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Dynamos wertvollster Spieler ohne Stammplatz

In der Vorsaison war Kevin Ehlers die Entdeckung. Jetzt spielen andere auf seiner Position. Wie geht das große Talent mit dieser Situation um?

Genauso geradeaus wie sein Blick verlief bisher auch die Karriere von Kevin Ehlers. Nun legt sie gerade einen kleinen Zwischenstopp ein.
Genauso geradeaus wie sein Blick verlief bisher auch die Karriere von Kevin Ehlers. Nun legt sie gerade einen kleinen Zwischenstopp ein. © Lutz Hentschel

Dresden. Es klingt ein wenig komisch, von einem Gewinner zu sprechen, wenn die Mannschaft als Tabellenletzter absteigt. Doch Kevin Ehlers gehört zweifelsohne in diese Kategorie. Wer mit 18 Jahren einen Stammplatz in der 2. Bundesliga erkämpft, seinen Marktwert auf 1,5 Millionen Euro schraubt und mit der Fritz-Walter-Medaille des Deutschen Fußball-Bundes für Nachwuchsspieler ausgezeichnet wird, hat nicht nur ganz viel Talent, sondern auch verdammt viel richtig gemacht. 

Das ist die eine Seite. Die andere ist problematisch: Mit den Erfolgen steigt die Erwartung, dass es in diesem Tempo weitergeht. Alles andere wird als Niederlage empfunden – zumindest von der Öffentlichkeit. Dabei sind Zwischenstopps in Karrieren völlig normal.

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Verletzungspech bei der U-20-Nationalmannschaft

An solch einem Punkt steht der inzwischen 19-jährige Ehlers gerade. Seinen Stammplatz in der Innenverteidigung hat er erst mal verloren, obwohl Dynamo nun in der 3. Liga spielt. Doch der Absteiger hat auf seiner Position mit Sebastian Mai und Tim Knipping viel Erfahrung und viel Präsenz verpflichtet. „Die beiden machen es super, harmonieren gut“, lobt Ehlers die Konkurrenten und ahnt wohl, dass seine Einsatzchancen eher schlecht stehen, wenn das Duo von Verletzungen und Platzverweisen verschont bleibt.

Zum Saisonstart fiel er selbst erst einmal aus. Bei der U-20-Nationalmannschaft knickte er um und zog sich eine Einblutung im Sprunggelenk zu. Bei Dynamos ersten beiden Pflichtspielen musste er pausieren. Am Sonntag beim 1:1 gegen Waldhof Mannheim gehörte er nicht zum Kader – wohl wegen des Trainingsrückstandes.

Kevin Ehlers beim Trainingslager in Mijas (Spanien).
Kevin Ehlers beim Trainingslager in Mijas (Spanien). © Lutz Hentschel

„Ich möchte natürlich spielen, weil ich denke, dass dies in meinem Alter ganz wichtig ist“, hatte er bereits im Trainingslager Ende August erklärt. „Es liegt an mir, den Trainer in der tagtäglichen Arbeit zu überzeugen.“ In der Vorbereitung klappte das nicht so wie gewünscht. „Ich habe nicht gut angefangen, war selbst nicht zufrieden. Wenn man nicht die Leistung bringt, muss man sich eben hinten anstellen“, erzählt er im SZ-Gespräch. „Als es dann langsam wieder bergauf ging, habe ich mich verletzt.“

Nicht konstant genug

Die Schwankungen erklärt er mit seinem Alter. Sie sind tatsächlich normal für Fußballer, die gerade erst den Nachwuchsteams entwachsen sind. Bereits am Ende der vergangenen Saison, als die Mannschaft Spiele im Drei-Tage-Rhythmus bestritt, waren ihm einige Fehler unterlaufen. Womöglich entschied die sportliche Leitung um Markus Kauczinski und Ralf Becker auch deshalb, gleich zwei erfahrene Innenverteidiger zu verpflichten. 

Ist es nun also anspruchsvoller geworden, einen Stammplatz zu ergattern? Ehlers findet das nicht: „Das war voriges Jahr genauso schwer.“ Die Konkurrenten hießen da Florian Ballas und Jannik Müller. Ihre Nachfolger Mai und Knipping sind in Sachen Körpersprache und Ansprache allerdings weitaus präsenter.

Kevin Ehrlers (4.v.l) beim Dynamo-Gruppenshooting.
Kevin Ehrlers (4.v.l) beim Dynamo-Gruppenshooting. © Robert Michael

Ehlers sieht da bei sich durchaus Nachholbedarf. „Es ist mein Ziel, ein bisschen mehr den Mund aufzumachen. Ich denke, das ist ganz wichtig auf dieser Position. Da habe ich mit Basti einen vor der Brust, von dem ich mir viel abschauen kann“, sagt er, meint den Kapitän, aber nicht nur dessen lautstarke Anweisungen. „Ich stehe als junger Spieler am Anfang meines Weges und kann von beiden noch viel lernen, weil sie einfach schon viel erlebt haben.“ Diese Erfahrung könnte beim anspruchsvollen Vorhaben, wenn möglich direkt in die 2. Liga zurückzukehren, ganz wichtig werden.

"Ich fühle mich wohl bei Dynamo"

Doch was wird dann mit Ehlers, den Dynamo vor drei Jahren von Hansa Rostock, wo sein Vater Uwe die A-Junioren betreut, geholt hatte? Als Innenverteidiger Nummer drei springt er ein, wenn Mai oder Knipping ausfallen sollten. Und die Saison in der 3. Liga ist lang. 38 Spieltage sind es bis Ende Mai. 

Eine richtige Winterpause gibt es wegen des verspäteten Beginns nicht, und dann kommen auch noch die Aufgaben im DFB- und Landespokal hinzu. Der gebürtige Münchner wird also seine Einsätze bekommen. Es ist nur eine Frage der Zeit – und die eigentliche Frage eine andere: Reicht es ihm, einzuspringen, wenn andere pausieren sollen oder müssen?

Räumt auch nach dem Training auf: Kevin Ehlers im spanischen Trainingslager in der Winterpause der Vorsaison.
Räumt auch nach dem Training auf: Kevin Ehlers im spanischen Trainingslager in der Winterpause der Vorsaison. © Lutz Hentschel


Das Transferfenster wurde wegen Corona verlängert, hat noch bis zum 5. Oktober geöffnet. Wäre also ein Last-Minute-Wechsel eine Option? Für die Antwort muss er nicht lange überlegen. „Daran habe ich bis jetzt noch keine einzige Sekunde verschwendet, denn ich fühle mich wohl bei Dynamo. Die Saison ist gerade erst losgegangen. Da liegt mein voller Fokus auf der Hinrunde. Ich konzentriere mich darauf, mich nach meiner Verletzungspause erst einmal in die Mannschaft zu spielen – und auf nichts anderes“, sagt er entschieden.

Keine Kurzschlussreaktionen

Über seine Rolle in dem zusammengestellten Team habe es Gespräche gegeben mit der sportlichen Leitung, erzählt er, „aber über den Inhalt der persönlichen Gespräche werde ich in der Öffentlichkeit nichts sagen“. Was eigentlich schade ist, das Zuhören könnte sich durchaus lohnen, denn Ehlers spricht erstaunlich reflektiert und abgeklärt über sich und seinen Beruf, vor allem wenn man bedenkt, dass er erst 19 ist. Egal, ob Trainer oder Mitspieler über ihn reden, es fällt immer ein Satz: „Er ist absolut klar im Kopf.“ Man könnte das so übersetzen, dass er Situationen sehr gut und realistisch einordnen kann – natürlich auch die, in der er gerade steckt.

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Daher gibt es keine öffentlichen Forderungen nach einem Stammplatz von ihm und auch keine Kurzschlussreaktionen, sondern nur ein Versprechen: „Wenn ich die Chance kriege, möchte ich voll da sein.“

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