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Dynamo-Krawalle: Sollen die Fans gehört werden?

Die Debatte um die Eskalationen laufe zu einseitig, sagt ein Stadtrat. Deshalb sollen öffentlich alle zu Wort kommen und die Schuld-Frage soll geklärt werden.

185 Beamte wurden bei den Dynamo-Krawallen in Dresden verletzt.
185 Beamte wurden bei den Dynamo-Krawallen in Dresden verletzt. © Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Noch immer ist nicht klar, wie genau die Aufarbeitung der Krawalle rund um das Aufstiegsspiel der SG Dynamo Dresden Mitte Mai erfolgt. Dresdens Politiker machen Druck.

In der kommenden Woche soll der Stadtrat über einen entsprechenden Antrag entscheiden. Nun wird aber erneut in eine andere Richtung diskutiert.

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185 Polizeibeamte und etliche weitere Verletzte haben die Ausschreitungen im Umfeld des Dynamo-Stadions gefordert. Politiker von CDU, Grünen, Linken und SPD haben sich nun verständigt, dass Dynamo mit allen Beteiligten ein schlüssiges Konzept gegen Gewalt und alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Stadion, im Umfeld und in der Fangemeinschaft erarbeiten soll.

Gleichzeitig fordern sie, dass Dynamo auch Sanktionen mit einer Art Bußgeldkatalog festlegt, wenn gegen die Regeln verstoßen wird. Auf die Details sollen sich die Beteiligten verständigen, der Stadtrat soll aber Mitspracherecht haben. Dies wird nun intern abgestimmt, die Entscheidung dazu soll am kommenden Donnerstag fallen.

Dies wird von Freie-Wähler-Fraktionschef Jens Genschmar als "völlig einseitige Debatte" kritisiert. "Wir fordern eine ehrliche und öffentliche Aufklärung und lehnen eine Vorverurteilung der SG Dynamo Dresden klar ab."

Er sieht die Schuld-Frage nicht so eindeutig geklärt wie Polizei und Stadt. Dresdens Polizeichef Jörg Kubiessa hat im SZ-Interview Vorwürfe gegen das Vorgehen der Polizeibeamten klar zurückgewiesen. Die Angriffe seien eindeutig von Dynamo-Anhängern ausgegangen.

"Dynamo soll zum Sündenbock gemacht werden"

"Bei einer öffentlichen Anhörung soll geklärt werden, wie es zu den massiven Ausbrüchen von Gewalt kommen konnte und wer dabei Verantwortung trägt", fordert Genschmar. Denn den Freien Wählern liegen mehrere Augenzeugenberichte vor. Nachdem die Fraktion dazu aufgerufen hatte, meldeten sich Beobachter, die von einer "massiven Polizeipräsenz" und "aggressivem Auftreten" der Beamten berichten.

Das Ganze bekomme nun laut Genschmar eine politische Komponente "Uns drängt sich der Eindruck auf, dass es manchen Fraktionen, die Dynamo schon immer ablehnen, gar nicht darum geht, die Ursachen und die tatsächliche Verantwortung aufzuklären. Dynamo soll zum Sündenbock gemacht werden. Merkwürdig ist nur, dass genau diese Fraktionen sonst bei jeder Demonstration als Erstes vom Fehlverhalten der staatlichen Behörden schwafeln."

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Genschmar hat zudem einen Fragenkatalog bei der Verwaltung zu den Vorgängen am Spieltag eingereicht. Seine 37 Fragen sind allerdings noch nicht beantwortet. Mit der Einigung zwischen den Fachpolitikern von CDU, Grünen, Linken und SPD ist eine Aufarbeitung bezüglich des Polizeieinsatzes und der Kommunikation im Vorfeld und am Spieltag selbst gestrichen worden. Genschmar will nun im Stadtrat die öffentliche Anhörung beantragen.

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