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Dynamo hat keine Chance und gewinnt trotzdem

In einem hochklassigen Spitzenspiel besiegt der Tabellenführer den starken Aufsteiger Verl unverdient deutlich mit 4:1. Danach loben sich die Trainer gegenseitig.

Nur mit Zuschauern hätte es noch schöner sein können. Dynamo gewinnt im leeren Rudolf-Harbig-Stadion unerwartet deutlich gegen Verl und baut die Tabellenführung in der 3. Liga aus.
Nur mit Zuschauern hätte es noch schöner sein können. Dynamo gewinnt im leeren Rudolf-Harbig-Stadion unerwartet deutlich gegen Verl und baut die Tabellenführung in der 3. Liga aus. © dpa/Robert Michael

Dresden. Fünf Tore, hohes Tempo, noch dazu viele Chancen – das war ein echtes Spitzenspiel. Mit dem Erfolg baut Dynamo eine Serie aus, die verdeutlicht, wie dominant die Mannschaft derzeit in der 3. Liga auftritt: sieben Spiele in Folge ohne Niederlage, darunter sechs Siege. Auch für eine andere Statistik hat der 4:1-Sieg gegen den SC Verl am Dienstagabend seine Bedeutung - hier der Liveticker zum Nachlesen.

Nun ist Dynamo auch rechnerisch Tabellenführer und kann selbst bei zwei Siegen in den Nachholspielen von Verl nicht mehr überholt werden. Bereits jetzt steht zudem fest, dass Dynamo als Spitzenreiter in die kurze Winterpause gehen wird. „Die Tabelle interessiert mich im Moment gar nicht. Das wird noch sehr eng“, prognostizierte indes Trainer Markus Kauczinski. Es sei lediglich eine Momentaufnahme. Das stimmt zwar, doch der Vorsprung auf die Nichtaufstiegsplätze wächst trotzdem kontinuierlich.

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Dass die Spitzenpartie nicht verloren ging, lag erneut auch an der starken Defensive, mit 13 Gegentoren nach 16 Partien die beste in Liga drei. Und das, obwohl mit Sebastian Mai und Marco Hartmann erneut zwei wichtige Stabilisatoren in der Abwehr fehlten. Kauczinski hatte wieder eine Viererkette aufgeboten, die zuletzt beim 3:1-Sieg in Halle nach einer Umstellung den Erfolg gebracht hatte.

Das erste Tor des Tages ist zugleich das schönste. Julius Kade nimmt die Hereingabe von Pascal Sohm volley und trifft zur 1:0-Führung für Dynamo.
Das erste Tor des Tages ist zugleich das schönste. Julius Kade nimmt die Hereingabe von Pascal Sohm volley und trifft zur 1:0-Führung für Dynamo. © dpa/Robert Michael

Ein Spaziergang war es auf dem neuverlegten Rasen jedoch nicht, auch wenn das Ergebnis so etwas vermuten lässt. Im Gegenteil: Lange schon ist ein Gegner im Rudolf-Harbig-Stadion nicht mehr so dominant aufgetreten wie Verl in der ersten Halbzeit. Der Aufsteiger aus der Nähe vom Bielefeld kombinierte mutig und flott, immer fanden sich Anspielstationen in den Schnittstellen, weil alle in Bewegung waren. Die Dresdner liefen meist nur hinterher, kamen oft zu spät – und waren das auch gedanklich.

„Ich habe noch nie so eine Partie erlebt. Wir spielen so eine erste Halbzeit und verlieren dann 1:4“, haderte Verls Trainer Guerini Capretti. Seine Mannschaft hatte allein bis zur Pause sieben Chancen – und die Dresdner Glück, dass Schiedsrichter Patrick Hanslbauer das Einsteigen von Robin Becker im Strafraum gegen Lars Ritzka (20.) nicht als elfmeterwürdiges Foul ahndete.

Und Dynamo? Hatte teilweise sogar Mühe, über die Mittellinie zu kommen. „Wir hatten Probleme mit dem Anlaufen, und der Gegner hat es richtig gut gemacht“, fand Patrick Weihrauch. Ähnlich sah es Kauczinski: „Wir haben weder gut verteidigt, noch gut nach vorne kombiniert. Im Positionsspiel war uns Verl überlegen.“

Der erste Schuss aufs Tor bringt Dynamos Führung

Ein einziges Mal schoss seine Mannschaft in der ersten Hälfte aufs Tor – nach 43 Minuten. Der Schuss aber brachte die Führung. Eine Eingabe von Pascal Sohm verwertete Julius Kade per Seitfallzieher artistisch zum 1:0. Das Tor sehenswert, doch die Führung komplett unverdient. Man könnte es auch unter Glück eines Tabellenführers einordnen. Oder unter brutaler Effizienz.

Die hatte Dynamo zuletzt bereits bei den Siegen in Rostock und Halle ausgezeichnet. „Am Ende zählt nicht, wer schöner spielt, sondern wer die Tore schießt“, fasste Capretti die 90 Minuten zusammen. „Dresden hat uns als Spitzenmannschaft vorgemacht, einfach zu spielen und effektiv zu sein. Das müssen wir noch lernen.“

Kurzzeitig spannend machte es noch einmal der Schiedsrichter. Er wertete einen von Weihrauch geblockten Schuss als Handspiel im Strafraum – und pfiff Elfmeter. Eine sehr umstrittene Entscheidung, schließlich traf der Schuss von Rabihic aus sehr kurzer Distanz den angelegten Arm von Dynamos Mittelfeldspieler. „In meinen Augen war es eine Fehlentscheidung. Ich kann mir die Hand ja schlecht abschrauben“, meinte Weihrauch. Den Handelfmeter verwandelte Zlatko Janjic (56.).

Wiedersehen zweier Aufstiegshelden von 2016: Marvin Stefaniak, inzwischen zumindest auf Leihbasis wieder zu Dynamo zurückgekehrt, und Justin Eilers klatschen nach dem Spiel ab. Damals, so viel kann man sagen, hatten beide fußballerisch glücklichere Tage.
Wiedersehen zweier Aufstiegshelden von 2016: Marvin Stefaniak, inzwischen zumindest auf Leihbasis wieder zu Dynamo zurückgekehrt, und Justin Eilers klatschen nach dem Spiel ab. Damals, so viel kann man sagen, hatten beide fußballerisch glücklichere Tage. © dpa/Robert Michael

Insgesamt aber traten die Dresdner nach dem Seitenwechsel mutiger auf, waren griffiger, kamen zu Chancen. Und effizient blieben sie auch. Einen Schuss des eingewechselten Christoph Daferner ließ Verls Torwart Robin Brüseke abklatschen, Philipp Hosiner legte auf Weihrauch ab, der zum 2:1 ins leere Tor traf (68.).

Auch beim dritten Treffer war der Spielmacher beteiligt. Seine Hereingabe verwandelte der ebenfalls eingewechselte Ransford-Yeboah Königsdörffer mit einer Direktabnahme zum 3:1 (75.). „Im Moment ist einfach eine Überzeugung da, und mit den Wechseln konnten wir noch mal Qualität bringen“, erklärte Kauczinski. Beim 4:1 hatte Kade dann freie Schussbahn (79.).

Die Rückkehr von Justin Eilers ging bei der Torflut fast unter. Der Stürmer, 2016 bei Dynamo einer der wichtigsten Stützen der Aufstiegsmannschaft und danach zu Werder Bremen gewechselt, kam in der 76. Minute ins Spiel und sogar einmal zum Abschluss. Für den 32-Jährigen, der nach seinem Abschied aus Dresden immer wieder mit schweren Verletzungen zu kämpfen hatte und zuletzt auch mit finanziellen Schwierigkeiten, war es der vierte Kurzeinsatz in dieser Saison – und bereits das ein Erfolg. Erst Ende September hatte er mit Verl einen neuen Verein gefunden und damit sein Karriereende aufgeschoben.

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Für Verl war es ein Dämpfer nach zuvor fünf Partien in Folge ohne Niederlage. Dynamos Trainer traut ihnen trotzdem zu, dass sie „bis zum Schluss um den Aufstieg mitspielen. Verl war eine der besten Mannschaften, die bisher hier waren. Und unser Sieg fiel zu hoch aus.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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