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Dynamo ist besser und verliert trotzdem

Ein Moment entscheidet die Partie bei Türkgücü München. Den Gegentreffer, sagen die Dresdner danach, haben sie eigentlich selbst geschossen. Die Analyse.

Restlos bedient: Christoph Daferner fasst sich nach dem Abpfiff an den Kopf. Kurz vor seinem 23. Geburtstag verliert Dynamo - behält aber die Tabellenführung.
Restlos bedient: Christoph Daferner fasst sich nach dem Abpfiff an den Kopf. Kurz vor seinem 23. Geburtstag verliert Dynamo - behält aber die Tabellenführung. © PICTURE POINT

München. Es ist eines dieser Spiele, von denen man hinterher sagt, es hätte ewig weitergehen können, ohne dass ein Tor gelingt. Das zumindest ist die Sicht von Dynamo nach dem tatsächlich etwas unglücklichen 0:1 am Montagabend bei Türkgücü München. „Es ist eine sehr unglückliche Niederlage. Wir haben alles versucht, kein schlechtes Spiel gemacht“, meint deshalb der amtierende Kapitän Yannick Stark. „Es ist bitter, dass wir mit leeren Händen nach Hause fahren.“

Andererseits ist der Erfolg für die Gastgeber keinesfalls unverdient, eben weil ihnen dieser eine Treffer gelungen ist – quasi aus dem Nichts. Wie es der Trainer befürchtet hatte, als er auf das starke Offensiv-Duo des Aufsteigers angesprochen worden war: Ex-Dynamo Petar Sliskovic mit elf Toren und drei Vorlagen sowie Sercan Sararer mit vier Treffern und elf Assists. Sie könnten aus dem Nichts Tore machen, hatte Markus Kauczinski gewarnt. Und so passiert es in der 32. Minute.

Stars im Strampler aus Löbau
Stars im Strampler aus Löbau

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„Es ist eine Situation, die man klären kann“, kommentiert er das Missverständnis an der Seitenlinie, bei dem letztlich Robin Becker den Ball zum Gegner spielt. Sararer hat dadurch freien Lauf und erzielt das 1:0 für Türkgücü. „Er ist dann nicht mehr einzufangen, nutzt die Situation eiskalt.“ Bei allem Respekt vor der Kaltschnäuzigkeit des Angreifers, Dynamo hat sich „das Tor eigentlich selber geschossen“, wie Philipp Hosiner sagt. „Das war die einzige gefährliche Situation, die wir über 90 Minuten zu überstehen hatten“, ärgert sich der Österreicher.

Dieses "saudumme und vermeidbare Gegentor"

Hosiner hat die zwei spektakulärsten Abschlüsse für Dynamo: erst mit einem Fallrückzieher (48.). „Wenn ich ihn ein bisschen schlechter treffe, geht er vielleicht rein.“ So aber kommt er zentral, genau wie kurz vor Schluss sein Hackenkick. Beide Versuche sehen toll aus, stellen Münchens Torwart René Vollath jedoch nicht wirklich auf die Probe (88.). Schon in der ersten Halbzeit, meint Kauczinski, habe seine Mannschaft einige „so halbe Angriffe“ gehabt. „Aber der letzte Zug zum Tor hat gefehlt.“ Ein Kopfball von Pascal Sohm aufs Netz (12.), Marvin Stefaniak nach einem klasse Angriff neben das Tor (17.), und Julius Kade schießt nach einem Konter per Direktabnahme drüber (32.).

Dann fällt dieses „saudumme und vermeidbare Gegentor“, wie es Stark beschreibt. „Es ist sehr bitter, dass es uns die Punkte gekostet hat.“ Dabei hatte Dynamo in dieser Saison so einen Rückstand schon öfter gedreht, im letzten Punktspiel vor der kurzen Weihnachtsauszeit beim 4:2-Sieg gegen Viktoria in Köln sogar zweimal.

Darauf hatte zur Pause auch Sebastian Mai gehofft, der die Mitspieler im altehrwürdigen Stadion an der Grünwalder Straße von der Tribüne aus lautstark anfeuerte. „Wir sind aber, glaube ich, stark genug, dass wir wieder zurückkommen“, sagt der Kapitän, der nach einer Knieverletzung wieder trainieren kann, bei Magenta-TV. Er weiß aber auch, wo es bis dahin hakte: „Wir müssen ein bisschen druckvoller sein.“

Am Ende holen sie die Brechstange heraus

Das lässt sich nach Wiederanpfiff gut an, denn nach Hosiners artistischer Einlage fehlen beim Schuss von Ransford-Yeboah Königsdörffer nur Zentimeter (53.). Wenn Kauczinski hinterher von der vielleicht besten Chance spricht, ist allerdings auch klar, dass die Schwarz-Gelben zwar weiter überlegen spielen, der Gegner aber leidenschaftlich und erfolgreich verteidigt.

Man könnte fast von hellseherischen Fähigkeiten sprechen, denn auch das hatte Kauczinski vorhergesagt: Seine Mannschaft müsse sich im eigenen Ballbesitz steigern, weil die eine oder andere Mannschaft noch tiefer als bisher stehen werde. „Wir sind gefordert, im taktischen Bereich besser zu werden, mehr Chancen herauszuspielen.“

Doch die zwingenden Aktionen fehlen, vielmehr rennen sie sich fest. „Am Ende wurde es etwas hektisch, wir haben es mit der Brechstange versucht“, meint Kauczinski. „Es war immer ein Bein dazwischen.“ Weil die Münchner sich in jeden Zweikampf werfen, jeden Ball mit unbedingtem Willen verteidigen.

Dabei hatte es vorher bei Türkgücü mächtig Wirbel gegeben, nachdem der Investor seinen Rückzug angekündigt hatte. Der ist seit Samstag vom Tisch und der Klub wohl seine finanziellen Sorgen los, aber für Dynamos Trainer war das schon vorher kein Thema. Er erwartete vielmehr ein „top konzentriertes Team“.

Die erste Niederlage nach acht unbesiegten Spielen

Hinzu kommt eine allgemeine Erfahrung der vergangenen Wochen: „Wir sind vom ersten Spiel an gejagt worden, wir werden weiter gejagt. Wir sind die Mannschaft, gegen die alle noch mal eine Schippe drauf legen.“ Das bestätigt sich auch bei der Premiere gegen Türkgücü, dem 184. Gegner der Vereinsgeschichte in einem Ligaspiel.

Und so reißt die Erfolgsserie aus dem Vorjahr, verliert Dynamo nach zuletzt acht Spielen ohne Niederlage in der 3. Liga. Spitzenreiter bleiben die Schwarz-Gelben dennoch, und es gibt auch angesichts der Leistung prinzipiell keinen Anlass zur Sorge. „Wegen der ersten Niederlage seit langem schmeißen wir nicht alles über den Haufen, ist das Selbstvertrauen nicht weg“, sagt Hosiner – und er kündigt an: „Wir werden versuchen, eine neue Serie zu starten.“

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Die Gelegenheit dazu bietet sich mit zwei Heimspielen: An diesem Samstag gegen Mitabsteiger Wehen Wiesbaden zum Abschluss der Hinrunde und eine Woche später gegen Kaiserslautern zum Rückrundenstart. Die Sinne, betont Stark, sind jedenfalls bei allen geschärft. Und er sagt zu recht: „Wir haben hier nicht versagt.“

Hier der Liveticker zum Nachlesen.

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