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Dynamo demonstriert neue Stärke im Ostklassiker

Einen 3:1-Sieg in Rostock - das hätten die wenigsten erwartet. Doch Dynamo ist an der Küste eiskalt. Stimmen und Stimmungen aus dem Ostseestadion.

Sein erster Schrei: Marco Hartmann jubelt nach seinem Tor zum 2:0 mit Philipp Hosiner und Kevin Ehlers. 60 Spielminuten später schreit er erneut - beim Schlusspfiff und wieder vor Freude.
Sein erster Schrei: Marco Hartmann jubelt nach seinem Tor zum 2:0 mit Philipp Hosiner und Kevin Ehlers. 60 Spielminuten später schreit er erneut - beim Schlusspfiff und wieder vor Freude. © PICTURE POINT

Rostock. Das Ergebnis ist so deutlich wie irritierend. Dynamo Dresden hat das Ostduell am Samstagnachmittag gegen Hansa Rostock hochverdient gewonnen, obwohl das Ergebnis klarer ausgefallen ist als es der Spielverlauf hergibt. 3:1 steht es bereits kurz vor der Pause, und das Halbzeitresultat ist auch der Endstand.

Fünf Fragen und Antworten zum unerwartet deutlichen Auswärtssieg an einem für die traditionsbewusste SG Dynamo Dresden besonderen Tag, den 100. Geburtstag ihres Meistertrainers Walter Fritzsch.

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Was gab den Ausschlag für diesen deutlichen Sieg?

Ganz klar die Konsequenz vor dem Tor. Drei Chancen, drei Tore - viel besser als in der ersten Halbzeit geht es nicht. In einem weitgehend ausgeglichenen, vor allem umkämpften Spiel ist Dynamo im gegnerischen Strafraum gnadenlos effektiv. Nach einer knappen Viertelstunde nutzen die Dresdner einen zu kurz geratenen Rückpass zum Torwart für die zu diesem Zeitpunkt doch überraschende Führung. Philipp Hosiner setzt den Verteidiger unter Druck, Patrick Weihrauch erahnt den Rückpass, sichert sich den Ball und passt in die Mitte, wo Christoph Daferner aus Nahdistanz, jedoch unter Bedrängnis, zum 1:0 vollendet.

Das 2:0 besorgt Marco Hartmann nach einer halben Stunde, als er Weihrauchs Freistoß mit der Brust annimmt, aus der Drehung schießt und trifft. Schließlich das 3:0 von Ransford-Yeboah Königsdörffer kurz vor der Pause, dem ein mustergültiger Angriff vorausgeht. Über den 19-Jährigen, Paul Will sowie Hosiner landet der Ball wieder beim jungen Torschützen, der überlegt für die Vorentscheidung sorgt.

Christoph Daferner ist der Torschütze zum 1:0. Es war der der dritte Saisontreffer für den Dynamo-Stürmer.
Christoph Daferner ist der Torschütze zum 1:0. Es war der der dritte Saisontreffer für den Dynamo-Stürmer. © PICTURE POINT

Auch das 1:3 nur zwei Minuten später, als Kevin Ehlers erst schlecht gegen den Torschützen Breier steht und dann auch noch wegrutscht, bringt Dynamo diesmal nicht aus dem Konzept. Neben der makellosen Chancenverwertung in Halbzeit eins ist die sichere, sehr kompakte Defensive ausschlagend für den insgesamt 26. Sieg der Dresdner im Ostduell gegen Hansa. Vor allem die Abwehrdreierkette um Hartmann steht sicher.

Nach dem Seitenwechsel tut sich dann nicht mehr viel, vor allem fallen keine Tore. Das ist wiederum nicht zuletzt der Verdienst von Torwart Kevin Broll. Als Hansa in der Schlussphase doch noch mal so etwas wie Druck entwickelt, steht die vielbeinige Abwehr zum einen kompakt, zum anderen entschärft Broll zwei gute Rostocker Chancen. Mit etwas Glück und noch mehr Geschick bringen die Dresdner den Vorsprung über die Zeit. Hier der Liveticker zum Nachlesen.

Wie sind die Reaktionen nach der Partie?

„Das Ergebnis ist super“, sagt Hartmann. Seine Analyse danach ist ebenso überzeugend wie zuvor seine Leistung auf dem Platz. „Es hat vieles gepasst in der ersten Halbzeit. Wir haben aus drei Chancen drei Tore gemacht und dann in der zweiten Halbzeit brutal gut verteidigt“, fasst der 32-Jährige treffend zusammen.

Hartmann steht zudem beispielhaft für den starken kämpferischen Einsatz der gesamten Mannschaft: Bei einem Zweikampf kurz vor der Pause erleidet er einen Cut am Auge, spielt mit Turban weiter, wird in der Pause genäht und gewinnt auch in Halbzeit zwei jedes Kopfballduell. „Hat ein bisschen geblutet, nicht weiter schlimm“, kommentiert er seine Verletzung anschließend lapidar und lobt darüber hinaus den wiedererstarkten Weihrauch: „Für mich in der ersten Halbzeit der spielentscheidende Mann.“

Marco Hartmann ragte beim Spiel gegen Hansa Rostock heraus. Kurz vor der Pause erleidet er einen Cut am Auge, spielt mit Turban weiter, wird in der Pause genäht und gewinnt auch in Halbzeit zwei jedes Kopfballduell.
Marco Hartmann ragte beim Spiel gegen Hansa Rostock heraus. Kurz vor der Pause erleidet er einen Cut am Auge, spielt mit Turban weiter, wird in der Pause genäht und gewinnt auch in Halbzeit zwei jedes Kopfballduell. © osnapix

Die Trainer reagieren danach überraschend emotionslos, wobei Dynamos Chefcoach Markus Kauczinski die Freude beim Schlusspfiff wenigstens kurz anzusehen ist. „Es war ein ausgeglichenes Spiel, in dem wir aber viele gute Momente hatten. Wir haben diese Momente in beiden Strafräumen genutzt. Für uns ist dieser Sieg ganz wichtig, auch fürs Gefühl“, sagt Kauczinski, wie gesagt, betont nüchtern. Mit Blick auf den zweiten Sieg hintereinander und Tabellenplatz zwei stellt er fest: „Alles Momentaufnahme. Wir nehmen das gute Gefühl mit.“

Und Rostocks Trainer Jens Härtel, zuvor viele Jahre beim 1. FC Magdeburg, sagt: „Wir haben wahrlich kein schlechtes Spiel gemacht gegen eine Top-Mannschaft, die brutal effektiv war.“ Er gesteht aber auch, dass seine Mannschaft am Ende auf der Hut sein musste, nicht noch den vierten Gegentreffer zu kassieren.

Wie hat der Trainer auf den Ausfall von Mai und Stefaniak reagiert?

Wie erwartet. Nach dem 2:1-Sieg in der Vorwoche gegen den damaligen Tabellenzweiten 1860 München lässt Markus Kauczinski die taktische Formation unverändert. Das heißt: Abwehrdreierkette, davor zwei defensive Mittelfeldspieler, jeweils einen auf der Außenbahn, dazu ein klassischer Spielmacher und zwei Stürmer. Das System funktioniert auch in Rostock - weil die zwei notgedrungenen personellen Umstellungen greifen.

Kevin Ehlers ersetzt den mit einer Erkältung ausfallenden Kapitän Sebastian Mai, Paul Will spielt für Marvin Stefaniak, der an einer Oberschenkelverhärtung laboriert. Auf dem Platz übernimmt Will jedoch den defensiven Part im Mittelfeld, Weihrauch rückt dafür in die zentrale Offensive. „Wenn man bei Ausfällen von Stefaniak und Mai einen Will und einen Ehlers nachschieben kann, sagt das schon alles“, meint Hansas Sportvorstand Martin Pieckenhagen vorab über die individuelle Qualität im Dynamo-Kader. Und er soll Recht behalten.

Hat sich das Fehlen der beiden Leistungsträger gar nicht bemerkbar gemacht?

Um ehrlich zu sein: nein, zumindest nicht negativ. Trotz seines Missgeschicks beim 1:3 zeigt Ehlers, dessen Vater Uwe bei Hansa als Co-Trainer arbeitet, in diesem für ihn besonderen Spiel gegen den Ex-Verein eine sehr solide Leistung. Das Zusammenwirken mit den umsichtigen wie erfahrenen Hartmann und Knipping in der Abwehrdreierkette klappt auf Anhieb, wobei vor allem Hartmann herausragt.

Und dass Neuzugang Will eine echte Verstärkung ist, hat er schon mehrfach angedeutet. Auch in Rostock macht er ein ordentliches Spiel. Entscheidend für den Erfolg ist allerdings die Personalie Weihrauch, nicht nur aufgrund der zwei Tor-Vorlagen. Obwohl ihm längst nicht alles gelingt, zeigt die Formkurve des Spielmachers nach oben. Stefaniak in dessen Verfassung der letzten eins, zwei Spiele ersetzt er so jedenfalls problemlos.

Paul Will fügte sich problemlos in die Startelf von Dynamo ein. In Rostocke machte er ein sehr ordentliches Spiel.
Paul Will fügte sich problemlos in die Startelf von Dynamo ein. In Rostocke machte er ein sehr ordentliches Spiel. © PICTURE POINT

Auffällig: Auch als Hansa in der Schlussphase vehement anrennt, treten die Dresdner kompakt und geschlossen auf. Die eingewechselten Robin Becker und Pascal Sohm fügen sich nahtlos in die Mannschaft ein. Auf die Frage eines TV-Reporters an Hartmann, ob man denn die beiden fehlenden Leistungsträger gar nicht mehr brauche, antwortet der neue Abwehrchef: „Absoluter Quatsch. Wir haben einen so starken Kader, der das abkönnen muss. Nichtsdestotrotz bringen beide eine große Qualität mit, auf die ich mich freue, wenn sie wieder zurück sind.“

Was bringt der Auswärtssieg in der Tabelle?

Von sieben auf zwei. Durch den zweiten Sieg in Folge verbunden mit den Ergebnissen der Konkurrenten verbessert sich Dynamo auf den zweiten Tabellenplatz, der am Ende den Aufstieg in die 2. Bundesliga bedeutet. Vier Punkte beträgt der Rückstand jetzt auf Spitzenreiter Saarbrücken, der diesmal 3:3 gegen Dynamos Mitabsteiger Wehen Wiesbaden gespielt hat. Dritter ist jetzt 1860 München nach einem 0:0 im Heimspiel gegen Uerdingen. Allerdings kann Ingolstadt am Sonntag noch an den Dresdnern vorbeiziehen mit einem Sieg gegen Magdeburg.

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Schon am Mittwoch geht es indes für Dynamo in der 3. Liga weiter - mit dem Heimspiel gegen Unterhaching. Anstoß im Rudolf-Harbig-Stadion ist um 19 Uhr. Und am kommenden Sonntag wartet dann das Auswärtsspiel beim MSV Duisburg. Zwei Mannschaften also, die derzeit deutlich in der unteren Tabellenhälfte platziert sind. Nur muss das in dieser ausgeglichenen Liga natürlich nichts bedeuten, auch wenn Dynamo gerade gegen diese Teams bislang immer erfolgreich gewesen ist.

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