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Dynamos Chef rechnet durch: "Verlieren fünf Millionen Euro"

Eine Woche ist Jürgen Wehland im Amt - mit großen Zielen und klarer Ansage: Um Corona zu überstehen, hilft der Aufstieg. Auch Gehaltsverzicht ist ein Thema.

Eine Woche im Amt und emotional, wie er sagt, längst angekommen: Jürgen Wehlend ist Dynamos neuer kaufmännischer Geschäftsführer.
Eine Woche im Amt und emotional, wie er sagt, längst angekommen: Jürgen Wehlend ist Dynamos neuer kaufmännischer Geschäftsführer. © Steffen Kuttner

Dresden. Ob er schon angekommen ist? "Emotional ganz bestimmt", sagt Jürgen Wehlend. Am 4. Januar hat der gebürtige Dresdner offiziell die Aufgabe als kaufmännischer Geschäftsführer bei Dynamo Dresden übernommen - und fühlt sich offenbar sofort wieder heimisch. An Arbeit mangelt es dem 55-Jährigen, der zuletzt gut 30 Jahre in Osnabrück lebte und arbeitete, sowieso nicht.

Auch wenn es seinem Schreibtisch in der Geschäftsstelle nicht anzusehen ist, meint er. Der Themenspeicher sei aber bereits gut gefüllt. "Eine gute Woche voller Termine liegt jetzt hinter mir", sagt Wehlend. Die Corona-Pandemie und ihre vielfältigen Konsequenzen setzt schließlich auch Dynamo zu.

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Jedes Spiel ohne Zuschauer, die Zahl hat ihm Interimsgeschäftsführer Enrico Kabus mit auf den Weg gegeben, kostet den Drittliga-Spitzenreiter rund 300.000 Euro. "Wir müssen in diesem Jahr mit enormen Verlusten rechnen, die Dynamo nicht allein auffangen kann", betont Wehlend in einem Gespräch mit dem MDR und spricht von einer "ganz schwierigen Situation". Er denkt dabei nicht nur an Fans und Mitglieder, deren Unterstützung sich der Verein ohnehin gewiss sein kann, auch an Partner und Sponsoren.

Aufstieg in die zweite Liga wäre Befreiungsschlag

"Wir verlieren allein fünf Millionen Euro auf der Ertragsseite coronabedingt durch die aktuellen Verordnungen. Das trifft uns hart. Wir müssen an unsere Reserven ran, und das können wir nicht ewig", sagt Wehlend. Dieses und auch nächstes Jahr habe der Verein noch Möglichkeiten der Finanzierung, so der Geschäftsführer - nicht zuletzt sei das aber abhängig von der sportlichen Entwicklung. "Die 2. Bundesliga wäre für uns in der nächsten Saison ein ganz entscheidender Befreiungsschlag", betont Wehlend.

Allein an Fernsehgeldern würde der Verein dann sieben, acht Millionen Euro mehr einnehmen als jetzt in Liga 3. Deshalb tue man alles dafür, bereits in dieser Saison aufzusteigen, "wohlwissend, dass die Saison noch lang ist", wie Wehlend sagt. Als Tabellenführer hat Dynamo fünf Punkte Vorsprung auf Platz 3, der immerhin noch zur Teilnahme an der Aufstiegsrelegation berechtigt.

Am 4. Januar hat Jürgen Wehlend die Arbeit bei Dynamo aufgenommen. Aufsichtsratschef Jens Heinig (rechts) sprach bei dessen Vorstellung vom Beginn einer neuen Ära.
Am 4. Januar hat Jürgen Wehlend die Arbeit bei Dynamo aufgenommen. Aufsichtsratschef Jens Heinig (rechts) sprach bei dessen Vorstellung vom Beginn einer neuen Ära. © SGD/Steffen Kuttner

Die 0:1-Niederlage am Montagabend bei Aufsteiger Türkgücü München hat Wehlend am Fernsehen mitverfolgt, das Heimspiel am kommenden Samstag gegen Mitabsteiger Wehen wird seine Stadionpremiere im neuen Amt. Überhaupt, das betont Wehlend, suche er den Kontakt zur Mannschaft und versucht beim Abschlusstraining so oft wie möglich dabei zu sein. "Ich mache Fußball für Menschen, der Kontakt ist mir sehr wichtig", sagt er.

Besonders eng ist die Verbindung zu Sportgeschäftsführer Ralf Becker, und zwei Themen stehen in den Gesprächen momentan ganz oben auf der Agenda: mögliche Wintertransfers sowie ein Gehaltsverzicht des Profiteams. Auch wenn das zunächst gegensätzlich klingt, prüft Dynamo das eine wie das andere.

In dieser Woche soll nach Rücksprache mit Becker und Cheftrainer Markus Kauczinski zunächst die Entscheidung fallen, ob man für den Aufstieg personell noch einmal nachlegt und Spieler verpflichtet. Bis Ende Januar wäre das möglich. "Wir verfügen über diese finanzielle Möglichkeit durchaus, das Budget ist noch nicht ausgeschöpft", sagt Wehlend.

Wehlend setzt auf den "Dresdner Weg"

Hält der Zuschauer-Ausschluss noch längerfristig an, der den Wegfall von erheblichen Einnahmen beim Ticketing, Catering und im Stadion-Fanshop bedeutet, will Wehlend dann auch über weitere Einsparungen reden. Neben Kurzarbeit unter anderem in der Nachwuchsabteilung sei der Gehaltsverzicht im Profi-Team eine Möglichkeit, Kosten zu reduzieren. Die Bereitschaft dafür sieht Wehlend gegeben. "Wir haben alle ein gemeinsames Ziel: der Aufstieg in die 2. Bundesliga", sagt er.

Und dann, das hat Wehlend bereits bei seiner Präsentation erklärt, soll es irgendwann für Dynamo noch eine Klasse höher gehen - zurück in die 1. Bundesliga, wo der Verein schon von 1991 bis 1995 spielte. Das Ziel treibt ihn an. "Diese Herausforderung, den Verein bald in die Bundesliga zu führen, also nicht heute und morgen, eher mittel- bis langfristig, ist die große Aufgabe, die mich gereizt hat", sagt Wehlend, und er verdeutlicht: "Es ist nicht meine Art, Dinge zu verwalten, sondern eher Dinge zu gestalten."

Wann genau es soweit sein könnte mit der Bundesliga? Das sei spekulativ, antwortet er. Zunächst einmal gehe es jetzt darum, die Kräfte zu bündeln mit der Politik, der Verwaltung (Stichwort Stadionzuschuss) und Wirtschaft, den Partnern und Sponsoren. "Anders wird es nicht funktionieren. Wir sind kein Verein, der sich sportlichen Erfolg kaufen kann. Wir gehen den Dresdner Weg", betont Wehlend. Zumindest in einem Punkt legt er sich fest: "Ich bin heute 55 Jahre alt, und ich weiß, dass ich das noch erleben möchte. Dafür werde ich alles tun."

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Vorerst entscheidend sei, die Corona-Krise zu überstehen. "Wenn das Rudolf-Harbig-Stadion wieder voll ist, wissen wir, dass wir's geschafft haben. Und zwar nicht nur im Fußball, sondern als gesamte Gesellschaft. Dafür lohnt es sich, hart zu arbeiten", sagt Wehlend.

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