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Dynamos Suche nach der Torgefahr

Das 0:1 bei Türkgücü München offenbart einige Schwachstellen – auch im Kader des Tabellenführers und Aufstiegsfavoriten.

Ungläubig nehmen Marvin Stefaniak (l.) und Philipp Hosiner die Niederlage gegen Türkgücü zur Kenntnis. Doch für das 0:1 in München gibt es Gründe.
Ungläubig nehmen Marvin Stefaniak (l.) und Philipp Hosiner die Niederlage gegen Türkgücü zur Kenntnis. Doch für das 0:1 in München gibt es Gründe. © Fotostand

Dresden. Es könnte am Stadion liegen. Schon gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern war Dynamo an der Grünwalder Straße in München torlos geblieben, nun also auch gegen Neuling Türkgücü. Beide Spiele lassen sich jedoch nicht vergleichen, die Analyse fällt grundsätzlich unterschiedlich aus.

Denn während die Dresdner beim ersten von drei Auftritten in dieser Saison in dem alten Stadion – es folgt Mitte März noch die Partie gegen den TSV 1860, den eigentlichen Hausherren – auf ganzer Linie enttäuschten, waren sie beim 0:1 am Montagabend fußballerisch das bessere Team.

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Das hilft wenig, wenn am Ende die Null auf der falschen Seite steht. Dabei schien es für diese Diskussion, die zu Beginn der Spielzeit aufgekommen war, längst keinen Ansatz mehr zu geben. Dynamo hat mit insgesamt 30 Toren die drittbeste Offensive der 3. Liga, und es war erst das vierte Spiel, in dem die Schwarz-Gelben nicht getroffen haben. Kein Anlass zur Sorge? Ganz so einfach lässt es sich nicht abhaken, denn eines ist klar: Der Spitzenreiter muss sich auf eine noch stärkere Gegenwehr einstellen.

Letzte Präzision fehlte

Es wird kaum eine Mannschaft versuchen, spielerisch mitzuhalten, vielmehr hat Türkgücü mit seiner – und das ist positiv gemeint – zerstörerischen Art gezeigt, wie dem Favoriten am besten beizukommen ist. Dynamo ist daher gefordert, die Lösungen zu finden, die man in München vergeblich gesucht hat. Dabei hilft es schon mal zu wissen, was gefehlt hat. Das analysieren Trainer und Spieler klar.

„Wir haben viel probiert, die Mannschaft hat viel eingebracht“, meint Markus Kauczinski. Das war jedoch zu wenig, weil – und das bemängelt der Chefcoach – das letzte Tempo, die letzte Präzision nach vorn gefehlt haben. Er spricht konkret das Spiel über die Außen an, wo man zu oft den Ball verloren oder nicht schnell genug gespielt und so speziell in der ersten Halbzeit „einige Angriffe liegen gelassen“ habe.

Nun ist auch das eine Momentaufnahme, für die nicht etwa allein Marvin Stefaniak und Ransford-Yeboah Königsdörffer verantwortlich sind, die links und rechts spielten. Vielmehr lohnt es sich, an dieser Stelle auch einen Blick auf die Bank zu werfen.

Defensive ist nicht das Problem

Mit Panagiotis Vlachodimos und Agyemang Diawusie hatte Kauczinski zwei Optionen, hat aber nur eine gezogen. Vlachodimos konnte aber bei seinem ersten Einsatz seit dem 7. November, als Dynamo in Saarbrücken letztmalig verloren hatte, keine Akzente setzen.

Dabei hatte der Neuzugang von Sonnenhof Großaspach im August losgelegt, als gäbe es für ihn kein Halten. Mit zwei Vorlagen und etlichen starken Aktionen beeindruckte der 29 Jahre alte Grieche beim 4:1-Sieg gegen den Hamburger SV im DFB-Pokal. Seitdem hängt er in einem Leistungsloch, fehlte sogar mehrfach im Spieltagskader.

Kauczinski spricht vom engen Konkurrenzkampf „manchmal um eine Nasenlänge“. Dennoch klingt an, dass der Trainer mehr erwartet, wenn einer wie Vlachodimos eine Chance bekommt: „Die Spieler müssen die Türen, die aufgehen, auch nutzen.“

Gastgeber wartet auf die eine Chance

Bei Diawusie ist es ähnlich: stark begonnen, noch stärker nachgelassen. Bisher schien er wenigstens eine Option für einen Wechsel zu sein, in München hat sich Kauczinski den gespart. Wie weit beide Ersatzaußen weg sind, eine echte Alternative zu sein, zeigt eine andere Personalie.

Weil Patrick Weihrauch wegen Sprunggelenkproblemen fehlte, verzichtete der Trainer auf einen Spielmacher hinter den Spitzen, obwohl er Stefaniak ursprünglich für diese zentrale Rolle eingeplant hatte. Der rückte jedoch auf links, was erklärtermaßen seine Lieblingsposition ist.

Dynamo mangelte es ohne Weihrauch im Mittelfeld an Ideen und Risikobereitschaft im Spiel nach vorn. Mit ihm und Stürmer Christoph Daferner, der nach muskulären Problemen zunächst nur Ersatz war, fehlten also zwei für die Offensive entscheidende Spieler, was die Mannschaft offenbar weniger gut verkraftet als die prominenten Ausfälle in der Defensive.

Wobei dieser Schluss eigentlich eher unzulässig ist, denn Türkgücü war von vornherein darauf ausgerichtet, knallhart zu verteidigen und auf die eine Chance zu warten – die Sercan Sararer eiskalt nutzte.

Stefaniak: "Haben nicht diese Tor-Geilheit ausgestrahlt"

Das war letztlich der Unterschied. „Vielleicht hat uns die gewisse Gier gefehlt, wir haben nicht diese Tor-Geilheit ausgestrahlt“, beschreibt Stefaniak, was Dynamo beim permanenten Anrennen vermissen ließ. „Wir waren nicht so klar, wie wir es gern gehabt hätten“, analysiert Kauczinski die Mängel.

Yannick Stark sieht noch eine weitere Möglichkeit, torgefährlicher zu werden: bei Standards. „Wir hatten einige Ecken und Freistöße, waren dabei aber relativ harmlos.“ Was insgesamt für die Abschlüsse gilt: Von zwölf Schüssen kamen nur zwei aufs Tor, Türkgücü schaffte das mit vier Versuchen – und einer war im Tor.

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Vielleicht ist es aber auch viel einfacher zu erklären, warum die Serie mit acht Siegen und einem Unentschieden gerissen ist. „Das Glück, das wir vorher hatten, als die entscheidenden Momente öfter auf unserer Seite waren, hatten wir leider nicht“, meint jedenfalls Stark, während Türkgücü-Trainer Alexander Schmidt einräumt: „Wir hatten in der einen oder anderen Situation auch Glück, aber das kommt nicht von alleine, das haben wir uns erarbeitet.“

Fazit: Dynamo muss mehr tun.

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