen erst die dritte Profistation des Schlussmanns.

Und es gibt noch einen Unterschied: Panagiotis hat für die griechische U19 und U21 gespielt, sein Bruder alle deutschen Nachwuchs-Auswahlteams durchlaufen. Nachfolger von Manuel Neuer in der Nationalmannschaft kann Odysseas allerdings nicht mehr werden, bei den Männern entschied er sich dann doch für Griechenland. „Ausschlaggebend war bei uns immer, welcher Verband zuerst angeklopft hat“, erzählt der Neu-Dresdner Panagiotis.

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Seinen Einstand bei Dynamo konnte er zwar nicht mit einem Tor veredeln, für die Mannschaft lief es bisher aber richtig gut – im Pokal wie in der Liga. Am Sonntag gegen Waldhof Mannheim soll der erste Drittliga-Heimsieg folgen. „Wenn wir unsere Qualität auf den Platz bringen, haben wir immer gute Chancen“, sagt er. „Ich glaube, dass wir eine erfolgreiche Saison spielen werden.“ 

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