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Dynamos Bier-Streit geht in die Verlängerung

Dynamos neuer Biersponsor steht fest. Am Samstag beim Heimspiel gibt es Radeberger im Stadion. Doch das will sich Feldschlößchen nicht gefallen lassen.

Anfang Juni präsentierten Dynamo und Feldschlößchen noch ein gemeinsames Aufstiegsbier, inzwischen haben sich die Fronten verhärtet. Über die weitere Zusammenarbeit entscheidet das Gericht.
Anfang Juni präsentierten Dynamo und Feldschlößchen noch ein gemeinsames Aufstiegsbier, inzwischen haben sich die Fronten verhärtet. Über die weitere Zusammenarbeit entscheidet das Gericht. © PR/Michael Schmidt

Dresden. Als Richter Fred Prade in seinem Amtszimmer im Landgericht Dresden das Urteil im Bier-Streit verkündete, war weder ein Vertreter des Kläger Feldschlößchen noch der Beklagte, die SG Dynamo Dresden, anwesend - was nicht am mangelnden Interesse lag. Im Gegenteil: Der Fall ist und bleibt brisant, und das für alle Beteiligten.

Das elektronische Aktenzeichen macht es mittlerweile allerdings möglich, dass kurz nach dem Urteilsspruch die einen wie die anderen Bescheid wissen: Die einstweilige Verfügung der Feldschlößchen Vertriebsgesellschaft mbH - die korrekte Bezeichnung ist in diesem Bier-Streit von entscheidender Bedeutung, wie auch der Richter anmerkte - wurde zurückgewiesen. Der Werbevertrag mit Dynamo ist damit zum 30. Juni ausgelaufen, der Fußball-Zweitligist darf sich einen neuen Biersponsor suchen.

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Den hat Dynamo mit der Radeberger Brauerei längst gefunden - und machte das noch am selben Abend öffentlich. Bei der Mitgliederversammlung im Stadion erzählte Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend ungefragt, dass er sich freue, "dass wir mit Radeberger einen künftigen Bierpartner haben". Und er legte ausführlich dar, wie es zur Geschäftsanbahnung gekommen ist.

Demnach habe man zum einen mit Feldschlößchen, seit zehn Jahren Bierpartner und darüber hinaus auch Exklusivpartner des Vereins, die gemeinsame Idee entwickelt, den auslaufenden Vertrag um vier Jahre zu verlängern. "Es gehört aber zur Pflicht der Geschäftsführung zu prüfen, ob es für einen solch langen Zeitraum alternative Angebote auf dem Markt gibt. Das haben wir gemacht", betonte Wehlend gleichermaßen und verwies auf das Interesse der Radeberger Gruppe. Die Brauerei sei bereit, für das Stadionnamensrecht zu zahlen, ohne im Stadionnamen aufzutauchen - und damit die durch den Rückzug des Konsums frei gewordene Position einzunehmen. Unter der Bedingung, künftig auch die exklusiven Bier-Ausschankrechte im Stadion zu besitzen.

Dynamo war einverstanden. Doch Wehlend dementierte, dass Radeberger, und so lauten die Informationen von Sächsische.de, 100.000 Euro mehr als Feldschlößchen zahlt. "Das möchte ich an dieser Stelle klarstellen: Dynamo hat einen langjährigen Partner nicht wegen 100.000 Euro die Tür vor der Nase zugeschlagen", sagte der Geschäftsführer den 350 anwesenden Mitgliedern. Stattdessen handele es sich um einen mittleren sechsstelligen Betrag pro Saison über einen langen Zeitraum.

Die Bild-Zeitung schreibt von Mehreinnahmen in Höhe von insgesamt zwei Millionen Euro in fünf Jahren. Das würde 400.000 Euro pro Saison bedeuten, die sich wiederum so aufteilen könnten: 300.000 Euro für den Stadionnamen - und 100.000 Euro mehr als Feldschlößchen bisher zahlte für das exklusive Bier-Ausschankrecht...

"Da kann man fast schon von einer strategischen Partnerschaft sprechen. Wir müssen ganz einfach auch versuchen, die wirtschaftlichen Corona-Folgen abzufedern, da kommen wir nicht dran vorbei", erklärte Wehlend und kam dann wieder auf Feldschlößchen zu sprechen: "Aber natürlich hatte unserer langjähriger Partner in diesem Prozess die Chance, in dieses Angebot einzusteigen und es wahrzunehmen. Dass dies nicht passiert ist, finden wir schade."

Feldschlößchen will die Zusammenarbeit fortsetzen

Entschieden ist der Bier-Streit damit noch lange nicht, jedenfalls aus Sicht von Feldschlößchen. Die Dresdner Brauerei will vor dem Oberlandesgericht in Berufung gehen. Das kündigte Vorstand Mike Gärtner auf Nachfrage von Sächsische.de an, denn die Entscheidung des Landgerichts beruhe aus seiner Sicht auf einem vermeintlichen Formfehler. "Wir haben einen falschen Briefbogen benutzt. Obwohl die Unterscheidung zwischen Feldschlößchen AG und Feldschlößchen Vertriebsgesellschaft im Schriftverkehr mit Dynamo in der Vergangenheit nie eine Rolle gespielt hat, wird dieses Argument nun genutzt", sagte Gärtner.

Er meint das Schreiben vom 18. Mai, in dem die Brauerei die vereinbarte Option auf Vertragsverlängerung um zwei Jahre gezogen hat. Diese, so erklärte der Richter, sei allerdings nicht rechtswirksam. "Wir bedauern sehr, dass ein solcher Formfehler mehr wiegen soll als eine jahrzehntelange Unterstützung des Vereins", sagte Gärtner, und er betonte: "Nach wie vor sind wir an einer Zusammenarbeit mit Dynamo interessiert und möchten unser Sponsoring und unsere sehr vielfältig gelebte Partnerschaft, die wir auch in schweren Zeiten des Vereins nie in Frage gestellt haben, gern fortführen."

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Durch die Entscheidung des Landgerichts sieht Wehlend dagegen Dynamos Auffassung bestätigt, dass die Zusammenarbeit mit Feldschlößchen regulär beendet ist. Schon am Samstag beim ersten Zweitliga-Heimspiel gegen Ingolstadt wird Radeberger im Rudolf-Harbig-Stadion ausgeschenkt, die Werbetafeln des Ex-Partners sind bereits entfernt, die des neuen stehen bereit. Dennoch ist Wehlend an einer versöhnlichen Trennung interessiert. "Wir werden uns mit Feldschlößchen an einen Tisch setzen, wie sich das unter langjährigen Partnern gehört. Das ist bis hierher ein sehr, sehr fairer Prozess gewesen", stellte er fest - und ergänzte wohlwissend, "der noch nicht zu Ende ist."

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