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Was Buschmann jetzt zum Abschied von Dynamo sagt

Nach elf Jahren verlässt der Pressesprecher den Verein, aber einvernehmlich erfolgt die Trennung wohl nicht - das sind die Hintergründe.

Henry Buschmann hält den Pokal für den Drittliga-Meister 2021 im Arm. Als Pressesprecher und Fan hat er Dynamo auf eine sehr emotionale Weise begleitet.
Henry Buschmann hält den Pokal für den Drittliga-Meister 2021 im Arm. Als Pressesprecher und Fan hat er Dynamo auf eine sehr emotionale Weise begleitet. © Lutz Hentschel

Dresden. Die Anwälte haben eine Lösung gefunden, die Trennung erfolgt einvernehmlich. So lässt sich die Pressemitteilung interpretieren, die so überschrieben ist: "Henry Buschmann verlässt Dynamo Dresden." Damit bestätigt der Verein am Dienstagnachmittag die Trennung vom Pressesprecher nach elf Jahren, die zum 30. September endgültig erfolgt, aber bereits vollzogen worden ist. "Für mich war es immer etwas ganz Besonderes, für diesen Verein tätig zu sein - gleichzeitig möchte ich mit Ende 30 beruflich noch einmal neue Wege gehen", wird der 38-Jährige eingangs zitiert.

Dennoch sind Zweifel an einem freiwilligen, selbst bestimmten Abschied von Buschmann angebracht, denn die Umstände bleiben fragwürdig. Noch am vorigen Mittwoch hatte Jürgen Wehlend, als kaufmännischer Geschäftsführer für diese Personalie verantwortlich, auf Nachfrage erklärt, der Pressesprecher sei bis einschließlich Sonntag im Urlaub. Da war er jedoch nach Informationen von Sächsische.de bereits freigestellt. Auf die Nachfrage am gestrigen Montag, ob er wieder zum Dienst erschienen sei, kam keine Antwort. Es mussten vermutlich noch die Details des Abschieds geklärt werden.

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Zudem war ein möglicher Nachfolger bereits zum 1. August eingestellt worden, wie Wehlend bestätigt hatte. Mit der Pressemitteilung wird Ronny Zimmermann nun auch offiziell vorgestellt. Der 30-Jährige verantwortet demnach als "Leiter Vereinsentwicklung und -kommunikation" die gesamte interne und externe Kommunikation und soll sich darüber hinaus um die Digitalisierungs- und eine Neue-Medien-Strategie kümmern. Wehlend hatte widersprochen, dass Zimmermann der Vorgesetzte von Buschmann oder dessen Nachfolger werden sollte. Jetzt heißt es, die Aufgaben und Zuständigkeiten würden nach dessen Ausscheiden bis auf Weiteres neu aufgeteilt.

Rückblick "voller Dankbarkeit und Demut"

Sein bisheriger Stellvertreter Lennart Westphal, 28 Jahre und gebürtiger Hamburger, bleibe dabei für die Kommunikation zu sportlichen Themen zuständig. Nach Informationen von Sächsische.de sollte sich Buschmann auf diesen Bereich beschränken und die Führungsverantwortung für sein Medienteam aufgeben. Das ließe sich als notwendige Entlastung verstehen - oder als Degradierung. Buschmann äußert sich in dem Statement jedoch ausschließlich positiv. Er blicke "voller Dankbarkeit und Demut" auf das zurück, was er mit vielen Mitstreitern und Unterstützern innerhalb und außerhalb des Vereins "erleben, mitgestalten und aufbauen durfte".

Fast neun Jahre lang leitete Henry Buschmann die Pressekonferenzen von Dynamo, stellte neue Trainer und Geschäftsführer vor - nun muss er den Verein verlassen.
Fast neun Jahre lang leitete Henry Buschmann die Pressekonferenzen von Dynamo, stellte neue Trainer und Geschäftsführer vor - nun muss er den Verein verlassen. © René Meinig

Er habe mehr als zehn sehr intensive, emotionale und spannende Jahre bei Dynamo erlebt. "Es sind vor allem die unzähligen persönlichen Begegnungen und Gespräche, Momente und Geschichten, die mir als kleiner Schatz dieser Reise in Erinnerung bleiben werden", schreibt Buschmann und bedankt sich bei den Menschen, die ihm das Vertrauen geschenkt haben. "Das war über all die Jahre stets die Basis für eine gute, verlässliche und professionelle Zusammenarbeit in einem stets sehr aufgeregten Umfeld."

Das hatte sich zuletzt am 16. Mai gezeigt, als Dynamos Aufstieg beim Spiel gegen Türkgücü München von massiven Ausschreitungen vor dem Stadion überschattet wurde. Wie es hinter vorgehaltener Hand heißt, war die Vereinsspitze mit der Kommunikation im Umfeld dieser Partie unzufrieden, Buschmann allerdings zu der Zeit in einer privaten, emotionalen Ausnahmesituation. In diesem Zusammenhang soll er sich mit Wehlend überworfen haben.

Der neue Leiter bringt DFB-Erfahrung mit

Der Geschäftsführer dankt Buschmann jetzt "für seine langjährige Arbeit und Verdienste rund um die Entwicklung von Dynamo". Es sei "seinen kreativen Ideen und außergewöhnlichem Engagement" zu verdanken, dass diese in puncto Medien und Kommunikation so erfolgreich war. Als Beispiel führt der Geschäftsführer das Format "Dynamo-TV" an, das Buschmann "maßgeblich geprägt und aufgebaut" hat. Dafür hat Buschmann mit seinem Team hintergründige Reportagen und Interviews über die Mannschaft, den Verein und seine Geschichte gedreht. Außerdem entstanden zwei Filme - über Ex-Kapitän Cristian Fiel und seine Karriere sowie die Aufstiegssaison 2015/16.

Ronny Zimmermann, Dynamos neuer Leiter Kommunikation, war sowohl in Heidenheim als auch in Darmstadt bereits mit bei den Spielen. Die Pressearbeit übernahm wie gewohnt in Abwesenheit von Henry Buschmann sein Stellvertreter Lennart Westphal.
Ronny Zimmermann, Dynamos neuer Leiter Kommunikation, war sowohl in Heidenheim als auch in Darmstadt bereits mit bei den Spielen. Die Pressearbeit übernahm wie gewohnt in Abwesenheit von Henry Buschmann sein Stellvertreter Lennart Westphal. © Foto: Imago

Dennoch war der Verein in puncto Außendarstellung abseits des Sports zuletzt an Grenzen gestoßen, was auch bedingt ist durch die vergleichsweise geringe Anzahl an Mitarbeitern. Der Ansatz, sich breiter aufzustellen, ist deshalb zweifellos richtig. Allerdings darf es dann nicht beim Wechsel einer Person und einer neuen Stellenbeschreibung bleiben. Dynamo braucht eine Strategie für die Kommunikation in allen Themen abseits des Fußballs.

Mit dem Pirnaer Zimmermann hat die SGD jemanden geholt, der trotz seines Alters von erst 30 Jahren eine gewisse Erfahrung mitbringt. Er war zuletzt einige Zeit als Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der sächsischen Staatsregierung auch im Team von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Davor arbeitete er in verschiedenen Funktionen in der Medienabteilung des Deutschen Fußball-Bundes, war von 2017 bis 2020 für die Junioren-Nationalmannschaften verantwortlich.

Zimmermann hat von 2009 bis 2015 an der Philipps-Universität in Marburg studiert und als freier Autor für verschiedene Medien geschrieben. Mit einem Beitrag für Spiegel online erreichte er 2015 den 3. Platz beim Nachwuchspreis des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS). Darin ging es um das heikle Thema, wie sich der Nachwuchsfußball verändern würde, wenn Jugendspieler mit ihrem 18. Geburtstag die Verträge mit Profiklubs kündigen könnten, die zuvor ihre Eltern geschlossen haben.

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Plötzlich taucht ein neuer Name auf: Ronny Zimmermann soll für Vereinskommunikation verantwortlich sein - und Henry Buschmann ist abwesend.

Buschmann hatte vor elf Jahren als Praktikant bei Dynamo angefangen, seit dem 2. Februar 2013 leitete er als Pressesprecher den Bereich Medien, Kommunikation und PR. "Es war eine intensive, schöne und vor allem einmalige Zeit, die ich nie vergessen werde", erklärt Buschmann und bedankt sich bei seinem Team: "Ihr seid großartig!" Welche Wege er nun geht, bleibt offen - zunächst aber sucht er Abstand. Als Dynamo-Fan sagt er: "Tschüss und auf Wiedersehen."

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