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Dynamos neue Corona-Welt: "Es hat etwas gefehlt"

Auch in Dresden dürfen nur noch maximal 999 Fans ins Stadion. Sie sehen im Ostduell gegen Magdeburg aber eine Mannschaft, die mehr als nur das Spiel gewinnt.

Die Entscheidung, maximal 999 Zuschauer zuzulassen, kam Freitagfrüh und am Abend folgte dann Dynamos Lösung. Nur die Blöcke D und E wurden geöffnet.
Die Entscheidung, maximal 999 Zuschauer zuzulassen, kam Freitagfrüh und am Abend folgte dann Dynamos Lösung. Nur die Blöcke D und E wurden geöffnet. © dpa/Robert Michael

Dresden. Die Worte Krise und Kritik sind definitiv nicht gefallen, Dynamos Trainer hat die Lage aus gutem Grund etwas wohlwollender beschrieben. „Wir haben schon ein bisschen Druck gespürt und nach dem Bayern-Spiel auf die Mütze gekriegt“, sagt Markus Kauczinski, und er tut es in dem Wissen, dass seine Mannschaft offenbar die richtigen Lehren aus der deutlichen Niederlage in der Vorwoche gezogen hat.

Dem blamablen 0:3 beim Drittliga-Vorjahrenbesten Bayern München II hat Dynamo am Samstag ein knappes, aber hochverdientes 1:0 im Ostduell gegen Magdeburg folgen lassen. Da fällt die Analyse leicht und die Wortwahl locker aus wie auch bei Kevin Broll. „Wir haben ein anderes Gesicht gezeigt im Gegensatz zu vergangener Woche. Am Ende“, sagt Dynamos diesmal unterbeschäftigter Torwart, „steht nach dem Derby ein dreckiger 1:0-Sieg, aber ein hochverdienter. Von daher ist das alles okay.“ Auch der Blick auf die Tabelle ist wieder viel freundlicher. Dynamo hat sich vom zwölften auf den siebenten Platz verbessert, und bis zu den Aufstiegsplätzen – in dieser Saison das Maß der Dinge für die Dresdner – sind es zwei Punkte.

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Diese Sichtweise will Kauczinski allerdings nicht unwidersprochen so stehenlassen. „Ach, die Tabelle interessiert mich überhaupt nicht“, entfährt es dem 50-Jährigen, zu einem größeren Gefühlsausbruch kommt es aber nicht.

Über das Spiel hinaus wirkt auch die Zuschauerzahl

Das Ergebnis hätte natürlich eindeutiger ausfallen müssen angesichts Dynamos klarer Überlegenheit vor allem in der zweiten Halbzeit, das weiß Kauczinski einzuordnen wie die sehr zähe Angelegenheit in der ersten Halbzeit und die mangelhafte Chancenverwertung insbesondere beim ansonsten überzeugenden Neuzugang Philipp Hosiner. Dennoch stellt der Trainer fest: „Am Ende kommt es auf uns an, und wir haben gezeigt, dass wir da sind. Jetzt wieder aufzustehen und zu beweisen, dass man Fußball spielen und so ein Spiel beherrschen kann, auch wenn es bisschen Stress gibt, ist ganz wichtig.“ Für den weiteren Saisonverlauf könnte das tatsächlich eine entscheidende Erkenntnis sein, nicht zuletzt im Zusammenwachsen dieser neu formierten Mannschaft.

Über das Magdeburg-Spiel hinaus wirkt indes auch die Zuschauerzahl. Lediglich 999 Fans durften im Rudolf-Harbig-Stadion dabei sein. Das ist die andere Geschichte dieses Klassikers des Ostfußballs, der die hohen Erwartungen nicht ansatzweise erfüllen konnte – weder sportlich (lag vor allem an Magdeburg) noch emotional (lag eindeutig an Corona). Unter normalen Umständen wäre diese Partie einer der emotionalen Höhepunkte dieser Drittliga-Saison, nur ist auch in Dresden seit ein paar Tagen wieder alles anders. Der Corona-Modus bestimmt den Alltag der Stadt, auch den für Dynamo-Fans.

Der Moment nach dem Siegtor: Yannick Stark ballt energisch die Faust, seine Mitspieler freuen sich ebenso. Die Erleichterung bei Dynamo ist sicht- wie spürbar groß.
Der Moment nach dem Siegtor: Yannick Stark ballt energisch die Faust, seine Mitspieler freuen sich ebenso. Die Erleichterung bei Dynamo ist sicht- wie spürbar groß. © Jan Huebner

„Es hat etwas gefehlt“, sagt Kauczinski, nachdem Dynamo zuletzt zweimal vor jeweils rund 10.000 Zuschauern spielte. Die 999 Leute hätten zwar Krach gemacht, „das war wirklich bewundernswert. Doch es ist nicht zu vergleichen damit, wenn die Bude hier voll ist und auch noch Gäste-Fans da sind.“ Thomas Hoßmang, Ex-Dynamo- und DSC-Spieler und jetzt Trainer der Magdeburger, bestätigt das. „Wie gesagt, die 1.000 Leute waren klasse. Trotzdem ist das nicht so ein emotionales Derby gewesen.“ 

Weil die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl positiver Corona-Fälle in einer Woche gerechnet auf 100.000 Einwohner, über den festgelegten Schwellenwert von 20 angestiegen ist, greift selbst im mit Einschränkungen entspannt agierenden Sachsen das Verbot von Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauern. Es deutet einiges darauf hin, dass sich daran in den nächsten Wochen erst einmal nichts ändern wird. Die Zeiten, als wie zuletzt bei den Heimspielen gegen Hamburg und Mannheim mehr als 10.000 Fans im Stadion waren, scheinen erst einmal wieder vorbei.

Stark lässt anklingen, dass es an der Einstellung fehlte

„Doch es ist müßig, sich darüber aufzuregen, weil gerade leider andere Dinge unser Leben bestimmen“, meint Siegtorschütze Yannick Stark mit professionell-nüchternem Blick auf die Gesamtlage. „Zumindest konnten wir die knapp 1.000 Leute im Stadion und einige mehr vor dem Fernseher glücklich machen“, sagt er. Entscheidender aber, das lässt sich heraushören, sei für die Mannschaft das nun wieder intakte Vertrauen in das eigene Können. „Es ist wichtig für uns zu sehen, wie wir agieren müssen, damit die Rädchen ineinandergreifen“, meint Stark, und er lässt zumindest anklingen, dass dies durchaus auch eine Sache der Einstellung ist.

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