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Dynamo-Trainer Schmidt: „Ich habe nichts zu verbergen“

Alexander Schmidt ist ein aufgeschlossener Typ. Im Interview spricht Dynamos Cheftrainer deswegen so offen wie kaum einer seiner Vorgänger.

Hier kommt Alex: Das Lied von den Toten Hosen aus dem Album „Ein kleines bisschen Horrorschau“ gefällt auch Alexander Schmidt sehr gut.
Hier kommt Alex: Das Lied von den Toten Hosen aus dem Album „Ein kleines bisschen Horrorschau“ gefällt auch Alexander Schmidt sehr gut. © Lutz Hentschel

Heilbad Heiligenstadt. Stets freundlich und ein Lächeln im Gesicht – Alexander Schmidt ist ein lockerer Typ und hat diese Art auf seine Mannschaft übertragen. „Ich bin hier gut aufgenommen wurden von den Fans und vom Team. Das gebe ich weiter“, sagt Dynamos Cheftrainer. Im Interview zum Abschluss des Trainingslagers beantwortet er jede Frage, auch, auch die unangenehmen. Dabei spricht der 52-Jährige über seinen Instagram-Account, die lange Verletztenliste und die Zukunft von Marco Hartmann bei Dynamo Dresden.

Alexander Schmidt, kürzlich haben Sie erzählt, dass Sie das Lied „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen sehr mögen. Es ist ein Titel des Albums „Ein kleines bisschen Horrorschau“. Warum wird die Saison keine Horrorshow?

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Ja, das stimmt. Ich finde das Lied und die Toten Hosen cool. Aber ich kann jetzt keine großen Reden schwingen, wie die Saison ablaufen wird. Ich kann nur sagen, dass ich ein gutes Gefühl habe.

Alexander Schmidt wirkt im Abschlussgespräch des Trainingslagers sehr gelassen. Geduldig beantwortet er die Fragen der Journalisten.
Alexander Schmidt wirkt im Abschlussgespräch des Trainingslagers sehr gelassen. Geduldig beantwortet er die Fragen der Journalisten. © Lutz Hentschel

Woher nehmen Sie dieses Gefühl?

Die Mannschaft ist sehr willig. Sie nimmt unsere Vorgaben an und setzt sie sehr gut um. Es ist keine arrogante Mannschaft, die meint, schon alles zu können. Wir im Trainerteam sind extrem ehrgeizig und wollen etwas erreichen, wollen die Fans und die Aufstiegseuphorie mitnehmen, uns nicht verstecken. Nur gemeinsam können wir etwas erreichen.

So gut wie in der 3. Liga wird es kaum laufen können. Wie bereiten Sie die Mannschaft auf Rückschläge vor?

Wichtig ist, dass wir uns nicht auseinanderdividieren lassen. Die Mannschaft hat die DNA zu attackieren und sich nicht zu verstecken. Das müssen wir geschickt hinbekommen, gerade in Phasen, in denen es kritisch wird. Wenn du in Hamburg, Bremen oder auf Schalke spielst und es kommt eine kritischere Phase, dürfen wir nicht geschlossen ins Verderben rennen, sondern brauchen dann einen Plan B.

Haben Sie denn schon einen und ist die Abwehr-Dreierkette ein Teil davon?

Es ist klar, dass ich dazu jetzt keine Aussage treffe. Ich gebe den Gegnern keine Steilvorlage. Nur so viel: Wir sind variabel. In der Vorbereitung haben wir Vierer- und Dreierkette gespielt, auch beides in einem Spiel. Ich kann versprechen: Gegen uns wird es nicht so einfach. Wenn wir im Spiel fließend das System umstellen können, ist meine Idealvorstellung erfüllt.

Im Trainingslager erklärt Schmidt viele taktische Dinge. „Wenn wir im Spiel fließend das System umstellen können, ist meine Idealvorstellung erfüllt“, sagt er. Heinz Mörschel, Tim Knipping, Christoph Daferner, Michael Akoto, Paul Will, und Torwart Anton M
Im Trainingslager erklärt Schmidt viele taktische Dinge. „Wenn wir im Spiel fließend das System umstellen können, ist meine Idealvorstellung erfüllt“, sagt er. Heinz Mörschel, Tim Knipping, Christoph Daferner, Michael Akoto, Paul Will, und Torwart Anton M © Lutz Hentschel

Haben Sie schon eine Stammelf?

Eine Grundformation ja. Das wäre jetzt vermessen zu sagen, dass wüsste ich noch nicht. Aber auf drei bis vier Positionen werden wir schon noch sehen, wer sich besonders hervortut. Gerade im Offensivbereich haben wir eine große Auswahl.

Auf welcher Position ist denn noch Handlungsbedarf?

Wir haben gesagt, dass wir auf der linken Seite, noch etwas machen wollen. Das Volumen für einen Neuzugang ist da.

Offensiv oder defensiv?

Wir nennen die Position Joker. Wenn wir mit Dreierkette spielen, ist es der linke Läufer. Wir suchen also einen Gosens 2.0, obwohl wir bereits gute Leute haben.

Mit Sportgeschäftsführer Ralf Becker ist Schmidt in einem ständigen Austausch. Ein Neuzugang könnte noch kommen.
Mit Sportgeschäftsführer Ralf Becker ist Schmidt in einem ständigen Austausch. Ein Neuzugang könnte noch kommen. © Lutz Hentschel

Der Verein wollte sich nur punktuell verstärken. Jetzt sind es bereits acht Neuzugänge. Mehr Masse als Klasse?

In der Verteidigung hatten wir viele Verletzte. Kevin Ehlers und Sebastian Mai sind Stammspieler und derzeit verletzt. Wir können es uns nicht erlauben, dass wir schlecht starten. Wenn du mit vier, fünf Niederlagen die Saison beginnst, bist du sofort unter Zugzwang. Deswegen haben wir noch mal nachgelegt.

Und deshalb mit Michael Sollbauer einen erfahrenen Verteidiger geholt?

Er war ein Wunschspieler. Ich kenne ihn vom Wolfsberger AC. Dort war er Kapitän und in England eine Führungspersönlichkeit. Er ist damit sehr wichtig für eine junge Mannschaft. Er kann ein solches Team führen. Entweder man besitzt eine natürliche Autorität oder nicht, er hat sie.

Mit ihm sind es jetzt sechs Innenverteidiger. Wird es noch Abgänge geben?

Nein. Wir spielen flexibel Drei- oder Viererkette. Man sieht es ja jetzt. Mai und Ehlers sind nicht da. Da sind wir gleich zwei weniger. Akoto hat sich jetzt im Testspiel verletzt und musste ausgewechselt werden. Es geht oftmals sehr schnell.

Beim Kartfahren machte Dynamo Trainer Alexander Schmidt eine gute FIgur. Es zeigt, wie locker er ist und mit seinen Spielern umgeht.
Beim Kartfahren machte Dynamo Trainer Alexander Schmidt eine gute FIgur. Es zeigt, wie locker er ist und mit seinen Spielern umgeht. © Lutz Hentschel

Sie sprechen die Verletzten an. Wie geht es Sebastian Mai, Kevin Ehlers und Michael Akoto?

Mai ist beschwerdefrei im Alltag und beim Laufen. Akoto wird in Kürze wieder einsteigen. Er absolviert derzeit ein Aufbautraining. Wir sind jetzt aber noch vorsichtig, dass wir ihn nicht zu früh, ins Mannschaftstraining integrieren. Ehlers hat noch den meisten Rückstand.

Haben Sie nun eine Erklärung für die Anhäufung der Muskelverletzungen?

Das ist schwer zu sagen. Auffällig war, dass die Verletzungen im Spiel passiert sind, keine beim Training. Wenn man Akoto im Spiel gegen Braunschweig gesehen hat, macht er eine blöde Bewegung. Bei Diawusie sieht man es auf dem Video. Er rutscht komisch weg. Mai kam schleichend. Er hatte am Ende der letzten Saison immer mal Probleme im Bereich der Adduktoren.

Wann wird über die Zukunft von Marco Hartmann entschieden?

In den nächsten vier bis sechs Wochen. Es ist eine gemeinsame Entscheidung. Er hatte vor kurzem wieder eine kleine Muskelverletzung, aber nichts Ernstes. Er arbeitet sehr hart mit Tobi (Tobias Lange, Leiter Physiotherapie Dynamo Dresden, Anm. d. Red.). Von daher kann es schon sein, dass er ein bisschen Muskelkater hat.

Alexander Schmidt sucht den Kontakt zu den Fans. Und das nicht nur wie hier beim Testspiel, sondern auch über Instagram.
Alexander Schmidt sucht den Kontakt zu den Fans. Und das nicht nur wie hier beim Testspiel, sondern auch über Instagram. © Lutz Hentschel

Hartmann war in der Vorsaison im Mannschaftsrat. Wie setzt sich dieser in dieser Saison zusammen?

Das will ich erst nach dem letzten Testspiel bei Union Berlin am nächsten Samstag festlegen. Denn wenn wir jetzt noch einen ganz erfahrenen Spieler holen, wäre dieser nicht im Mannschaftsrat.

Werden Sie den Kapitän bestimmen?

Beim Kapitän kann es sein, dass drei zur Auswahl stehen und dann die Mannschaft wählt. Das will ich aber noch auf mich zukommen lassen. Es ist eine wichtige Sache und Sebastian Mai hat es bisher hervorragend gemacht. Den Mannschaftsrat wird das Trainerteam bestimmen.

Sie wirken unglaublich entspannt. Als einer der wenigen Trainer sind Sie sogar bei Instagram. Warum?

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Ich habe kein Problem, mit den Fans zu kommunizieren. Ich bin ein offener Typ. Natürlich kann ich nicht nach einem Spiel auf 500 Nachrichten beantworten. Aber grundsätzlich habe ich nichts zu verbergen. Und wenn mich mal 20 Leute beschimpfen über Instagram, dann antworte ich halt mal nicht.

Das Interview notierte Timotheus Eimert.

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