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Dynamos Déjà-vu mit dem ewigen Hartmann

Wieder ein 3:1-Sieg in Rostock, wieder trifft der dienstälteste Spieler. Doch steigt Dynamo am Ende auch wieder in die zweite Liga auf? Die Chance ist nun wieder größer.

Marco Hartmann ist zurück bei Dynamo - und er verleiht der Mannschaft sofort einen anderen Geist.
Marco Hartmann ist zurück bei Dynamo - und er verleiht der Mannschaft sofort einen anderen Geist. © Lutz Hentschel

Dresden. Die Geschichte des Mathematik-Liebhabers Marco Hartmann, der neben seiner Karriere als Fußballprofi auch das Leben danach im Blick hat, ist hinreichend bekannt. Dass Dynamo Dresdens dienstältestem Spieler nur noch das Referendariat fehlt, um am Gymnasium unterrichten zu dürfen. Dass der 32-Jährige schon jetzt im Vereinsinternat immer mal Nachhilfestunden gibt. Dass er Zahlen mag und Brüche kennt – die zu seinem und Dynamos Leidwesen allerdings auch körperlich.

Ähnlich umfangreich wie Hartmanns mathematische Kenntnis ist jedenfalls seine Krankenakte. Es gibt de facto kein Körperteil, das nicht mindestens einmal lädiert gewesen ist. Die Platzwunde über dem Auge, die er am Samstag bei Dynamos schwer erkämpftem 3:1-Sieg bei Hansa Rostock erlitt, lässt sich da schon unter medizinischem Kleinkram einordnen. Überhaupt taugt diese Verletzung im Rückblick auf das Ostduell, das in vielerlei Hinsicht ein Marco-Hartmann-Spiel war, bestenfalls für eine kleine Anekdote.

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Ein Treffer ins Tor, einer über seinem Auge

„Wir haben es in der Halbzeit genäht“, sagt Hartmann danach über die Blessur, die ein Weiterspielen für ihn keineswegs infrage stellte. In den paar Minuten vor der Pause trug er einen blauen Turban um den Kopf, nach dem Seitenwechsel dann ein im Vergleich dazu fast schon unscheinbares Pflaster. Schön ist etwas anderes, Äußerlichkeiten auf und auch neben dem Platz interessieren Hartmann aber nicht. „Mal wieder eine Verletzung mehr. Aber ich bin verheiratet und habe zwei Kinder, sollte also kein Problem mehr werden“, stellt er dazu fest.

Auch sein Tor in der 30. Minute, als er einen schnell ausgeführten Freistoß von Patrick Weihrauch mit der Brust annimmt, sich dreht und entschlossen zum 2:0 trifft – für Hartmann eine Randnotiz. „Patrick hat einfach einen Blick für die Situation, achtet darauf, wie ich mich bewege. Der Gegner war noch gar nicht bereit und dann ... Was soll sich sagen? Zufall war es nicht, aber ich will es auch nicht an die große Glocke hängen“, erklärt er.

Viel lieber redet Hartmann über Fußball und dabei ebenso versiert und rhetorisch gekonnt vom großen Ganzen als auch über taktische Details. Den verdienten Erfolg im durch die Fans trotz des derzeit geltenden Zuschauerverbots emotional aufgeladenen Ostklassikers bringt er schon wenige Minuten nach Abpfiff auf den Punkt. „Eine überzeugende Leistung der Mannschaft mit ganz viel Kampfstärke und ganz viel Willen und auch drei sehr schönen Toren“, fasst Hartmann zusammen.

Nach dem 3:1-Sieg in Rostock schreit Marco Hartmann seine Freude heraus. Und das Pflaster über dem Auge? Kaum der Rede wert, findet er.
Nach dem 3:1-Sieg in Rostock schreit Marco Hartmann seine Freude heraus. Und das Pflaster über dem Auge? Kaum der Rede wert, findet er. © osnapix

Dass Dynamo in der ersten Halbzeit aus drei Chancen drei Tore erzielt, „gehört zur Geschichte dieses Spiels“, ergänzt er. Von einem glücklichen Sieg muss man trotzdem nicht sprechen, findet Trainer Markus Kauczinski: „Es hört sich alles so leicht an, aber es war ein hartes Stück Arbeit. Wir haben die entscheidenden Situationen für uns genutzt und dabei nicht nur Geschenke angenommen, das muss man so auch erst einmal rausspielen.“

In der 14. Minute ist es Weihrauch, der einen Rückpass zum Torwart abfängt, in die Mitte auf Christoph Daferner passt, der unter Bedrängnis das 1:0 erzielt. Und nach Hartmanns 2:0 schließt Ransford-Yeboah Königsdörffer einen präzise vorgetragenen Angriff zum 3:0 ab. Das 3:1 kurz vor der Pause, als Kevin Ehlers wegrutscht und Pascal Breier für Rostock trifft, bleibt die einzige Nachlässigkeit. Dynamo verteidigt gerade in der Schlussphase sehenswert. „Es war ein konstruktives Miteinander, nicht planlos, sondern gut positioniert und abgesprochen“, sagt Hartmann, der inmitten der offensichtlich wieder besser funktionierenden Mannschaft herausragt. Als Abwehrchef in der Dreierkette, als Motivator für die anderen, als jemand, der besagtem Miteinander eine Struktur gibt.

"Er gibt uns jungen Spielern brutalen Halt"

„Irgendwie habe ich schon ein Gespür dafür, wo ein Ball hinkommen kann und wohin nicht. Mit meiner Größe muss ich dann aber auch da sein. Freut mich, dass ich heute so viele nicht ganz einfache Situationen retten konnte“, beschreibt Hartmann seine Qualitäten auf dem Platz.

Warum ihn Dynamo nach dem Abstieg im Sommer darüber hinaus unbedingt beim Aufbau der neuen Mannschaft dabei haben wollte? „Er hat schon viel erlebt und kann auf viel Wissen zurückgreifen“, sagt Trainer Kauczinski, und Neuzugang Daferner hebt Hartmanns didaktische Fähigkeiten hervor: „Er gibt uns jungen Spielern brutalen Halt, das habe ich ihm auch schon gesagt. Man kann sich an ihm hochziehen, und er hat auch sehr wertvolle Tipps.“

Hartmann, ob er will oder nicht, ist und bleibt Dynamos Hauptdarsteller. Seit 2013 wird er in Dresden stets von fußballerisch deutlich talentierteren Mitspielern umgeben, macht jedoch meist den Unterschied aus. Das hat sich bereits in der Vorwoche beim 2:1 gegen 1860 München angedeutet, als ihm nach der x-ten Verletzung ein starkes Startelf-Comeback gelang und er der Mannschaft, so komisch das klingt, sofort einen neuen Geist verlieh. In Rostock ist das noch offensichtlicher gewesen. Nicht zuletzt stimmen auch die Ergebnisse: zweites Spiel mit Hartmann, zweiter Sieg in Folge. Seine Antwort: „Läuft, oder?“

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Es passe gerade wieder vieles und vielleicht wiederholen sich ja Dinge – hat Hartmann vorm Spiel gegen Rostock gesagt. So wie 2015 bei der bis dato letzten Partie im Ostseestadion, als der Drittligist Dynamo mit 3:1 gewann, Hartmann ein Tor erzielte und die Mannschaft am Saisonende aufgestiegen ist. Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass auch dies wieder gelingt, ließe sich vermutlich sogar mathematisch berechnen. Statt Formeln vertraut Hartmann in dem Fall aber lieber auf Erfahrung und Intuition. Die Chancen, so viel steht vor allem wegen des Auftretens in Rostock fest, sind zumindest nicht kleiner geworden.

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