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Dynamo-Krawalle: Erster Beschuldigter verurteilt

Nach den schweren Krawallen am Rande des Dynamo-Aufstiegs in Dresden ist ein erstes Urteil gefallen. Ein 34-Jähriger bekam eine Bewährungsstrafe.

In Dresden ist ein erster Beschuldigter der Dynamo-Krawalle zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.
In Dresden ist ein erster Beschuldigter der Dynamo-Krawalle zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. © Reiner Blende

Dresden. Pünktlich vor dem Beginn der 2. Bundesliga-Saison landete der erste Dynamo-Schläger vor dem Amtsgericht Dresden. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den 34-jährigen Fußball-Chaoten ein sogenanntes beschleunigtes Verfahren angestrengt und ihn noch im Juni, wenige Wochen nach der Tat, angeklagt.

Sebastian S. aus Dresden hatte sich am 16. Mai an den Ausschreitungen anlässlich des Aufstiegsspiels von Dynamo Dresden gegen Türkgücü München beteiligt und ohne erkennbaren Anlass einen Polizisten angegriffen.

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Der Täter habe dem Beamten der Bereitschaftspolizei im Großen Garten gegenüber dem Stadion von hinten massiv in den Rücken getreten, heißt es in der Antragsschrift der Staatsanwältin. Der Beamte sei zu Boden gegangen. Als er dann mit einem Kollegen den Täter festnehmen wollte, sei er aufgrund seiner Verletzung zusammengebrochen. Der Beamte hatte ein Schleudertrauma und eine Thoraxprellung erlitten und war knapp zwei Wochen dienstunfähig. S. hatte sich auch bei seiner Festnahme gewehrt, nach zwei Beamten getreten, ihnen Kopfstöße gegen ihre Helme verpasst und sie derb beleidigt. Den Rest des Tages verbrachte der erheblich alkoholisierte Mann im Polizeigewahrsam.

Videos zeigen Tat

Der Angeklagte räumte über Verteidiger Peter Hollstein alle Vorwürfe ein. „Mein Mandant sieht die Schuld bei sich“, so Hollstein. „Es tut mir leid“, sagte auch S. mehrfach. Aufgrund des Geständnisses blieb es bei einer sehr kurzen Beweisaufnahme.

Die Staatsanwältin betonte in ihrem Plädoyer, dass die Tat aufgrund zweier Videos auch ohne Geständnis gut nachzuweisen sei. Sie forderte elf Monate Haft für den Angeklagten, der 15 Vorstrafen wegen Bagatelldelikten, vor allem Schwarzfahren, mitbrachte. Im Falle einer Bewährungsstrafe sollte der Angeklagte jedoch ein bundesweites Stadionverbot erhalten mit der Auflage, sich auch an Spieltagen von den Städten fernzuhalten, an denen Dynamo Gastmannschaft ist. Bei den Heimspielen von Dynamo soll sich S. dem Stadion nicht weniger als zwei Kilometer nähern dürfen. Stadionverbote des Vereins reichten dagegen nicht aus, sagte die Staatsanwältin.

Verteidiger Hollstein plädierte dagegen auf eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, die selbstverständlich zur Bewährung auszusetzen sei.

Öffentliche Fahndung

Der Richter verurteilte den Angeklagten unter anderem wegen tätlichen Angriffs auf und Widerstands gegen Polizeibeamte sowie Körperverletzung und Beleidigung zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten. Der 34-Jährige sei kein typischer Fußball-Hooligan. Daher sei auch ein Stadionverbot verfehlt. Das Tatvideo zeige, dass S. allein gehandelt und nicht etwa mit anderen abgestimmt habe.

Das Einzige, was dem Angeklagten an seinem Urteil nicht schmecken dürfte, ist die Dauer der Bewährungszeit. Die soll drei Jahre betragen, ein Jahr mehr als die üblichen zwei. Er erhielt weder eine Arbeits- noch eine Geldauflage, die ihm das Gefühl eine Strafe hätten vermitteln können. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Bislang wurde noch kein weiterer Fußball-Chaot angeklagt, heißt es in der Staatsschutzabteilung der Staatsanwaltschaft Dresden, wo die Ermittlungen um die Ausschreitungen zentral geführt werden. Ein weiteres "beschleunigtes Verfahren" ist inzwischen wohl auch eher unwahrscheinlich. Sebastian S. hatte das "Glück", dass er den Leipziger Bereitschaftspolizisten gegen 15.30 Uhr angegriffen hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatten zwar schon einige Begalos vor dem Rudolf-Harbig-Stadion gebrannt, doch die Täter waren noch nicht in Gruppen auf die Polizei losgegangen, sodass dem 34-Jährigen nicht auch noch ein schwerer Landfriedensbruch angelastet werden konnte.

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